Ocean College

Reiseblog

Erst Unterricht, dann Strandtag; es könnte schlechter laufen.

Autor: Lennard

Position: Kap Verden

(16 52,88N 24 59,74W)

Heute früh um Punkt 00:00 Uhr machte ich mich auf den Weg ins Bett, da ich vorher noch Emil beim Tagebuch schreiben unterstützt habe. Um ca. 07:40 Uhr wurde ich dann vom Platschen des Wassers geweckt, weil irgendjemand, wie jeden Morgen, von Bord gesprungen war.

Gegen Ende des Frühstücks machte dann Martin eine Ansage, dass die Ankerwache ihre Sache etwas ernster nehmen sollte. Wir sind heute anscheinend fast in ein Wrack getrieben, was hier einfach vor dem Hafen liegt. Außerdem verkündete Johan noch, dass wir heute Nachmittag zu einem Strand um die Ecke gehen würden, nachdem am Vormittag normaler Unterricht stattfand. Da ich aber normalerweise vormittags Wache habe, waren meine Aufgaben Kapitel drei und vier aus „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny zu lesen und zusammenzufassen, außerdem noch für die LEK in Chemie zum Thema Mikroplastik lernen. Da ich aber heute nicht so viel geschlafen habe, bin ich aus Versehen unten in der Kabine eingeschlafen, obwohl ich eigentlich nur meine Lernmaterialien holen wollte.

Irgendwann kam dann Emil rein, um mit mir die beiden Kapitel zusammenzufassen. Zum Mittagessen gab es Chili con Carne mit Reis. Nach dem Mittagessen hatten wir noch eine Stunde, um das Schiff etwas aufzuräumen und uns auf den Ausflug an den Strand vorzubereiten. Gegen 14:30 machten sich die ersten 15 Schüler mit Michael im Beiboot, welches wir ja jetzt immer benutzen müssen, um an Land und wieder zurück zu kommen, auf den Weg in Richtung Hafen.

Auf dem Weg zum Strand wurde einem mal wieder klar, wie arm hier alle sind. Das Wasser am Stand war schön warm und ziemlich klar, dafür aber auch sehr salzig. Wie immer spielte ich mit Johan und den anderen Jungs Fußball am Strand, was aber diesmal etwas schmerzhafter verlief, da überall Steine und Muscheln im Sand lagen. Kurz bevor wir wieder zurück zum Schiff gehen wollten, kauften wir noch selbstgemachte Teigtaschen mit Fischfüllung bei zwei einheimischen Frauen. Im Hafen trafen wir dann noch auf zwei deutsche Touristen, die mit uns kamen, um sich unser Schiff anzuschauen.

Als wieder alle auf dem Schiff waren, machte Michael erstmal eine Ansage, da das Schiff am Vormittag nicht wirklich aufgeräumt wurde und noch etwas dreckig war. Weil die Küche noch geputzt werden musste, gab es heute zum Abendessen nur Brot und ein kleines bisschen Chili con Carne  vom Mittag, was aber auch nicht so schlecht schmeckte. Nach dem Essen teilte uns Johan dann nochmal den Plan für morgen mit.

Euer Lennard

 

Pick Up Tour durch eine wunderschöne, aber auch sehr arme Insel

Autor: Leon

Position: vor Mindelo, Kap Verden, Portugal

(16 52,88N 24 59,74W)

Heute Morgen stand ich etwas früher auf als sonst, denn bei gefühlt vierzig Grad Raumtemperatur kann man einfach nicht schlafen. Zu allem Übel war ich noch todmüde von der Ankerwache, die ich von 0:00 bis 02:00 Uhr hatte. Das alles entpuppte sich aber als Vorteil, da wir wegen der anstehenden „Pick Up Tour“ alle sowieso eine halbe Stunde früher aufstehen mussten. Nachdem dann alle gefrühstückt hatten, erklärte uns Johan, wie er den Tag geplant hatte.

Wir hatten einen knappen Zeitplan einzuhalten, da die Pick Ups schon auf uns warteten. Ich sprang mit meiner Sonnenbrille und einer Flasche Wasser vom Schiff an Bord des Schlauchbootes, welches uns nur Augenblicke später ans Festland brachte. Dort angekommen, wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe hatte Landgang, die zweite die Pick Up Tour. Ich war in der zweiten Gruppe, die nur wenige Minuten später, mit den generalüberholten Toyotas, losfuhren. Die Straßen waren kaputt und voller Schlaglöcher, aber die erste Etappe zum Monte Verde war trotzdem lustig und aufschlussreich. Man sah viele, halb fertig gebaute Häuser aus Beton, in denen trotz allem Menschen wohnten.

Oben auf dem Berg sah man ein wunderschönes Panorama. Man sah viele Städte, Nachbarinseln, das Meer und weiße Strände mit himmelblauem Wasser. Wir fuhren noch an zwei Strände, an denen wir schwimmen gehen konnten und sahen unter anderem 10000 Hunde, die rund um die Insel vor sich hin existieren. An einem Strand gab es sogar eine Bar, an der Tobi B. und ich eine Cola tranken. Obwohl das Land an sich wunderschön und atemberaubend ist, schwebt die Armut der Bevölkerung doch über allem wie eine dunkle Wolke. Ich war schon an vielen armen Orten der Welt, aber hier ist es echt traurig. Wir wurden bestimmt 20 x nach Geld oder Essen gefragt und Leute, die Drogen nehmen, sieht man auch so gut wie an jeder Ecke. Viele Kinder besuchen hier, auch anders als bei uns, nicht die Schule, sondern lernen, wie man einem Touristen eine schlecht nachgemachte „Prada“ Handtasche verkauft.

Als wir mit den Toyotas zurückkamen, ging die ganze Klasse in ein Restaurant, um zu Mittag zu essen. Danach tauschten die Gruppen, das bedeutete, endlich mal wieder Landgang. Eigentlich hatten Tobi B., Finn und ich vor, in das alte Fährenwrack zu gehen, nachdem wir aber sahen, dass die gesamte Arbeiterschaft der Fischindustrie darin wohnt, überlegten wir es uns doch anders.

Am späten Nachmittag kam die zweite Gruppe verspätet zurück. Es stellte sich heraus, dass die Polizei die zweite Pick Up Tour gestoppt hatte, weil die Polizei plötzlich entschied, dass man auf dem Pick Up so nicht fahren dürfe. Es wurde dann ein zusätzlicher Bus engagiert. Zurück an Bord ging ich eine Runde schwimmen und so gut wie alle scherzten darüber, dass die Schüler zuhause Mathe lernen mussten, während wir an subtropischen Orten schwimmen gingen. Was ich allerdings schade finde ist, dass das Internet hier erstens super langsam ist und zweitens EXTREM viel kostet. Obwohl mir meine Mutter den Blanco Scheck für Handy Rechnungen erteilt hat, möchte ich trotzdem nicht, dass meine Mutter fünf Euro für eine WhatsApp Nachricht zahlt.

Euer Leon

Putztag, richtig Baden und Tanzkurs

Autor: Bastian

Position:vor Mindelo, Kap Verden, Portugal

(16 52,88N 24 59,74W)

Mein Tag hat heute begonnen, als Tanyel mich um 02:00 Uhr Nachts zur Ankerwache weckte. Im Steuerhaus warteten Win und Dominik auf uns, welche vor uns Ankerwache hatten und sich nun auf ihr Bett freuten. Für alle, die nicht genau wissen, was eine Ankerwache ist, hier eine kurze Erklärung: Da wir zur Zeit vor dem Hafen von Mindelo liegen, muss während der Nacht eine Ankerwache gehalten werden. Hierbei müssen immer zwei Schüler Wache halten. Ihre Aufgabe ist es, regelmäßig die Ankerkette am Bug des Schiffes zu kontrollieren. Außerdem hat Martin auf dem GPS-Monitor im Steuerhaus  einen „grünen Kreis “ um unser Schiff gezogen, aus dem es sich nicht herausbewegen darf. Sollte der Fall auftreten, dass sich das Schiff doch aus dem grünen Kreis entfernt, muss das wachhabende Crewmitglied geweckt werden. Eine weitere Aufgabe der beiden wachhabenden Schülern ist es, sich gegenseitig wachzuhalten.

Planmäßig hatten Tanyel und ich von 02:00 Uhr bis 03:00 Uhr Wache. Allerdings endete die darin, dass wir bis halb 5:00 Uhr wach waren und somit zweieinhalb Wachen gehalten hatten. Der Grund für  unser langes Wachbleiben ist eigentlich ein einfacher gewesen. Wir haben uns viel unterhalten und waren auch nicht sonderlich müde und dachten uns, dass wir den anderen einen netten Gefallen tun könnten und sie einfach schlafen lassen können. Also haben wir dann gegen 04:20 Uhr Thorben und Simon geweckt, welche von 04:00 Uhr bis 05:00 Uhr Wache hatten. Bis die zwei dann im Steuerhaus waren und wir sie in die Ankerwache „eingewiesen“ hatten, wurde es eben 04:30. Als ich dann schließlich sehr müde in mein Bett fiel, schlief ich sofort ein. Am nächsten Morgen wurde ich durch das Leuten der Schiffsglocke geweckt. Es wurden uns die Karten für die Aufgaben des Putztages verteilt. Ich hatte heute die „Ehre“, das Deck zu schrubben, gemeinsam mit May, Wanda, Mona und Dominik. Zwischendurch konnten May und ich noch mit Martin auf in dem Beiboot an Land fahren, um den Schiffsmüll zu entladen. An Land wurde der Müll von der Polizei auf Schmuggelware kontrolliert. Es tat ehrlich gesagt ganz gut nach fünf Tagen wieder festen und nicht schwankenden Boden unter den Füssen zu haben. Danach ging es wieder zurück auf das Schiff, wo es wir das Deckschrubben fortsetzen durften. Als wir unsere Aufgabe endlich erledigt hatten, konnten dann auch wir fünf schwimmen gehen. Das war sehr angenehm. Wir konnten sogar von der Schiffsseite an einer langen Leine ins Wasser schwingen. So haben wir unseren gesamten Nachmittag verbracht. Gegen Abend mussten wir dann noch das zweite Beiboot aufbauen, was auch sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Nach dem Abendessen waren wir noch eine Runde schwimmen. Jetzt haben wir einen kleinen Tanzkurs unter der Leitung von May und Hannah, weil ja immer am Sonntag Abend die Lehrer das Abwaschen übernehmen, die Küchencrew aber dafür eine Aktion für alle an Bord organisieren muss. Doch ich muss vermutlich ein wenig verspätet dazukommen, da ich gerade noch den Tagesbericht schreibe. Heute Nacht habe ich noch einmal Wache gemeinsam mit Tanyel.

Zum Schluss möchte ich noch meine Eltern und Großeltern grüßen, ich melde mich, sobald wir Landgang haben!

Euer Bastian