Ocean College

Überraschender Besuch während des Chemietests

Autor: Emil
Position: Bermudianisches Dreieck
(28° 10,33N 74° 21,16W)

Mein Tag hat heute Morgen gar nicht richtig angefangen, sondern hat gestern nicht aufgehört, da wir Segel über Backbord hatten und die gewaltige Schräglage mich, in meinem nach Backbord geöffnetem Bett, am Schlafen gehindert hat. Als ich nach einer schlaflosen Nacht müde aufs Achterdeck ging, legten Merle und ich uns erstmal hin und träumten von einem unterrichtsfreien Tag. Dieser Traum wich dann Johan, der uns zum Geschichtsunterricht in die Messe beorderte. Während des Geschichtsunterrichts ging es uns nicht so prächtig, weil das Schwanken in der Messe nicht so gut auszuhalten ist wie auf dem Achterdeck, wo unsere nächste Unterrichtsstunde mit Kathrin stattfand. Wir schrieben grade unseren Chemietest, mit Stift und Klemmbrett hinter der Tiefkühltruhe sitzend, als auf einmal Emma: Vogel, Vogel, Vogel, schrie und wir erstmal gar nichts peilten, bis dann Kathrin zu Merle sagte: Nicht bewegen. Der besagte Vogel war auf Merles Kopf gelandet und saß nun eingemummelt hinten in ihrem Zopf. Merle war zwar anfangs noch etwas panisch, aber das schlug dann schnell in Muttergefühle um und sie begann eine emotionale Bindung zum kleinen, süßen Vogel aufzubauen. Der Vogel begann wieder ums Schiff zu kreisen, da Kathrin kläglich versuchte ihn zu fangen, um ihn aufzupäppeln.

Als der Chemietest geschafft war, schrieb ich noch meine Bewerbung als Bootsmann fertig. Schließlich ist ja vor den Bermudas wieder eine Schiffsübergabe geplant.
Kaum war dies geschafft, wurde auch schon zur Halse gerufen. Während der Halse gingen ein paar kleinere Wellen über Deck, die allen die Füße wuschen. Gelobt seien meine Gummistiefel!
Danach wusste ich nicht viel mit meiner Freizeit anzufangen und legte mich deswegen hinten aufs Achterdeck, um kurz die Augen zu schließen. Dieser Zustand ist einem aber auf diesem Schiff nicht allzu oft und nie allzu lange gegönnt. Heute wurde dieser Entspannungskiller von Jonas verkörpert, der das Außenklüver setzten wollte. Auf dem Vordeck angekommen, war die Fall schon besetzt, weswegen ich mich an die Schot begab. Als wir mit dem Außenklüver durch waren, mussten wir noch alle Segel trimmen und das Besan setzten, was auch noch eine Weile dauerte.

Kurz darauf klingelte es zum 16:00 Snack und ich holte mir ein Stück vom Schokokuchen ab. Während ich unten war, begann es heftig zu regnen und ich zog mir die Ölzeughose und Ölzeugjacke an und ging wieder nach oben, was seit langem mal wieder ein Homefeeling auslöste, da der Regen einem eklig in den Kragen lief und ein sehr vertrautes Geräusch auf meiner Kapuze hervorrief. Im Starkregen führte ich mit Hannah und Lennard ein an Bord sehr häufiges Gespräch über unsere Essenspläne zu Hause.

Kurze Zeit später begann ich mit Simon und zwei Zeisingen um die Wette zu knoten.
Irgendwann klingelte es dann zum Abendessen, wo uns Linsensuppe und eine Ansage von Sven und Johan erwartete. Jetzt wird die Messe langsam leerer und ich werde in einer halben Stunde meine Wache von 21:00-1:00 Uhr antreten.
Dank der Halse stehen die Segel nun auf der anderen Seite, was meine Hoffnung auf guten Schlaf ungemein steigert.

Grüße an meine Familie und Freunde! Ich denke an euch und hoffe ihr habt einen schönen Winter!

Euer Emil