Ocean College

November2017

Ein Tag ohne Ereignisse und doch so viel zu sagen.

Autorin: May

Position: Atlantik

(15°35,70‘N36°42,82‘W)

Gestern oder eher heute bis 01:00 hatte ich Wache. Leider haben wir gegen Ende einen Fehler gemacht. Wir haben die Alpha-Wache zu früh geweckt! Um 00:20 Uhr. Wieso? Weil wir auf Martins Trick herein gefallen sind. Dazu aber später mehr. Also, als ich dann in den Gemeinschaftsraum hinunter kam, saßen da einige, um Matthias Geburtstag zu feiern. Nach einem “Happy Birthday“ von mir für ihn, ging ich sofort ins Bett.

Am nächsten Morgen wurde ich um 07:20 Uhr wach. Da ich noch 40 Minuten Zeit hatte bevor ich zum Frühstück sollte, habe ich mir ein Hörbuch angemacht und habe etwas Candy Crush auf dem Tablet meiner Mutter gespielt (wieder einmal dankbar für meine vorausschauende Mutter). Sobald die Glocke 2x schlug, bin ich aufgestanden. Zum Frühstück gab es ein Müsli. Um 09:00 ging für mich die Schule los. Es begann mit Deutsch. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Deutsch nicht so sehr mag, aber Otto gab uns die Aufgabe, ein Gedicht für den Nikolaus zu schreiben. Das etwas, das mir Spaß gemacht hat und was ich auch recht gut kann. Nach kurzem Schreiben hörte ich Otto noch etwas beim Reimen zu und versuchte mich an das Gedicht auf Plattdeutsch zu erinnern (Wihnachtsmann kiek mi an lüttsche deer bin ik man… ). Nun freue ich mich, mein eigenes Gedicht bald vorzulesen.

Danach begann Erdkunde, ebenfalls mit Otto. Diese Stunde endete jedoch sehr früh, da wir nur drei im Unterricht waren und uns recht gut anstellten. Jetzt kam Mathe. Ich habe aber eine eins im Unterricht für meine Vorstellung der Langzeithausaufgabe bekommen (für Mama und Papa zum Stolz sein)!

Dann habe ich einen Plan für das Putzen im Saloon für meine Wache erstellt. Damit sich niemand mehr beschweren kann.

Erneut erklang die Glocke und wir aßen zu Mittag. Es gab Bohnen, Kartoffeln, Fleisch mit Bratensoße und für die Vegetarier Omelett mit Tomaten. Da ich die Bratensoße nicht essen kann, aß ich vegetarisch. Aber für einige war das nicht genug. Für Nils und Karl zum Beispiel, sie holten sich noch einen Teller mit der Soße und tunkten Brot hinein.

Leider wurden wir dann zum Allgemeinalarm gerufen, weil meine Wache nicht nachgedacht hat. Um noch einmal kurz auf den bereits angesprochenen Fehler in der Weckzeit zu kommen. Es gab eine Zeitumstellung. Wir hätten eigentlich 20 Minuten länger machen sollen und nicht 20 Minuten kürzer. Deshalb musste dann die Alpha-Wache wie bereits erwähnt früher anfangen (Entschuldigung hierfür).

Als wir wieder im Gemeinschaftsraum saßen, war Nils sehr erleichtert, dass seine Soße nicht vom Teller gelaufen ist. Nach dem Essen habe ich noch einen Weihnachtskalender für Honey (Hannah H), und ich bin mir auch sicher, sie für mich, gemacht. Ich bin leider nicht ganz fertig geworden. Während wir so gebastelt haben, sind wir alle High School Musical Songs durchgegangen. Sprich, wir haben diese laut gesungen. Dabei musste ich sehr an meinen Solistenauftritt auf meiner alten Schule denken. Liebe Grüße, falls das wer von den TSSlern liest!

Zum verspäteten Snack gab es einen Geburtstagskuchen, ganz liebevoll von Wanda, Nico und Mona gebacken. Das letzte Fach für heute war Ernährungslehre mit Nora und Kathrin. Dieses ging wie immer sehr schnell vorbei. Zu Abend habe ich Brot gegessen.

An solchen Tagen, wenn wir nicht so viel zu tun haben, bekomme ich starkes Heimweh. Und wenn wir dann noch Weihnachtslieder singen, denke ich noch mehr an Zuhause. An das Weihnachtsbacken mit Ovi und Bea. Oder wenn es Bohnen gibt, denk ich an Birnen, Bohnen und Speck bei Omi.

