Ocean College

Reiseblog

Wale und eine frische Brise.

Autor: Win

Position: Atlantik

(16° 20,4N 053° 07,2 W)

Mein Tag begann damit, dass Charlotte mich heute früh aus dem Bett gescheucht hat, da Michael Nico und mich fürs Segelstreichen wecken ließ. Ich kann keine genaue Uhrzeit nennen, da ich mich voll verschlafen erstmal anzog und gar nicht auf die Uhr guckte. An Deck angekommen, war die Sonne gerade aufgegangen und die Wache war schon dabei, das Besan zu streichen. Ich half, das Segel mit der Schot dichtzuholen. Nach dieser kleinen Runde Morgensport blieb ich erstmal auf der Brücke, denn jetzt wieder schlafen gehen, war eh sinnlos. Ich fragte Michael, den Wachhabenden, warum das Besan denn jetzt gestrichen werden musste und er wies mich auf eine dunkle Wolke hin. Er erklärte mir, dass es sich dabei um eine Böe mit Regen handelt. Wir beobachteten das Ganze übers Radar und tatsächlich hatte die Brise aufgefrischt und dann kam auch schon das Kommando von Michael, alle Luken zu schließen. Simon und ich machten uns auf den Weg und währenddessen fing es schon ein bisschen an zu nieseln. Nach dem kleinen Regenschauer konnten dann wieder die Luken auf und das Besan gesetzt werden. Durch dieses ständige Hin und Her verging die Zeit recht schnell und es wurde zum Frühstück geklingelt. Beim Frühstück gab es eine sehr interessante Auseinandersetzung zwischen Vegetariern und Fleischessern, denn die Kitchencrew hatte entschieden, heute ein reines vegetarisches Mittagsessen zu zaubern. Es war sehr unterhaltsam und als diese Disputation auseinanderging, bin ich nochmal hoch zu Michael auf die Brücke, denn der Regen hatte zwar aufgehört, aber die Brise war immer noch aktiv und das Meer ein bisschen aufgewühlter als sonst, genauso, wie ich es mag. Dann war es aber leider Zeit runter zu gehen, denn wir hatten Unterricht. Nach einer Stunde Deutsch, zwei Stunden selbständigem Lernen für die Heimatschule und einer Stunde Mathe, in der wir auch diesen bereits in einem vorherigen Tagesbericht beschriebenen Test schreiben mussten und leider kann ich behaupten, dass Charlie 2 auch auf der 6er Liste steht.

Wir wurden dann durch den doppelten Glockenschlag von Mathe erlöst, packten erstmal deprimiert unsere Sachen und begaben uns zur Essenausgabe. Wie immer befand sich bereits eine lange Schlange bei der vegetarischen Essensausgabe. Dann aß ich mit Emil und Lotte auf dem Achterdeck und wir „chillten“ dort noch relativ lange. Ab und zu hörten wir heftiges Scheppern aus der Messe und Küche und darauffolgende Schreie und Gelächter. Die Brise war immer noch da und wir machten durchschnittlich um die 7,5 Knoten, davon können die von KUS nur träumen! In meinem kleinem Zeh spürte ich, dass wir heute den Rekord, den Michael aufgestellt hatte, sprich 9,5 Knoten, brechen werden. So kam es, dass Karl und ich fast ständig vor dem Bildschirm hockten und den Geschwindigkeitsmesser anfeuerten. In mir brannte ein Monsterfeuer und ich spürte einfach, wie ich in solchem Wetter aufgehe und voll und ganz in meinem Element bin. Als die Lehrer dann die Stuurhut (so nennen Emil und ich das Steuerhaus, denn auch wir wollen uns ein bisschen auf dem niederländischen Schiff integrieren) betraten und uns rausschickten, warfen Emil und ich nochmal unsere Hochseeangel raus, die seit ein paar Tagen nicht im Wasser war. Dabei bemerkten wir zwei dunkle Stellen im Wasser und uns wurde relativ spät erst klar, dass es Wale waren und so schrien wir los: „Wale an Steuerbord!“ Die ungefähr 10 m langen Wale hatten die Aufmerksamkeit des ganzen Schiffes erregt und schwammen manchmal sehr nah am Schiff.

