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Abfahrt zur Kaffeefarm

Autorin: Mona

Position: San Marcos de Tarrazu, 1500m Höhe, Costa Rica

Nautische Position: 9°39’23’’N 83° 59’ 29’’ W

Sind wir hier in Frankreich? Das hätte man jedenfalls meinen können, als Lisa und ich heute morgen auf dem Frühstückstisch verschiedene Crêpe-Variationen vorfanden. Am besten fand ich persönlich die Variante mit Mango und Dulce de Leche, dem „Süßen der Milch“, einer dickflüssigen braunen Soße, die sie hier in Mittelamerika zu Allem essen, was süß sein soll. Nach einer schmerzhaften Trennung von meinen eigenen vier Wänden, einem warmen, weichen Bett und freiem Wifi mussten wir uns auch von unserer Gastmutter Patricia verabschieden. Die Vorfreude auf die Kaffeeplantage hielt sich während der Busfahrt noch in Grenzen, denn da es in den eineinhalb Wochen, die wir bisher in Costa Rica verbracht haben, gnadenlos geregnet hat, war niemand sonderlich scharf darauf, für eine Woche im Matsch und in der Kälte zu zelten, ganz davon abgesehen, dass wir kaum warme Kleidung dabei haben, da man in der Karibik doch mehr als 10° C erwartet. Entgegen aller Erwartungen standen wir nach zweieinhalb Stunden Busfahrt bei bestem Wetter auf einem kleinen, zwischen einem Fluss und einem Bach gelegenen Zeltplatz mitten in einem tropischen Wald. In dieser idyllischen Umgebung bauten wir also unsere Ocean College Zeltstadt auf. Mit Inga, Wanda und Lisa als Zeltgenossen hab ich es zwar auf jeden Fall gut getroffen, allerdings sind Emil und Win doch etwas um ihren Schlafplatz, zwei mit Moskitonetzen geschützte Hängematten unter freiem Himmel, zu beneiden, aber auch nur genau bis zu dem Zeitpunkt, an dem es anfängt zu regnen. Wenn man von den Zelten nun die in die Erde gebauten Stufen den Bach entlang aufwärts geht, gelangt man zu dem halbfertigen Haus, bestehend aus einer offenen Küche, die ziemlich genau aus einem Herd und einem Spülbecken zusammengesetzt ist, einer Toiletten-Dusche und dazwischen einer mit Holztischen und –bänken bestückten Fläche, das man wohl als Ess-Wohnzimmer und Versammlungsraum bezeichnen kann. Diese haben wir direkt beim Mittagessen in Anspruch genommen. Es gab wie jeden Tag hier in Costa Rica Pizza… nein, schön wär‘s, es gab natürlich Reis und Bohnen. Immerhin schmeckt der Reis hier, denn Reis gehört bei uns an Bord zu den wenigen Dingen, die wir immer noch nicht gebacken kriegen. Es grenzt schon an eine Meisterleistung, wie wir es immer wieder schaffen, dass der Reis jedes Mal gleichzeitig innen hart und außen verkocht ist, mit einem leichten Kohlearoma. Der Reis und die Bohnen können gar nicht so gut schmecken, dass sich noch irgendjemand darauf freut, da wir schon seit zwei Wochen täglich zwei Mal Reis mit Bohnen essen. Gut, dass das nur noch einige Wochen so weiter geht… .Daher, liebe Eltern, macht euch auf das Reis-Bohnentrauma eurer Kinder gefasst. Nach dem Essen wurden vier Stunden Freizeit angesagt, die auf viele verschiedene Weisen gefüllt wurden. Manche waren bei dem nahgelegen Pool, aßen süße Zitronen und tranken fruchtigen costa-ricanischen Kaffee, andere kletterten auf den seitlich gelegenen Felsen den Fluss entlang und wieder andere machten sich einen gemütlichen Nachmittag in unserer Zeltstadt. Ich hatte mich dazu entschieden, mich mit Nico, Finn, Lucas und Matthias auf die Suche nach der nächstgelegen Stadt zu begeben. Da es mit Busfahrplänen in dieser Gegend schlecht aussieht und scheinbar die Busse so fahren, wann sie wollen, sind wir kurzentschlossen die Hauptstraße (wohlgemerkt die einzige vorhandene Straße hier) hochgestapft. Nach gescheiterten Versuchen, per Anhalter zu fahren, gelangten wir dann doch nach 20 Minuten in eine kleine Stadt, auf der Suche nach einem Süßigkeiten führenden Supermarkt. Welchen wir im Gegensatz zu einer Pizza auch gefunden haben. Zurück auf der Plantage wurden wir von Musik und einem Lagerfeuer empfangen, an dem wir in der Dunkelheit unseren REIS aßen. Später haben sich wohl manche noch Marshmallows gegrillt, das hab ich jedoch nicht mehr miterlebt, zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon längst auf den harten Zeltboden fallen lassen, da ich meine Isomatte vergessen hatte. Nur durch eine dünne Plastikplane von Wurzeln und Steinen getrennt träumte ich mich in den Schlaf. Ich träumte von REIS!!!

Liebe Grüße,

Eure Mona

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