An alle diese kleinen Dinge zu Hause. Ewig mit Lukas im Auto herumfahren und laut Musik zu hören. Oder rüber zu Mausi und einen Film gucken, oder weiter an der Choreographie feilen. Irgendwie denke ich immer mehr über die Dinge zuhause nach. Der einfache Alltag, den man zuhause so verflucht, den vermisst man hier. Die kleinen Dinge lerne ich hier immer mehr wertzuschätzen. Jedoch auch die Zeit mit Freunden. Manchmal entzieht mir das Heimweh alle Energie. Dann denke ich daran, wie stolz mein Vater auf mich ist und ich habe wieder Kraft. Danke. Ich vermisse euch alle ganz doll. Und nicht nur die, die ich erwähnt habe.

 

Eure May

 

487 Wörter zu einem ganz normalen Tag auf dem Atlantik

Autor: Matthias

Position: Atlantik

(16°44,36´N 34°12,16´W)

Mein Tag begann wie jeder andere dieser Woche; um 04:40 Uhr wurde ich von Karl geweckt, ich dachte mir dabei nur: „Es gibt nichts schlimmeres als diese Uhrzeit, der Tag kann ja nur noch besser werden!“ Wie dem auch sei, aufgrund der Dunkelheit sah ich keinen Hai, obwohl ich für eine Stunde im Ausguck war, bis ich Tobi am Steuer ablöste. Das schönste an unserer Wache war wie immer der Sonnenaufgang, denn dann wird man endlich etwas wacher.

Da wir in ein paar Tagen die praktische Mikroplastikprüfung haben, habe ich heute nochmal eine Probe genommen. Die angefertigte Probe kam dann in die wieder fast leere Palette, nachdem uns letztens Brotteig über die Proben gelaufen ist – fast hätten wir sie aufgebacken und gegessen.

Nach meiner Wache bin ich dann erstmal kurz schlafen gegangen… Kurz… Nach drei Stunden bin ich wieder aufgewacht, den 11:00-Snack habe ich offensichtlich verschlafen, aber es gab nur Birnen, also habe ich nicht das beste Essen des Tages verpasst. Schon 20 Minuten später gab es dann zum Mittagessen Lasagne, sie war eigentlich echt ganz gut, so sehr ich mich anstrengte, heute war es tatsächlich mal ein Essen ohne Gemüse, wo es nicht hingehörte. Dann gab es eine große Ansage von Martin, in der er uns sagte, dass wir noch vor Dominica die erste Schiffsübergabe machen werden und wir uns bis Sonntag für die Positionen Kapitän, Steuermann, Bootsleute, Koch, Schiffsarzt oder Maschinist bewerben können.

Danach ging es dann los mit dem Unterricht, zuerst hatten wir Deutsch bei Otto, da haben wir den historischen Hintergrund zu unserer Lektüre („Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny) besprochen, da diese zur Zeit der industriellen Revolution spielt. Als wir gerade mit der Lesephase beginnen wollten, mussten wir alle mithelfen, da wir jetzt halsen sollten. Ich habe bei den Vorsegeln mitgeholfen. Als ich nach 20 Minuten wieder zurückkam, wollte ich gerade weiterlesen, aber dann bekamen wir mit, dass Sebastian eben die Deviationskarte ins Meer gefallen war. Die ist für die Kursbestimmung nicht ganz unwichtig. Daraufhin gab es eine wütende Ansage von Martin, da er vor genau dieser Situation schon gewarnt hatte. Dann ist der Wind auch noch zu schwach geworden, um segeln zu können, weswegen wir die Segel alle bargen und seitdem unter Motor fahren. Leider war Deutsch dann schon zu Ende und jetzt muss ich das fünfte Kapitel als Hausaufgabe lesen.

Nun war es schon 16:00 Uhr und es gab den Snack. Meiner Meinung nach das beste Essen des Tages: gelungene Pfannkuchen mit Marmelade! Im Anschluss daran hatten wir Geschichte bei Johan und da ich als Thema für einen Vortrag den Kalten Krieg bekommen habe, durfte ich mir einen Film über die Kuba-Krise anschauen.

Zum Abendessen gab es dann wie immer eine Suppe, heute Kartoffelsuppe, welche echt lecker war.

In wenigen Stunden habe ich Geburtstag, ich hoffe es wird ein schöner werden, auch wenn meine Eltern dieses Mal nicht dabei sein können. Deshalb möchte ich sie noch einmal als 15-jähriger grüßen.

