Ocean College

Pick Up Tour durch eine wunderschöne, aber auch sehr arme Insel

Autor: Leon

Position: vor Mindelo, Kap Verden, Portugal

(16 52,88N 24 59,74W)

Heute Morgen stand ich etwas früher auf als sonst, denn bei gefühlt vierzig Grad Raumtemperatur kann man einfach nicht schlafen. Zu allem Übel war ich noch todmüde von der Ankerwache, die ich von 0:00 bis 02:00 Uhr hatte. Das alles entpuppte sich aber als Vorteil, da wir wegen der anstehenden „Pick Up Tour“ alle sowieso eine halbe Stunde früher aufstehen mussten. Nachdem dann alle gefrühstückt hatten, erklärte uns Johan, wie er den Tag geplant hatte.

Wir hatten einen knappen Zeitplan einzuhalten, da die Pick Ups schon auf uns warteten. Ich sprang mit meiner Sonnenbrille und einer Flasche Wasser vom Schiff an Bord des Schlauchbootes, welches uns nur Augenblicke später ans Festland brachte. Dort angekommen, wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe hatte Landgang, die zweite die Pick Up Tour. Ich war in der zweiten Gruppe, die nur wenige Minuten später, mit den generalüberholten Toyotas, losfuhren. Die Straßen waren kaputt und voller Schlaglöcher, aber die erste Etappe zum Monte Verde war trotzdem lustig und aufschlussreich. Man sah viele, halb fertig gebaute Häuser aus Beton, in denen trotz allem Menschen wohnten.

Oben auf dem Berg sah man ein wunderschönes Panorama. Man sah viele Städte, Nachbarinseln, das Meer und weiße Strände mit himmelblauem Wasser. Wir fuhren noch an zwei Strände, an denen wir schwimmen gehen konnten und sahen unter anderem 10000 Hunde, die rund um die Insel vor sich hin existieren. An einem Strand gab es sogar eine Bar, an der Tobi B. und ich eine Cola tranken. Obwohl das Land an sich wunderschön und atemberaubend ist, schwebt die Armut der Bevölkerung doch über allem wie eine dunkle Wolke. Ich war schon an vielen armen Orten der Welt, aber hier ist es echt traurig. Wir wurden bestimmt 20 x nach Geld oder Essen gefragt und Leute, die Drogen nehmen, sieht man auch so gut wie an jeder Ecke. Viele Kinder besuchen hier, auch anders als bei uns, nicht die Schule, sondern lernen, wie man einem Touristen eine schlecht nachgemachte „Prada“ Handtasche verkauft.

Als wir mit den Toyotas zurückkamen, ging die ganze Klasse in ein Restaurant, um zu Mittag zu essen. Danach tauschten die Gruppen, das bedeutete, endlich mal wieder Landgang. Eigentlich hatten Tobi B., Finn und ich vor, in das alte Fährenwrack zu gehen, nachdem wir aber sahen, dass die gesamte Arbeiterschaft der Fischindustrie darin wohnt, überlegten wir es uns doch anders.

Am späten Nachmittag kam die zweite Gruppe verspätet zurück. Es stellte sich heraus, dass die Polizei die zweite Pick Up Tour gestoppt hatte, weil die Polizei plötzlich entschied, dass man auf dem Pick Up so nicht fahren dürfe. Es wurde dann ein zusätzlicher Bus engagiert. Zurück an Bord ging ich eine Runde schwimmen und so gut wie alle scherzten darüber, dass die Schüler zuhause Mathe lernen mussten, während wir an subtropischen Orten schwimmen gingen. Was ich allerdings schade finde ist, dass das Internet hier erstens super langsam ist und zweitens EXTREM viel kostet. Obwohl mir meine Mutter den Blanco Scheck für Handy Rechnungen erteilt hat, möchte ich trotzdem nicht, dass meine Mutter fünf Euro für eine WhatsApp Nachricht zahlt.

Euer Leon