Ocean College

Die Wilden kehren zurück

Autorin: Mika

Position: Hafen Hortas, Azoren

(38° 31,9 N 28° 37,4 W)

Ich schlug die Augen auf und erblickte eine Riesenameise, die meine Hand erklomm. Ich hob meinen Kopf von meinem doch sehr ungemütlichen und inzwischen auch ziemlich platten Trackingkopfkissen und erblickte eine ganze Straße von Riesenameisen. Ich schob erstmals Panik, denn mit Ameisen habe ich echt ein Problem. Wenn es wenigstens eine stattliche Ratte gewesen wäre, aber nein, es mussten die kleinen Kriechtiere sein. Nun ja, nach dem ich die Tierchen von meiner Plane, die ich neben dem Wegesrand fast ganz oben auf dem Gipfel des Berg/Hügels ausgebreitet hatte, geschubst habe, habe ich mir mein Frühstück gemacht, welches aus der Tütennudelsuppe, die ich mir am Abend zuvor mit kaltem Wasser zubereitet hatte, bestand. Dazu hatte ich mir noch an dem Tag davor ein paar Joghurtwaffeln und zwei Äpfel gekauft. Eigentlich wollte ich mein Essen während des Sonnenaufganges zu mir nehmen, doch als ich auf die Uhr schaute, war es tatsächlich schon 11:00. Man kann es kaum glauben, aber ich hab die Nacht draußen echt ganz gut geschlafen. Um 22:00 am Abend davor hieß es für mich schlafen gehen, denn ich hatte echt kein Plan mehr, was ich alleine in der Dunkelheit noch machen sollte. Also packte ich mich gut mit Thermounterwäsche, Jogginghose, zwei Paar Socken, einer Fleecejacke, meiner Ölzeugjacke, Mütze und einem Schal ein. Manchmal kreisten in der Nacht ein paar echt merkwürdige Vögel um mich herum und schrien sich die Seele aus dem Leib aber, hey, ich glaube, das ist so wenn man auf einem Felsen schläft.

Gut, also nach dem ich dann am nächsten Morgen mein Frühstück verzehrt hatte, habe ich mich erstmal aus meiner Klamottenschicht gepellt und mich so normal wie möglich angezogen, um nicht den komischsten Eindruck bei den eh schon ziemlich verdutzten an mir vorbei ziehenden Wanderern zu hinterlassen. Ich setzte mich auf einen Felsen in der Nähe meines Schlafplatzes und bearbeitete die uns aufgegebenen Fragen von Johan und Joe aus dem Lernbuch. Zum Beispiel, wen man am meisten während der Reise vermisst hatte und warum, was für mich total klar war, aber auch die Frage, wen man am wenigsten vermisst hatte und warum, was mich dann auch schon echt zum Nachdenken brachte. Bis um 14:00 habe ich dann noch mein Tagebuch geschrieben und die Zeit genutzt, um die Reise mal so ein bisschen zu reflektieren und mir ist auch bewusst geworden, dass wir nur noch 15 Tage vor uns haben und dieses mein letzter Tagesbericht sein wird, das ist schon echt schade, ich werde viele und vieles ziemlich vermissen!

Um 14:00 fing ich dann an, mein Lager einzupacken und die restlichen Ameisen von meiner Plane zu kicken. Auf dem Weg runter begegnete ich dann ein paar Leuten aus meiner Gruppe. Wie zum Beispiel Leon, der mir erzählte, wie er wohl in der Nacht einen Steinhang mit samt Plane runter gerutscht und im Gebüsch gelandet wäre, weil die Äste ihn nicht gehalten haben und Charlotte erzählte mir ganz stolz, dass sie sich einen Ast abgesägt und daraus einen Löffel geschnitzt hat, weil sie sich Dosenbohnen gekauft hat, aber keinen Löffel mitgenommen hatte. Als wir dann wieder am Schiff waren, haben alle sofort geduscht und ich habe mich schlafen gelegt.

Dann klingelte es zum Abendbrot und es gab ein sehr leckeres BBQ, welches ich mir dann mit Merle teilte. Danach bin ich sofort wieder ins Bett, weil ich gemerkt habe, dass mich die Nacht draußen schon recht mitgenommen hat, aber es war auf jeden Fall eine coole Erfahrung.

Liebe Grüße an meine Familie und Freunde, ich freue mich, euch bald wieder zu sehen.

Eure Mika