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1. Advent mitten auf dem Atlantik mit großem Plätzchenbacken.

Autorin: Lotte

Position: Atlantik

(14° 47,33N 043° 10,99W)

Der Tag begann überraschend hastig, als Emma sich in mein Bett warf, meine Schulter rüttelte und verzweifelt versuchte, mich aus meinen tiefen Träumen zu wecken. Um mich vollkommen zu Bewusstsein zu bringen, rief sie: „Lotte, der Wassertank ist alle – ganz alle. Wir haben ein Problem, alle müssen an Deck.“ Also blitzschnell Hose anziehen und so schnell wie es geht an Deck taumeln. Dort erwarteten uns ein stinksaurer Martin und ganz viel Ärger. Wir hatten es als erste Gruppe, mit der er je zur See gefahren ist, geschafft, den Wassertank vollkommen leer zu duschen. Und das ohne Grund: am Anfang muss man sich natürlich noch an das Wassersparen gewöhnen, weil es keiner von zu Hause kennt, aber nach nun bald zwei Monaten, die wir hier wohnen müsste jedem die Knappheit an Wasser bekannt sein und jeder muss damit umgehen können.

Kein Wasser bedeutet kein Abspülen, keine Wäsche waschen, kein Duschen und sparen wo es nur geht. Unser Wassermacher produziert 120 Liter in der Stunde, läuft ca. 12 Stunden am Tag und hat Platz für 9000 Liter Wasser. Um eine solche Kapazität aufzubrauchen, die auch noch fortwährend aufgefüllt wird, muss jede Person an Bord 60 Liter am Tag verbrauchen. Das sind unvorstellbare Mengen. Er ließ uns eine Weile zusammen draußen sitzen, damit wir darüber nachdenken und uns klar werden konnten, wie so etwas passieren kann. Jeder muss für sich selbst überlegen, wo er jetzt noch mehr Wasser sparen kann und es besteht ein Duschverbot, bis der Wassermacher überläuft.

Ich sehne diesen Tag jetzt schon heran!

Danach wurden die Dienste für den Putztag verteilt. Ich zog „cleaning the saloon“.

Und dann ging es zum tollsten Teil des Tages. Ein riesengroßes Plätzchenbacken mit Hannah H., May, Nora, Paula, Elena und Emma! Win und Emil halfen zwischendrin auch ein bisschen, aber die Vanillekipferl sahen leider wirklich nicht so toll aus, sodass sie sich irgendwann lieber einer anderen Aufgabe widmeten. Man kann sich wahrscheinlich vorstellen, dass die Weihnachtsstimmung, umgeben von Wasser bei Sommertemperaturen und auf dem Weg in die Karibik, eher begrenzt ist, aber wir taten alles uns nur mögliche, um sie aufzubauen: Weihnachtslieder in Dauerschleife, selber singen und von Skiurlaub, Schnee und Weihnachtstraditionen zu Hause erzählen. Wir haben übrigens auch eine Weihnachts-AG gegründet, in der wir backen und Deko basteln werden.

Heute gab es Vanillekipferl, Spitzbuben, Frisenplätzchen, und eine eigene Kreation, die wir „Schokolanten“ tauften. Aber wie das so auf dem Atlantik ist, erschwerten die Wellen das optimale Backen dezent: volle Bleche rutschten vom Tisch, Mehlschalen kippten aus, ein Marmeladenglas zerbrach und überall auf dem Boden lag Teig. Trotzdem schmeckten die Ergebnisse göttlich!

Nach dem Backen hatte ich Wache und quatschte, wie eigentlich fast immer, mit Emil und später mit Nico. Dann nach meiner Wache um 17:00 Uhr fing ich an, mit Win und Emil die Messe zu putzen, was beinhaltete, alle Wände zu schrubben – das war echt beschissen, aber letztendlich haben wir es ja doch geschafft.

Heute Abend bastle ich noch Emmas Weihnachtskalender zu Ende – ein bisschen spät, aber immerhin! Nach dem Training mit Sportgruppe Mondschein heißt es dann waschen und schnell ins Bett – immerhin geht es morgen früh wieder los.

Eure Lotte

 

 

 

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