Ocean College

Schau amoi dort, mia ham Lausbuam an Bord

Autorin: Hannah H.

Position: Atlantik

(16°30,9’N 39°19,57’W )

Tag 6 auf großer See:

Ich habe heute meinen Tag um 00:00 Uhr mit einer wohltuenden Dusche gestartet. Eigentlich ging mein Tag dann erst zu Ende, weil ich nach einer Stunde Schiffszirkeltraining am Abend (inzwischen trainieren sowohl Jungs als auch Mädels in der Trainingsgruppe Sonnenschein bei Johan) und einer meditativen Yogarunde auf Achtern meinen lang ersehnten Duschtag voll auskosten konnte. Zumindest für drei Minuten. Die Funktionen der Zellorganellen dienten noch als Nachtlektüre, bis mir dann die Augen sehr schnell zugefallen sind.

Um Punkt 08:00 wurde ich wieder von zwei Glockenschlägen zum Frühstück geweckt. Das alltägliche Frühstücksbrot wurde mit einem erfrischenden Glas Orangensaft genossen, bis ich dann Lotte nochmal wecken musste, um die restlichen Englischhausaufgaben zu erledigen.

Die Mittagsansage kam heute durch Sebastian, der jeder Wache einen Adventskalender schenkte. Hoffentlich können wir dann auf den St. Blas Inseln auf drei selbstgebastelten UKW-Radios schöne Sender empfangen. Ich persönlich durfte mich über zwei erste Türchen freuen. Einmal von meiner besten Freundin May und noch von meinen Mitbewohnerinnen Inga, Nora und Charlotte.

Später unten in meinem Bett, habe ich May’s Adventskalender noch den letzten Feinschliff verpasst, bis ich, rein vorsichtshalber, mal hinter meinen Ohren nach kleinen, sehr nervigen Tierchen geschaut habe. Jetzt wissen bestimmt die meisten Eltern, was nun kommt. Ich glaube, ihr liegt alle sehr richtig mit eurer Vermutung. Wir machen uns aber nicht die Mühe, Elternbriefe nach Hause zu schicken, um zu bitten, dass ihr euren Kindern die Köpfe untersucht. Die komplette 2 ½ stündige Schiffskopfhautlausung hat ergeben, dass auf nur einem Kopf (leider meiner) die Tierchen bereits geschlüpft sind und auf 11 anderen sich Nissen abgelegt haben, deshalb musste eine extra Ladung 60°C Bettwäsche gewaschen werden.

Das Beste vom ganzen Drama kommt zum Schluss, aber eigentlich ist es Ansichtssache. Ben und Tanyel, die letzten zwei Patienten, haben sich brüderlich darauf geeinigt, sich die Haare abrasieren zu lassen, wenn einer von beiden Nissen oder Läuse hat. In dem Falle war Tanyel der „Schuldige“. Die Regina Maris- Bewohner spendeten dem Atlantik aufgrund dieser Aktion einen Rasiereraufsatz und viele schwarze Haare.

Später konnte ich noch mit Läusemittel im Haar und Handtuch auf dem Kopf den Lateinern beim Caesar-Text übersetzen helfen, nachdem Otto und Johan mich dringendst darum gebeten hatten. Bei den beiden ist Latein schon etwas länger her, wohingegen ich frisch aus dem Latinum komme 🙂

Zur Beruhigung noch ein Zitat von Martin zum Schluss: „Noch keine Fahrt war ohne Läuse.“

Mit nassen Haaren und keinem Jucken mehr, sitze ich jetzt vor dem Computer und freue mich drauf, den Küchenboden noch schrubben zu dürfen. Mein Magen sehnt sich gerade noch nach den frisch gebackenen Platzerln von der besten Peißenberger-Backcrew der Welt.

 

Eure Hannah

 

P.S.:

Liebe Mama,

ich wünsche dir alles Liebe und Gute zum Geburtstag. Ich hoffe, du hast einen wunderschönen Tag! Am liebsten wäre ich bei dir und hoffe deswegen, dass mein Geschenk bei dir angekommen ist und es dir gefällt.

Hab dich lieb, deine Merle