 

Euer Matthias

Der Fisch ist auf dem Tisch.

Autor: Nicolas

Position: Atlantik

(16° 59,3N 031° 54,6W)

 

Da ich gestern zwei Stunden beim Putzen helfen musste, war ich dementsprechend müde und nicht wirklich motiviert, Unterricht zu haben. Doch dieser war letzten Endes sehr nützlich, um den nicht vorhandenen Schlaf ein bisschen nachzuholen.

Mittags gab es unseren selbst gefangen Fisch. Dieser war als Filet gebraten. Obwohl ich eine generelle Abneigung gegen Meerestiere auf dem Tisch habe, muss ich sagen, dass er sehr gut geschmeckt hat und auch die anderen waren begeistert. Das lag vielleicht auch daran, dass der Fisch dieses Mal nicht in der Suppe gelandet ist.

Nach dem Mittagessen hat Sietse Leute zusammengetrommelt, von denen er glaubt, sie hätten Sport bitter nötig. Ich mache also mit in seinem Einführungskurs, in dem er uns verschiedene Übungen erklärt hat, die wir immer machen können. Trotz des Wellengangs habe ich mein Glück probiert und man hatte mal endlich wieder das Gefühl, etwas getan zu haben. Obwohl es wahrscheinlich doch nur sehr wenig war. Zum Abschluss hat Sietse mit uns einen groben Übungsplan gemacht und wir haben eine Zeit ausgemacht, an der wir uns täglich treffen.

Meine letzten zwei freien Stunden an diesem Nachmittag habe ich damit verbracht, mein Referat vorzubereiten, da ich dieses schon auf Dominica halte. Währenddessen gab es den 16:00 Uhr Snack vom Küchendienst. Doch leider waren die sehr leckeren Cookies schneller aufgegessen, als man gucken konnte und mein übrig gebliebener Hunger hat die Lust auf Lernen nicht wirklich verbessert.

Die heutige Wache war trotz einiger Zwischenfälle wieder einmal entspannend, da ich noch Französischunterricht hatte, dieser aber so ungünstig (bzw. günstig für mich) auf abends gelegt wurde, denn dann durfte ich nämlich für eine Stunde meine Wache verlassen.

Erschreckenderweise habe ich in der Zeit, in der ich schon weg bin, bereits jegliches Wissen, das je vorhanden war (keine Sorge, es war nicht viel) vergessen. Deswegen habe ich ernste Zweifel, ob ich überhaupt je dieses Fach in der Schule besucht habe. Aber allein, dass ich vor meiner Abreise auf einer zwei stand, sagt einiges zu unserem Schulsystem aus.

Nach 60 Minuten Qual sollte es eigentlich Abendessen geben. Doch der Fakt, dass der ganze übrig gebliebene Fisch (inklusive Kopf) letzten Endes doch in der Suppe gelandet ist, hat dazu beigetragen, dass die allgemein schon beliebte Sandwichmaschine komplett überfüllt war. Und obwohl die Wache eigentlich zuerst zu Essen bekommt, bekamen wir erst nach einer dreiviertel Stunde EIN Sandwich. Bevor man runtergehen konnte, um sich zu beschweren, gab es schon eine Ansage von Martin. Anscheinend hatten sich einzelne Personen schon mehrere Sandwichs gemacht, bevor überhaupt jeder eins hatte. Deshalb wird die Sandwichmaschine für eine Woche gesperrt. Für mich ist dies sehr unvorteilhaft. Erstens war ich immer noch hungrig und zweitens ist die Aussicht für eine Woche auf Sandwichs verzichten zu müssen sehr karg.

Mit einem Kinderriegel bewaffnet, habe ich mich dran gemacht meinen heutigen Tagesbericht zu schreiben. Zum Glück habe ich hierfür so lange gebraucht, dass Hannah H., mit der ich heute eigentlich den Küchenboden hätte putzen sollen, irgendwann die Geduld verloren und schon ohne mich angefangen hat.

Da es anscheinend so ein Brauch ist irgendwelche Freunde oder Familienangehörigen zu grüßen, will ich dieses Mal nicht die Ausnahme bilden! Alles Gute nachträglich wünsche ich meinem Bruder Yannick zu seinem 19. Geburtstag. Ich wünsche ihm viel Spaß bei seiner neuen Arbeit als Tauchlehrer auf den Philippinen!

Euer Nicolas