Ocean College

Vom Kotzen bis zum Tagesbericht

Autorin: Emma
Position: Nordatlantik, neben der Thalassa
(30° 59,04`N 60° 55,0`W)

Wache, dann ein wundervoller Ausflug über die Reling – ernsthaft (!), wieder seekrank und gekotzt – das 19. Mal! Danach direkt mit Torpedo ins Bett. Um 16:00 Uhr habe ich mich dann endlich wieder durch den stinkenden Flur nach oben gekrakelt und in Geschichte mitgearbeitet.

Nach einem kurzen Blick auf Kathrin und Elli (beide stierten nur noch in der Gegend herum) haben wir beschlossen, „Rapunzel Neu Verföhnt“ zuschauen. „Pascal“, das kleine Chamäleon hat uns den Abend gerettet! Ich muss zugeben, dass mein Tag erst um 19:00 Uhr in irgendeiner Art und Weise produktiv wurde. Zuerst habe ich oben auf dem Achterdeck mit Nora Abendbrot gegessen und dann die ganze Zeit mit School At Sea Rätsel geraten: „Was hat ein Bett, aber schläft nicht, was hat einen Mund, aber isst nicht und was hat Sauerstoff aber atmet nicht?“ oder „Was schreit ohne Stimme, was beißt ohne Zähne und pfeift ohne Zunge?“ und ein letztes Rätsel: „Der, der es herstellt weiß nicht für wen, der, der es kauft, kauft es nicht für sich und der, der es braucht weiß nicht, dass er es braucht.“ (Lösungen schreibe ich unten).

Wir fahren mit der Thalassa in Sichtweite am Horizont über den Atlantik und schicken uns abwechselnd über Funk Rätsel hin und her.
Letztendlich saß ich dann jetzt in der Messe, habe einen Pinnenplan gezeichnet und Tagebuch nachgetragen. Zusammenfassend war der Tag nicht so sonderlich ereignisreich, aber ich finde unser Wettrennen mit der Thalassa sehr spannend – jetzt sind sie 1 ½ Knoten schneller als wir und sie können vor dem Wind fahren – wir müssen blöderweise später noch eine Halse fahren und sind jetzt eigentlich wegen des Windes auf einem falschen Kurs. Es wird also ein Kopf an Kopf Rennen und wenn wir verlieren, hat wohl irgendwer von uns eine Wette aufgestellt, das sie dann Chantal bekommen – das können wir nicht zulassen, denn wer macht dann mit uns Eurythmie?

Ebenfalls müssen sich alle wieder an den Wellengang gewöhnen – ich sowieso, aber auch die Geschirrboxen, Ordner und Schüsseln haben sich im Laufe des Tages von ihren Plätzen verabschiedet. Dafür haben wir eigentlich Rutschmatten, aber da sie auf 90° gewaschen und im Trockner gelandet sind, ist ihre Funktionalität dermaßen im Eimer, dass sie selber von den Tischen rutschen. Jedoch muss ich sagen, dass unser Leben an Bord eigentlich schon wieder sehr schön ist – Das Obst, das in Hängematten und an Tauen hängend unsere Messe schmückt, Finderlohn: Zwei Schokoladentafeln für das Ladegerät von Sven und eine gute Laune, die den Tag prägt. Ab und zu eine Welle auf Augenhöhe, die dich erwischt, wenn du nicht rechtzeitig aus dem Weg springst und Schutz hinter deinem Hintermann suchst, der dich danach dementsprechend triefnass und wütend anschnauzt. Also, unser Bordleben ist wieder voll im Gange!

Zuletzt (bevor ich zu den Rätsellösungen komme, die ihr alle hoffentlich erst gelöst habt, bevor ihr sie euch anschaut) möchte ich noch meine Familie grüßen. Ich habe mich sehr über unser langes Face timen gefreut und mein Wesen – die Brille steht dir total gut (sagen alle, die ich gefragt habe!). Oma& Opa und Oma &Opa, ich habe mich sehr über eure Nachrichten und Fotos gefreut und freue mich schon total auf Annis Konfirmation, an der wir uns alle spätestens wiedersehen – Zuhause bin ich ja schon in 31 Tagen. Da dies vermutlich mein letzter Tagesbericht ist, grüße ich alle meine Verwandten und Freunde, die meine Reise so interessiert verfolgen – ich hab euch alle lieb und vermisse euch und natürlich auch den Luxus eines sauberen Bettes, vollen Kühlschranks (mit frischem Essen) und einer langen Dusche.

RÄTSELLÖSUNGEN: Fluss, Wind, Sarg

Bis bald 😀

Eure Emma