Ocean College

Oktober2017

Verzweiflung beim Küchendienst (shit happens) und Halloweenleckereien

Autor: Emma Luhmann
Position: Atlantik, marrokanische Küste
(34° 12,92 N 12° 53,27 W)

Heute Morgen bin ich vom Sonnenschein wach geworden, der durch meine Luke schien.
Okay, eigentlich eher, weil jemand in meine Kajüte kam, es keine Luft mehr zum Atmen gab und ich zum Küchendienst musste! Aber die Vorstellung, auf dem Ozean von der Sonne geweckt zu werden, ist doch schon schön! Nun ich hatte Küchendienst – Abwasch machen, kochen, Tisch decken und wieder von vorne – und das fünf Mal am Tag!

Zu Beginn hatte ich sogar noch ein wenig Motivation das Frühstück vorzubereiten, bei dem natürlich auch direkt das erste Unglück des Tages geschah. Ich war mir unsicher, die Müslibox wegen des starken Wellengangs auf den Tisch zu stellen, aber dann kam Leon, nahm die Box und stellte sie mit den Worten „So kann nichts passieren!“ auf den Tisch. Tja, fünf Sekunden später kippte die Box vom Tisch, fiel die Treppe zu den Crew Kajüten hinunter und dort breiteten sich dann die beliebten Smacks aus. Also: Staubsauger her, auch wenn dann Sietse geweckt wird – er wird sowieso sauer, entweder wegen verteilter Smacks vor seiner Tür, oder wegen des Lärms! Also riskierten wir es.
Meine Motivation wich so langsam, als es zum Abwasch überging – Peanutbutter ist nicht so leicht abzukriegen, wie man denkt! Dann mussten wir auch noch für das Abendbrot den Brotteig für neun Brotlaibe vorbereiten, wofür wir eine super Rührmaschine haben, bei der man den Topf nicht ablösen kann!

Nun ja, als wir das geschafft haben, gab es um 11:00 Uhr, wie jeden Tag, Obst. Danach ging es auch schon ans Mittagessen. Es gab Hühnerkeulen und Reis mit Gemüse und dazu einen von Ben, Alisa und mir geschnippelten Salat. Wir haben draußen gegessen, aber als es zum Abwasch ging und auch noch der Wasserspender nicht funktionstüchtig war, sank meine Laune auf einen sehr gefährlichen Punkt! Also Stöpsel in die Ohren, laut Musik hören und beim Abtrocknen der gefühlt 1000 Teller, Schüsseln und Becher versuchen, nicht zu verzweifeln! Grüße an meine Eltern, ich weiß, dass ich unterzuckert war, aber da hat auch ein überzuckerter Kaffee nicht mehr geholfen!

Dann gab es endlich einen Lichtblick – der 16:00 Uhr Snack! Da Halloween ist, wollten wir etwas Besonderes machen, also bastelten Kathrin, Paula und Lotte netterweise kleine Geister- und Kürbisschablonen für uns. Mit Hilfe von Puderzucker brachten wir so kleine Verzierungen auf unsere, vom Pancakeprofi Ben gebackenen, Pfannkuchen. Dazu gab es noch Sprühsahne und das Küchenteam gönnte sich eine fette Nutella-, Sprühsahne- und Puderzuckerpfannkuchentorte.
Dieses Spektakel bedeutete natürlich wieder: Abwaschen! Aber das hat sich echt gelohnt!
Dafür haben wir ein wenig beim Abendbrot gespart – statt Kartoffelsuppe (waschen, schälen) gibt es Tomatensuppe und Brot!

Das zweite Unglück des Tages war ein erfolgreicher Fehlschlag! Wir haben die Drohne verloren, aber hammermäßige Aufnahmen bekommen. Leon, unser Drohnenpilot, hatte Johan von Anfang an klar gemacht, dass die Drohne versenkt werden könnte (Landung auf einem fahrenden Schiff ist einfach schwer), aber das war es ihm wert, zumal es bisher ja auch immer geklappt hatte, aber jetzt gibt es megamäßige Aufnahmen, die ab Teneriffa online gesichtet werden können. Eigentlich lief alles gut, bis auf die Landung auf dem Schiff, als eine Welle die Regina Maris anhob und dann eben die Drohne erwischte. Dafür gibt es jetzt eine Dauersendung aus 4000m Tiefe:
Meine Laune ist gerade auch auf einer auszuhaltenden Höhe und ich freue mich schon auf den Abwasch nach dem Abendbrot. Wenigstens kann ich dann heute die Wache ausfallen lassen und ein wenig mehr schlafen! Aber vorher wird noch Sport mit Kathrin und Paula gemacht. Wir bilden quasi eine Gegengruppe zu „Fit ohne Geräte oder auch Männersport“, wie Johan es nennt.

