Ocean College

Ein Tag wie jeder andere

Autor: Wanda

Position: Santa Cruz-Teneriffa

(28° 31’N 16° 05,5‘W)

Mein Tag begann wie jeder andere. Ich wurde von einer anonymen Stimme aus meinen Träumen gerissen, um meine Wache anzutreten. Um 3:00 morgens. Wäre ich zuhause um diese Uhrzeit aufgeweckt worden, wäre ich nicht mal fähig gewesen, meinen Körper aus dem Bett zu bewegen, geschweige denn meine Zähne zu putzen. Doch hier ist das nur der Anfang meiner nächtlichen Routine. Anschließend schlüpfe ich in meine Gummistiefel und mache, dass ich raus ans Deck komme, denn erstens ist es immer recht warm und stickig in unseren Kajüten, und zweitens ist es immer eine gute Idee, sich ranzuhalten, denn zu spät kommen ist ein No Go auf der Regina Maris.

Auf der Nachtwache habe ich das erste Mal Sport gemacht, aber es hat nichts gebracht. Gar nichts. Es machte trotzdem Spaß und hielt mich wach, aber das hätte Kaffee auch erreicht. Sonst war meine Wache recht ereignislos, dafür war der Tag umso spannender. Er begann zwar etwas hässlich, denn wir hatten Putztag und ich mag Putzen nicht, aber das mag niemand, und dafür war die Stimmung recht gut, was auch daran liegen könnte, dass alle von dem Gedanken aufgeheitert wurden, dass wir danach schwimmen gehen durften. Das war dieses Mal noch schöner als das letzte Mal, weil man heute nicht so schnell abtrieb und auch richtig schwimmen konnte. Erwähnenswert ist außerdem, dass wir mal wieder Delfine gesehen haben, diesmal aber von ganz Nahem und auch gleich sechs auf einmal. Ein paar haben wohl auch Schildkröten gesehen, ich jedoch nicht. Heute war das Essen endlich mal prima; es gab Schnitzel mit Bratkartoffeln, Mohrrüben und Salat, wobei die Bratkartoffeln nicht wirklich gebraten waren. Egal. Später am Nachmittag gab es dann noch Brownies. Ganz normale Brownies. Dann wollte ich eigentlich meine Wäsche mit Hannah zusammen abhängen, aber daraus wurde leider nichts, also aus dem Wäsche abhängen schon, aber leider nicht mit Hannah, da diese auf einmal an starken Kopfschmerzen litt, als erstes nahm ich es nicht ernst; das bereue ich nun zutiefst, da sie zurzeit mit sehr starker Migräne in unserer Kajüte liegt und es ihr immer schlechter geht. Regina war schon bei ihr und hat versucht ihr zu helfen. Wir werden sehen, wie es ihr morgen geht. In Deutsch haben wir ein Buch angefangen, es nennt sich „Die Entdeckung der Langsamkeit“, wenn ich jetzt daran denke, werde ich wieder müde, was aber auch an meinem Schlafmangel liegen kann, den ich seit einer gefühlten Ewigkeit mit mir rumschleppe, und der sich gerade wieder bemerkbar macht, weswegen ich jetzt ins Bett gehe.

Eure Wanda