Ocean College

Putzen und Ankündigung der letzten Schiffsübergabe

Autorin: Nora
Position: vor der Küste Nordfrankreichs
(49°45,17 N, 02°57,56 W)

Die letzte Schiffsübergabe wird verkündet und wir sind bald wieder zu Hause!

Mein Tag begann, wie jeden Tag seid den Azoren, um ca. 04:45 Uhr morgens. Die vorherige Wache rief in meine Kabine rein, um mich damit zu wecken. Leider bin ich bis um kurz vor fünf wieder eingeschlafen, obwohl ich extra vorher das Licht über meinem Bett angemacht hatte und musste mich deshalb sehr beeilen. Ich kam zusammen mit Alisa ein bisschen zu spät, weil sie ebenfalls verschlafen hatte. Die ersten 75 Minuten mussten wir dann alle nicht steuern, weil der Autopilot an war. Wir befanden uns nämlich gerade in einer Schifffahrtsstraße, in der man nicht weit vom Kurs abweichen darf. Eigentlich wäre ich heute mit Brotbacken dran gewesen. Wir hatten aber noch sehr viele Brote da, weil neuerdings nur noch sehr wenige Leute zum Frühstück kommen (die meisten schlafen jetzt immer aus). Wir hatte heute also echt wenig zu tun und es wurde eine entspannte Wache mit Sonnenschein, wenig Wellengang und nur einer halben Stunde steuern pro Person! Das war ein schöner Abschluss meiner zweiten Bravo-Zeit mit Charlotte, Simon, Alisa und Lucas, denn morgen früh um voraussichtlich drei Uhr, wenn wir 300 sm vor IJmuiden sind, wird die letzte Schiffsübergabe starten.

Nach der Wache ging ich in die Messe, in der außer dem Küchendienst und mir nicht viel los war. Im Küchendienst waren heute Win, Mika und Paula, die heute nur eine Stunde geschlafen hatten und deshalb sehr übermüdet-hyperaktiv waren. Ich setzte mich also hinten auf die Bank und lernte für den SBF-See-Schein, für den wir alle schon seit Tagen immer lernen, wenn wir Zeit haben.

Nach einiger Zeit wurde geklingelt und es kamen alle nach und nach verschlafen von unten hoch. Der Putztag wurde angesagt und außerdem die Jobs für die Schiffsübergabe:
Win ist Kapitän geworden, Simon, Paula und Lisa sind erste Steuerleute, Alisa, Karl und Tobias B. sind zweite Steuerleute (Es gab dieses Mal keine Bewerbungen als Bootsmänner, weil wir keinen Wind mehr haben und deshalb sowieso nur noch unter Motor fahren werden. Als Bootsmann hätte man deshalb dieses Mal dann keine richtige Aufgabe gehabt). Dafür haben wir dieses Mal sogar drei Chantals zusätzlich zur richtigen. Es sind Lotte, Emma und Merle. Nico hat sich auch wieder etwas Besonderes ausgedacht: Er ist Johans Assistent. Köche gibt es dieses Mal drei: Lucas, Matthias und Ben, deshalb werden sie auch nicht weiter vom Küchendienst unterstützt.
Ich bin sehr gespannt, wie diese letzte Schiffsübergabe wird und bin besonders gespannt, was die Köche uns Schönes mit den letzten Vorräten zaubern.

Kurz nach der Ansage später habe ich dann mit Hannah H. begonnen, die Tapeten und den Boden im Gang zu putzen. Als wir damit fertig waren, haben wir gleich mit dem Boden im Saftlager weiter gemacht, wo ziemlich viel auf dem Boden rumlag. Um eine Pause einzulegen, gingen wir dann in die Messe zurück, wo das Essen fast fertig war. Nach dem Mittagessen (Wraps), das natürlich vom Küchendienst super vorbereitet wurde ;), haben wir den kleinen, unteren Gang auch noch geputzt. Um gleich mit dem Putzen weiter zu machen, haben wir auch gleich noch unsere Kabine aufgeräumt, die wir mit Elena und Wanda teilen. Das dauerte etwas, da von dem starken Seegang immer noch sehr viel auf dem Boden lag. Zwischendurch kam auch noch Paula vorbei und es wurde noch ganz lustig.

Irgendwann war ich fertig und ging mit Paula nach oben, um sie beim Küchendienst zu unterstützen. Dann wurde der neue Wachplan aufgehängt. Wir haben, wie bei der ersten Schiffsübergabe, alle wieder zwei Wachen pro Tag. Ich bin, wie schon seit Teneriffa, in der Bravo-Wache (05:00-09:00/ 17:00-21:00 Uhr), womit ich aber auch ganz zufrieden bin. Besonders toll finde ich, dass ich mit Wanda, Lotte, Paula, Emma und Hannah H. eingeteilt bin. Das ist ein toller Abschluss, da es ja die LETZTE Wache der Reise ist.

Nach dem Abendessen war mal wieder Versteigerung. Wir mussten aber nichts mehr bezahlen und haben die Sachen einfach nur verteilt, weil wir alle nicht mehr genug Geld auf der Bank haben.

Danach habe ich gleich mit dem Tagesbericht angefangen. Es ist bald Wanda dazugekommen und wir haben uns unterhalten. Es war sehr schön. Zwischendurch sind auch kurz jeweils Mika und Johan gekommen. Wanda hat mir auch ihren Roman weitervorgelesen, den ich sehr gut finde und an dem sie zurzeit schreibt.

Ich hoffe, dass ich bald schlafen gehen kann, weil ich morgen um 05:00 wieder an Deck sein muss.

So geht auch mein letzter Tagesbericht zu Ende und somit kommen auch meine letzten Grüße nach Hause:
Viele Grüße nach Hause an meine Familie und Freunde!!! Ich freue mich schon sehr auf euch!!! Es ist kaum zu glauben, dass wir schon in weniger als einer Woche ankommen. Die Zeit an Bord ist so schnell vergangen und wir haben so viel erlebt! Es war eine tolle Zeit mit tollen Leuten, die ich zu Hause wirklich sehr vermissen werde! Wie bei eigentlich fast allen ist unsere Ankunft also auch bei mir mit Freude auf die Leute und das Leben zu Hause und dem Gedanken verbunden, dass wir diese Reise nie wieder erleben und alle Leute, die man lieb gewonnen hat, sehr viel seltener sieht. Denn wann sieht man sich öfter, als wenn man 24 Stunden, sieben Tage die Woche zusammen auf einem Segelschiff lebt? Aber auch neue Seiten meines Lebens zu Hause werde ich zu schätzten wissen: Einfach mal Stille und seine Ruhe haben, immer in den Supermarkt gehen zu können und einfach zu kaufen, worauf man Lust hat, sich frei in einem etwas größeren Gebiet, als dem Schiff bewegen zu können und vieles mehr! Also alles Liebe nach Hause und bis BALD!

Eure Nora