Ocean College

From the Blog

Another lazy day in a crazy paradise

Autorin: Hannah H.
Position: Karibik
(19°19.60‘ N 85°45.61‘W)

Gerade noch in Kuba bei den alten Männern mit Zigarren im Mund, dann im dunklen, aber gemütlichen Bett, bis ich dann Elena im Halbschlaf gefragt habe, wieso ich denn heute Ankerwache machen muss. Naja, man sieht wie gut mein Gehirn um 05:00 Uhr morgens funktioniert. Der mechanische Handgriff ging zu meiner Lieblingshose, die an meinem Fußende lag, dann wurden meine Füße automatisch von den Flip Flops magnetisch angezogen und zu guter Letzt hievte ich meinen Körper unmotiviert aus dem Bett. Im Gang zog mir langsam aber sicher der Gestank der Toiletten in die Nase, der sich öfter bildet, wenn wir längere Zeit in Schräglage fahren. Hier gilt das Motto: Luft anhalten und möglichst schnell mit viel Gleichgewicht zur Treppe kommen.

Oben am Achterdeck strich mir eine angenehm warme Luft um meine Beine. Meine Augen wanderten zum Himmel hinauf, die Sterne schauten (für alle nicht Bayern: sahen) mich an und ein Glücksgefühl durchströmte meinen Körper. Nach einem kleinen Small-Talk mit Paula, übernahm ich das Ruder. Die 40 Minuten gingen erstaunlich schnell um, bis ich abgelöst wurde und mich der Bank hingegeben habe.

Diesen Morgen meinten es nicht alle Dinge gut mit mir. Meine Augen wollten einfach nicht offen bleiben, obwohl kein helles Licht in der Nähe war. Hochkonzentriert habe ich es doch geschafft, nicht einzuschlafen. Bei einem stündlichen Rundgang fanden wir unter dem Pegel der Taschenlampe zwei (jetzt nicht mehr) fliegende Fische. Um sie als Angelköder benutzen zu können, lagerten wir einen von ihnen in einem Eimer.

Danach versuchte ich unserer Wache etwas zum Trinken zu organisieren, was darin endete, dass ich mit meiner tollen Reaktionsgeschwindigkeit noch hilflos versuchte den Krug (dieses Wort haben die Berliner auf diesem Schiff nicht gekannt) zu retten, aber die Schwerkraft wollte mir anscheinend eins auswischen, also musste ich das pappige Zeug vom Boden aufwischen und von neuem beginnen. Wieder oben mit einer halb nassen Hose, hatte dann eine Welle die Absicht mein zu volles Glas überschwappen zu lassen.

Um sieben durchzuckte meinen Körper das gewohnte Brummen vom frisch gestarteten Generator. Mein Gehirn schaffte es, mir das Signal zu geben, dass es Zeit war in die Messe zu gehen und anzufangen Brot zu backen. Es lief alles gut, bis es wiedermal eine Welle schaffte, das Mehl auf meinem Körper zu verteilen.

Nach meiner Wache überforderte ich meinen Kopf mit Physik und Mathe. Immer noch am überlegen, ob ich schlafen gehen soll oder nicht, fiebere ich der Ankunft in Mexiko in 20 Stunden entgegen.

Inga und Lucas fragten mich nach Hilfe bei dem Nudelauflauf, den es zum Mittagessen geben sollte. Alles hatte geklappt, deshalb bin ich zu Emma hoch, um ihr bei den letzten 30 Minuten ihrer Wache beizustehen. Das Mittagessen war wie immer gelungen.

Kaum hatte ich 10 Minuten mit Charlotte auf dem Achterdeck getratscht, klingelte die Glocke mal wieder. Die wöchentliche Versteigerung stand an. Meine Uhr war in der Fundkiste gelandet, deshalb musste ich sie mir zurückersteigern. Den Sinn davon muss ich hoffentlich nicht mehr erklären. Die Highlights diesmal waren: Tobi Bratrich (1,85 m groß) hat sich einen OceanCollege Pulli in Größe S erworben, Karl hat die Führung in der Liste der Meist-Zurück-Ersteigerten-Sachen übernommen und wir haben den Rekord im Wäscheberg aufgestellt.

Otto bereitete in zwei Stunden mit uns die Schulaufgabe über ‚Die Entdeckung der Langsamkeit‘, indem wir eine Charakterisierung über eine erfundene Person schreiben mussten. Wir hatten Personalitäten wie Lucky Luke, Wikie, Homer Simpson und Shaun das Schaf plötzlich zu Besuch. In Geschichte lernte ich Neues über die Zeit zwischen 1980 und 1989, weil Johan mir ein Buch zum Lesen gegeben hatte. Dann gab es den Vietnamkriegsvortrag von Nico und noch eine kleine Info-Session von Bratrich über den ersten Weltkrieg. Danach las Karl noch aus dem Kultroman ‚Im Westen nichts Neues‘ vor.

Johan entließ uns pünktlich auch ohne Gong und der Klang von Manu Chaos Musik in meinen Ohren ließ mich wie ein Esel, der hinter einer Karotte herläuft, auf das Achterdeck laufen. Ich genoss die Musik und unterhielt mich mit Tanyel, während die Sonne langsam unterging.

Mit Emma lag ich noch in der Messe, um den Tagesbericht fertig schreiben zu können, als Paula dazukam und ich mich nicht weiter hier mit beschäftigen konnte.

Jetzt nach dem Abendessen ist die Stimmung entspannt und mein Bett ersehnt mich sehr. Also damit an alle zu Hause einen guten Morgen (wegen der Zeitverschiebung).

Eure
Hannah H.

P.S.: Unser Schiff ist mal Läuse frei! Es gibt noch Hoffnung für uns…

P.P.S.: Mein kleiner Fettsack,
es tut mir sehr leid, dass ich dir nicht zum Geburtstag gratuliert habe. Ich habe trotz aller Seekrankheit in meinem Kopf für dich gesungen und an all die vielen gemeinsamen Abenteuer in unserem Schwesterleben gedacht (Venedig, Ägypten, England, Sizilien, St. Petersburg, Irland, etc.). Ich vermisse euch unendlich und freue mich schon auf den 14.04. Dicker Schmatzer an euch alle!

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: