Ocean College

Reiseblog

Land in Sicht!

Autorin: Merle

Position: Atlantik

(16°00,97N 61°07,39W)

Heute Morgen wachte ich durch die Klingel zum Segelsetzen auf. Im Schlafanzug hieß es also an Deck gehen und mit Lotte zusammen die Klüverschot anziehen. Weil wir beide noch ziemlich müde waren, machten wir dies unter dem Motto „Probier´s mal mit Ruhe und Gemütlichkeit“! Nach dem “sehr erschöpfenden“ Segelmanöver ging ich nochmal kurz in mein Bett und wartete darauf, dass Lottes und Paulas Wache zu Ende geht, da wir uns zum Frühstücken verabredet haben. Als diese mich dann um 09:00 Uhr weckten, gingen wir mit unseren Broten zum Vordeck und setzten uns so hin, dass wir das Meer betrachten konnten.

Nach dem Essen versuchte ich ein wenig Motivation für meine Deutschhausaufgaben zu finden. Dies schaffte ich nur mit dem Gedanke, dass ich im Moment mehr Zeit als sonst habe, weil ich als angehende Bordärztin keine Wache habe. Also schleppten Lotte und ich uns runter in die Kajüte, um unsere jeweiligen Hausaufgaben zu machen…tragischerweise wurde diese produktive Zeit ein paar Mal durch erneutes Segelsetzen unterbrochen.

Als nächstes kam die sehr beliebte Ansage, dass heute wieder PUTZTAG ist….yeah…Weil der zweite und letzte Tag der Schiffsübergabe ist, verlief das etwas anders als sonst. Diesmal wurden die Putzdienste den Wachen zugeteilt, also gab es heute mal keine „Happy Sundaygames“ mit dem Kartenziehen. Alle, die bei der Schiffsübergabe einen Posten innehaben, Bordärztin eingeschlossen, müssen am Putztag eigentlich nicht teilnehmen. Ich tat dies aber trotzdem, damit Lotte und ich pünktlich zu unserem Reanimationskurs mit Regina gehen konnten. Unsere Aufgabe erforderte mächtig Körpereinsatz- wir sind unter die Tische gekrabbelt, um die Wände unter den Bänken zu schrubben. Sauberkeit muss sein! Davor gab es aber noch Mittagessen, das heute echt gut geschmeckt hat. Kompliment an unsere zwei neuen Köche Tobias B. und Matthias.

Dann ging es hoch zu Regina aufs Achterdeck. Es war so warm, dass wir am Ende im Bikini Unterricht machten. Zuerst wiederholten wir die Dinge, die wir gestern gelernt haben- sprich alles über den Magen, Kopf und über die Atmung.

Dann suchten wir uns ein Opfer zum Reanimieren aus. Karl war zur rechten Zeit am rechten Ort und er durfte sich gleich mal aufs Achterdeck legen. Selbstverständlich führten wir an ihm nicht eine komplette Wiederbelebung durch, denn sonst hätte unser Karl vielleicht Herzrhythmusstörungen bekommen können. Das alles war sehr interessant und lustig, jedoch in der Sonne auf Dauer anstrengend. Also legten wir uns einfach ganz entspannt eine Zeit lang in die Sonne, bis es den 16:00 Uhr Snack gab.

Während wir unseren Joghurt aßen, tauchten neben uns zwei Wale auf- wortwörtlich! Traurigerweise sind Wale und Delfine keine große Attraktion mehr, da sie schon zum Alltag dazugehören.

Bis zum Abendessen bildeten Lotte, Paula, Emma und ich einen Massierkreis, entspannten und redeten ein wenig. Oben auf dem Mast saßen währenddessen Emil und Win und hielten Ausschau nach Land, denn Martin kündigte an, wer als erstes Land sieht, bekommt eine Tafel Schokolade!!! Irgendwann kam dann der Ruf: „Land in Sicht“. Dann war es klar- Emil und Win bekommen die Schokolade.

Beim Abendessen gab es großes Gedränge, denn heute gab es Spiegelei mit Gurken und Tomaten. Hört sich jetzt wahrscheinlich ziemlich unspektakulär an, aber das ist schon eine Besonderheit hier an Bord. Sonst gibt es jeden Abend eine Suppe, also ist es doch klar, dass heute alle sehr glücklich waren mit dem Abendessen, oder?

Nachher um 24:00 Uhr kommen wir auf Marie Galante an. Wir haben unseren Kurs ein wenig gewechselt und laufen daher erst morgen auf Dominica ein. Wir alle freuen uns schon sehr, morgen bei Landgang wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! So nach zwei Wochen ist das mal wieder angemessen, würde ich sagen.

Ich werde mich jetzt gleich noch entscheiden, ob ich wach bleiben, oder doch lieber schlafen soll. Schlaf ist nämlich hier das Wertvollste was man kriegen kann!

Ich freue mich schon, morgen wieder Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden zu haben. Vermisse euch und hab euch lieb,

Eure Merle

Schiffsübernahme und ihre Folgen

Autor: Finn

Position: Atlantik

(16° 28,19´N 58° 36,29´W)

„Finn! Du hast Wache!“ Es gibt nichts Schöneres, als nachts um 01:00 mit diesen Worten den Tag zu beginnen. Nachdem ich die letzten Wochen nur die Tagwache hatte, war die Uhrzeit etwas ungewohnt. Der Grund für diese Veränderung in meinem vorher so angenehm aufgeteilten Tagesablauf war, dass heute der erste Tag der lang ersehnten Schiffsübernahme war. Ich hatte die mir zu dem Zeitpunkt recht fragwürdig erscheinende Ehre, die erste Wache in der neuen Wachaufteilung zu haben. Aber man kennt ja seine Pflichten an Bord, also Augen zu und durch! Nach der Wache dann direkt zurück ins Bett und weiterschlafen. Dann um 09:00 Uhr, einer etwas erträglicheren Uhrzeit, direkt nochmal aufstehen und genießen, dass kein Unterricht stattfindet. Also habe ich meine Freizeit genossen und gelesen und mit Sebastian noch etwas Mathe gemacht. Um 13:00 Uhr ging der Spaß mit dem Wacheschieben schon wieder los. Zur Verbesserung meiner Laune trug allerdings bei, dass es zum Mittagessen Pizza gab. Vielen Dank an dieser Stelle an unsere neuen Köche Matthias und Tobias.

Nach dem Mittagessen fand die Samstagsauktion statt. Die Auktion  war wie immer recht unterhaltsam, für einige von uns aber auch recht teuer. Der restliche Verlauf  der Wache war ereignislos. Aber dafür gab es heute einen riesigen Topf Milchreis als Nachmittagssnack. Original mit den Kommentaren von Leon und mit Zucker und Zimt und Apfelmus. Das war sicherlich das Highlight des Nachmittags, denn jeder konnte sich sogar zweimal was nehmen. Nach dem Ende der Wache musste ich  noch mein Zimmer aufräumen, da es am Abend Zimmerkontrollen gab. Offensichtlich hab ich meine Arbeit gut genug gemacht, denn ich bin straffrei davon gekommen. Es gibt heute keinen  Kinoabend, da alle zu müde sind, um jetzt noch lange wach zu bleiben. Ich bin wohl nicht der einzige, der die neuen Wachzeiten nicht ganz zu schätzen weiß.

Da ich um 01:00 wieder Wache habe und es schon recht spät ist, werde ich den Bericht hier beenden und versuchen noch ein bisschen Schlaf zu kriegen, damit ich morgen nicht komplett übermüdet bin.

Und wir sind heute in der Spitze einen neuen Rekord gefahren: 9,5 Knoten ist schon ziemlich flott.

Und der Spruch des Tages heute übrigens von Emma: „Ich hatte heute den ganzen Tag Küchendienst und habe jetzt sogar noch gute Laune!“

Euer Finn

 

Letzter Tag vor der Schiffsübergabe mit nassem Ende

Autorin: Paula

Position: Atlantik

[16°13,64N 55°41,89W]

Mein Tag startete heute damit, dass ich um 04:45 Uhr von Karl und Charlotte geweckt wurde. Nachdem sie mich sehr feinfühlig dazu überredet haben und mit Matheaufgaben getestet haben, ob ich denn auch wirklich wach bin, musste ich dann wohl oder übel aufstehen.

Für das frühe Aufstehen wurde ich dann immerhin mit einem sehr schönen Sternenhimmel und später sogar mit einer Sternschnuppe belohnt. Als es heller wurde, sind, mit ein bisschen lauter Musik, auch unsere Lebensgeister wieder erweckt worden. Pünktlich um 08:00 Uhr gab es dann Frühstück. Heute extra wellenfest, da seit ein paar Tagen alles durch die Gegend fliegt und wir schon so einiges aufwischen mussten. Vom Frühstück gestärkt, war die letzte Stunde Wache dann auch kein Problem mehr. Als ich dann die Wache übergeben habe, hatten wir, wie jeden Tag, noch ein kleines Feedbackgespräch mit unserem Officer Michael.

Danach hatte ich mir eigentlich zusammen mit Nora und Emma vorgenommen nicht schlafen zu gehen und sofort Hausaufgaben zu machen, aber die Müdigkeit hat mich dann doch besiegt und mich sogar den 11:00 Uhr Snack verschlafen lassen.

Zum Glück hat Nora mich dann irgendwann geweckt und wir haben fleißig für Bio gelernt, was sich dann später im Unterricht bei der Abfrage auch gelohnt hat. Das Mittagessen war heute auch sehr lecker, es gab Döner mit selbstgemachtem Brot und für mich die vegetarische Variante.

Danach hatte ich dann meine erste “Besprechung“ als Bootsfrau, in der wir die neuen Wachen eingeteilt haben, da morgen die Schiffsübergabe stattfindet. Alle werden in der Zeit acht Stunden Wache laufen. Ich bin schon gespannt, wie es wird Bootsfrau zu sein und den Anderen beim Segel hochziehen zu sagen, sie sollen sich mal ein bisschen mehr beeilen. Haha!

Dann hatte ich Englisch, wo wir gerade eine Kurzgeschichte schreiben, die mindestens 1000 Wörter haben muss und als Klassenarbeit gewertet wird. Das wird noch ein Spaß!

Als dann eigentlich der Bio- Unterricht losgehen sollte, gab es erstmal Pfannkuchen mit Nutella und später gab es noch eine Ansage von Martin, in der er uns erzählte, dass die kranke Schülerin sicher mit dem Helikopter abgeholt und ins Krankenhaus geflogen wurde. An dieser Stelle nochmal gute Besserung von uns allen, wir denken an dich!

Nach Bio kletterte ich mit Lotte und Emma vorne ins Klüvernetz, dort haben wir dann erstmal eine Singparade gestartet, die leider fast jeder auf dem Schiff gehört hat…das war natürlich unsere Absicht, genau wie die Heiserkeit danach!

Um 19:00 Uhr klingelte es zum Abendessen und ich setzte mich gemeinsam mit Emil, Win, Lotte und einer heißen Tomatensuppe aufs Achterdeck. Das war alles schön und gut bis dann Lennard hochkam und mir verkündete, dass mein ganzes Bett nass wäre!!! Ich bin dann natürlich gleich runtergelaufen, um nachzusehen und stellte fest: Lennard hatte leider Recht. Sogar die Matratze tropfte auf Mikas Bett durch. Dann hieß es erstmal aufhängen gehen! Mit tatkräftiger Unterstützung von Merle, die jedoch nur eine Hand frei hatte, da sie ja noch ihren Tee trinken musste, der ihr später zum Verhängnis wurde…dazu nachher mehr. Trotzdem vielen Dank mein Merlchen! Also hingen wir im Dunkeln draußen die nassen Sachen auf, die hoffentlich morgen trocken sind. Die Übergangslösung für heute Nacht lautet: Mit Lotte draußen in der Hängematte schlafen. Das wird bestimmt cool.

Dann ging ich runter, um Merle zum Tagesbericht schreiben zu holen, doch Merle lag nach einem Treppensturz, bei dem ihr heißer Tee auf ihrem Arm landete, in ihrem Bett. Aber nichts Schlimmes, keine Sorge, kurz darauf war sie wieder wohlbehalten auf den Beinen.

Sooo und das war mein Tag. Wie ihr seht passiert hier jeden Tag etwas Lustiges.

Am Ende grüße ich noch meine Familie und Freunde und wünsche ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit.

 

Eure Paula