OceanCollege

OceanCollege Blog

Bayern schafft G8 ab

Von: Johan Kegler

 

Wenn das Bundesland mit dem scheinbar höchsten Bildungsstandard in Deutschland die Abschaffung von G8 beschließt, dann lässt das aufhorchen.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/abitur-bayern-kehrt-zum-g9-zurueck-a-1142014.html

Zunächst ist eine 11. Klasse für jegliche Auslandsaufenthalte natürlich förderlich, bevor es während des MSA- Abschlusses in einigen Ländern bzw. nach der 11. Klasse ins Abitur geht.

Ich möchte in diesem Beitrag aber einen anderen Fokus deutlich machen. G8 wurde ja offiziell eingeführt, weil deutsche Schüler bzw. Studenten beim Berufseinstieg im Vergleich anderen Ländern zu alt sind. Man könnte nun bösartig argumentieren, dass G8 also dafür eingeführt wurde, um früher Steuer- und Beitragszahler zu generieren. Gerne möchte ich an dieser Stelle nochmals ein Zitat nutzen, dass ich schon in einem früheren Blogbeitrag verwendet habe, in dem es um das Thema „Wachstum“ ging.

„„Für alles, was uns voranbringt, brauchen wir Energie. Energie ist Bewegung. Wir brauchen Beschleunigung statt Entschleunigung. Ohne Beschleunigung gibt es kein Wachstum. Und ohne Wachstum ist unsere Volkswirtschaft nicht stabil.“ Nein, das ist kein Zitat aus den 1950iger Jahren. Das ist auch keine Satire. Diese Sätze stammen aus dem Leitartikel des Wirtschaftsteils der Süddeutschen Zeitung vom 24.12.2013. Die Autorin Kathrin Werner hält es für ein schlechtes Zeichen, dass die Menschen in Berlin rechts auf der Rolltreppe stehen und nur die Eiligen auf der linken Seite gehen. „In New York“, schreibt sie, „machen das nur Touristen“, und das Verhalten der Deutschen findet sie dämlich, genauso wie unsere 24 gesetzlichen Urlaubstage. „In Asien oder Amerika ist das undenkbar.“ Beschleunigung ist nämlich überhaupt gut, nicht nur wegen des Wachstums. Weil man ja mehr Zeit hat, wenn man alles schneller macht.“

Wieso müssen heutige SchülerInnen, die sowieso eine stetig steigende Lebenserwartung haben, auch noch früher mit dem Arbeiten beginnen? Wieso wurde irrsinnigerweise auch beim Lernen auf Geschwindigkeit gesetzt, obwohl man kein Fachmann zu sein braucht, um zu wissen, dass mehr Stoff in kürzerer Zeit eher den gegenteiligen gewünschten Effekt hat? Wer definiert eigentlich genau, ab wann ein Schüler / Student / sog. „Arbeitnehmer“ zu alt ist? Wieso wird nicht die Ansicht vertreten, dass gerade etwas mehr Zeit bei der Berufsvorbereitung (was ja die Schule sein sollte) zu nachhaltigeren Entscheidungen in der Ausbildungs- oder Studienwahl zum Beispiel durch einen Auslandsaufenthalt führt, was dann wiederum spätere Umwege und Zeitverluste minimiert?

OceanCollege begrüßt die Rückkehr zu G9 im Sinne von mehr Entschleunigung und Zeit für Reflektion sehr und freut sich im kommenden Jahr auf die ersten G9 Schüler aus Bayern.

Have your say