Zum Schluss möchte ich noch meine Familie grüßen, die dank der Tagesberichte immer schon über alles und jeden Bescheid weiß! Ich hab euch lieb und freue mich schon auf unser nächstes Telefonat auf den Kanaren!

Eure Emma

Unser erster Badetag.

Autor: Lotte
Position: Küste von Portugal
(36° 50,0 N 11° 34,2 W)

Mein Tag begann heute nicht sonderlich motiviert. Ich habe in den beinahe zwei Wochen mein Bett so schätzen und lieben gelernt, dass es mir schrecklich schwer fiel, es heute Morgen um viertel vor sechs zu verlassen. Im Halbdunkeln zog ich mich an, schnappte mir meine Mütze und meinen Schal und schlüpfte in meine knallgelben Gummistiefel, die bisher mein Erkennungssymbol bei der Nachtwache sind, weil sie im Dunkeln gerade zu leuchten.
Beim Verlassen der Kajüte passe ich seit vorgestern besonders gut auf, weil ich mir den Daumen mit voller Karacho in der Tür eingeklemmt habe, als sie dank einer Welle ins Schloss geknallt wurde.
Die Wache war super, die Laune gut und ich hab Tonnen von diesen ungesunden Zuckermüslicornflakes gegessen. Grüße gehen raus an Mama und Papa: Ich achte natürlich auf meine Ernährung.

Um halb sieben weckten wir Hannah und May, unsere Küchenfeen, die auch schon um diese Uhrzeit einen großartigen Kuchen für unser Geburtstagskind Nico zauberten.
Der Mandelkuchen wurde dann eine Stunde später verputzt und von allen sehr gelobt.
Nach meiner Wache war eigentlich Yoga mit Kathrin, Paula, Emma und Elena geplant. Das haben wir dann aber auf heute Abend verschoben, weil sie während ihrer Wache Müll klein schneiden mussten und deshalb die Zeit zu knapp war.

Ich war so müde, dass ich mich nach vorne in einen Korb mit Seilen setze, wo ich an meinem Reisetagebuch schrieb und mich entspannte. Es war wunderschön, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen, den Wind zu spüren und dem Plätschern der Wellen zu zuhören. Nicht mal Sebastian, dem ich danach begegnete, konnte mir meine Laune verderben, als er mir einfach so zum Spaß androhte, noch ein bisschen Mathe- und Physikunterricht extra zu machen. Meine Lieblingsfächer 😉
Ich ging runter, um mir was Ordentliches anzuziehen und war überglücklich über den Vertrag, den ich mit Charlotte und Wanda abgeschlossen hatte, welcher besagt, dass wir alle unsere Anziehsachen miteinander teilen. Als ich also sah, wie Wanda in meiner Jacke in der Messe saß, schnappte ich mir ihr Top und setze mich zum Küchendienst in die Messe, der schon dabei war, Tonnen von Zwiebeln für die Tomatensoße zu schnippeln.

Dann wurde mal wieder die Glocke geläutet und Martin machte eine Ansage, die sich in eine Diskussion zwischen Schülern und Kapitän verwandelte. Am Ende zog sich das ganze so hin, dass ich jetzt schon nicht mehr wusste was eigentlich Grundthema der Ansage war. Zusammenfassend ging es darum, dass wir besser zuhören und Martins Befehle sofort ausführen sollen. Außerdem kam die Diskussion auf, ob man Fragen bezüglich dieser Befehle stellen dürfe oder, so wie Martin findet, selber darauf kommen soll, auch wenn dann Fehler passieren.
Als wir Training mit Joseph hatten, tauchten wieder einmal Delfine auf, die nur ungefähr zwei Meter von uns entfernt aus dem Wasser sprangen.

Beim Mittagessen verkündete Martin die tolle Nachricht, dass wir baden gehen dürfen.
Also zogen wir uns schnell um und stellten uns in die Schlange, die sich mittlerweile am Klüvernetz gebildet hatte. Wir sind alle vom Geländer gesprungen und mussten dann aufpassen, dass wir im Wasser nicht an der Leiter vorbei getrieben werden, weil man sonst schwer wieder an Bord kommt. Die Strömung war so stark, dass man sich richtig festhalten musste. Das Springen vom Netz hat richtig viel Spaß gemacht! Leon ließ sogar die Drohne fliegen und hat tolle Filme davon aufgenommen. Später, als ich gerade Geographie mit Otto hatte, verteilte Nico noch seine Gummischlangen, die er von Johan zum Geburtstag geschenkt bekommen hat.

Während ich mein Referat ausarbeitete, überlegten Kathrin und ich, warum um alles in der Welt Steuermann Sietse den ganzen lieben langen Tag in Bananenbadehose durch die Gegend rennt. Wir kommen zu dem Entschluss: Weil er es kann!

Gerade kündigt die untergehende Sonne schon meine Nachtwache an, die in einer halben Stunde beginnt und bestimmt wieder lustig wird.

Ich möchte noch alle meine Liebsten zu Hause grüßen, die das hier lesen und so liebe Nachrichten schreiben oder beim Telefonieren immer gleich alles wissen wollen, wenn ich mich im Hafen bei ihnen melde. Ich hab euch ganz doll lieb.

Eure Lotte

Ein freier Tag kann nach einer ereignisreichen Woche so gut tun.

Autor: Elena
Position: Vor Portugal
(39° 10,9200N 010° 19,8900W)

Wach wurde ich heute um 08:15 Uhr, als jemand an die Tür von meiner Koje hämmerte, um uns zum Frühstück zu wecken. Je länger ich hier an Bord bin, desto schwieriger wird es für mich morgens aufzustehen. Die Glocke zum Frühstück überschlaf ich schon automatisch.
Nachdem ich mich aus meinem Bett und hoch in die Messe bringen konnte, musste ich enttäuscht feststellen, dass das Brot schon aufgegessen war. Also blieb für mich nur ein Glas Orangensaft als Frühstück, weil das neue Brot noch im Ofen war.

Meine Wache von 09-12:00 Uhr verlief relativ ereignislos. Einige Schüler sonnten sich oben an Deck oder machten etwas Frühsport. Da nun wirklich keiner mehr seekrank ist (was sogar auch bei mir der Fall ist :), sind alle weitaus aktiver und fröhlicher. Das Küchenteam zeigte sich heute sehr kreativ und sorgte mit Joghurt mit Obst und Cornflakes als Vormittagssnack für eine echte Abwechslung.

Um halb zwölf wurden wir von Martin zusammengerufen und die Jobs für´s Reinschiff wurden wieder per Spielkartensystem vergeben. Ich hatte großes Glück und zog den Joker. Das heißt, ich darf mich ans Deck setzen und den anderen bei ihrer Arbeit „doof“ zuschauen. Ich habe stattdessen die freie Zeit zum Lesen und Musikhören genutzt. Die neidischen Blicke der anderen und der Anblick, Ben mit dem Staubsauger hantieren zu sehen, können einem einen so sonnigen Tag nochmal versüßen.

Zum Mittagessen zeigte sich das Küchenteam erneut kreativ, denn es gab statt Suppe und Brot Wraps, die sich jeder selbst zusammenstellen durfte. Da es heute 20 Grad hatte, fand das Essen draußen statt. Zum Nachtisch verteilte Martin wieder Süßigkeiten. Nach dem Essen arbeitete ich ein bisschen an meinem Referat weiter. An dem Punkt nochmal: Danke Papa für die ganze Mühe mit dem USB-Stick und alles Gute nachträglich zu deinem Geburtstag!

Fast hätte ich sogar genug Motivation gefunden meine Tuba auszupacken, aber ich hatte noch ein bisschen Bedenken mit dem Seegang, deshalb wird das wahrscheinlich noch etwas nach hinten verschoben.
Alles in allem war das heute ein sehr entspannter Tag für mich und während das Küchenteam schon das Gemüse für´s Abendessen schnippelt, werde ich mich wohl noch ein bisschen zurücklehnen.

Eure Elena