Gegen 17:00 Uhr wollten Micheal und ich Astronavigation machen, leider wurde das durch das ständige Hin und Her in der Stuurhut unterbrochen und wir einigten uns darauf, morgen weiter zu machen. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich auf der Brücke und so kam es, wie es kommen musste. Um mir mein Abendbrot zu holen, verließ ich die Brücke und Johan „flankte“ wieder einen von seinen Sprüchen raus: Ich zitiere: „Win, Du hier unten? Mensch, was macht die Brücke denn ohne Dich? Kommen die ohne Dich klar?“  Mit diesen Worten machte ich mich mit meiner Suppe wieder auf den Weg zur Brücke. Nach dem Verspeisen ist mir eingefallen, dass ich heute Tagesbericht habe und ich begab mich zur Messe, um mit dem Schreiben anzufangen. Ich wurde aber leider durch Steffi unterbrochen, denn heute ist unsere Zimmerkontrolle dran und da muss jeder anwesend sein. Die Zimmer werden seit heute wegen, nun, sagen wir, unangenehmen Gerüchen und durch krasses Tohuwabohu kontrolliert und den Umständen entsprechend gesäubert. Steffi zeigte uns dann, wie man Platz spart und wie man so viel wie möglich unter Betten stopfen kann. Das Ganze hat fast zwei Stunden gedauert und so kommt es, dass ich in meiner Wache den Tagesbericht schreiben muss. Mein Tag wird wohl damit enden, dass, wenn ich mit dem Tagesbericht fertig bin, ich meiner Wachaufgabe nachgehen, sprich den Salon sauber machen muss und danach eine weitere Stunde Wache haben werde, also bis 01:00 Uhr und mich dann müde und zufrieden in meine Koje legen werde.

P.S.: Mein kleiner Zeh hat sich geirrt, denn der Rekord wurde nicht gebrochen. Wir haben aber immerhin 9,2 Knoten erreicht!

Kleine Notiz an meine Schwestern:

Salut Mona a Lena, ech hoffen dir haat e coolen Kleeschesersdaag. Dass bessen komesch keen Schnei, keng Deko an keen Beemchen ze hunn. Bei eis ass de Kleeschen och komm an ech kruut vir Schiffsübergabe den Steuermannsposten geschenkt an Seissegkeeten, vill Seissegkeeten haha. Ech hoffen et geet ierch all gudd an Chrestdagsstemmung ass net all ze stresseg. Lena ech wenschen dir schonmol Alles Guddes vir dain B-day. An Mona stress dech net zevill mat der Schoul ech wees dass grad elo eng sauer Prüfungszait ass. Bopa, dei Flaam, dei´s du bei mir gezündt hues mat dengen Geschichten huet sech zu engem Feier ausgebreet sinn hei doheem. Trotzallem freen ech mech iech rem zegesinn. Bis dann,

Euer Win

 

Ein Tag wie kein anderer.

Autorin: Wanda

Position: Atlantik

(16°4,24’N 50° 16,63W)

Heute wachte ich in der Messe auf. Ja, ihr habt richtig gehört, ich wachte nicht wie die meisten anderen Passagiere in einem Bett, sondern in der Messe auf. Es war fünf Uhr morgens, also hatte ich noch vier Stunden bis zum Unterricht Zeit. In dieser Zeit bearbeitete ich mit Freude meine Hausaufgaben und aß ein Brot mit Nutella. Um viertel vor acht weckte ich dann Inga und wir zogen zusammen los, um zu duschen. Aber nicht auf die gewöhnliche Art und Weise, wie es ein mancher von euch vielleicht von zuhause gewohnt sein mag, sondern ganz spartanisch mit einem Schlauch auf dem Mitteldeck. Als erstes mit Salzwasser, dann mit Süßwasser.

Danach hatte ich grade noch so Zeit mich umzuziehen, bevor ich in den Unterricht musste. Dieser war heute allerdings recht entspannt, denn wir hatten Deutsch und danach Geschichte. Da das Essen in unserem Schiffsalltag eine relativ große Rolle spielt, darf die Beschreibung dessen natürlich auch dieses Mal nicht fehlen. Heute gab es Nudeln mit Bolognese oder Gemüse für unsere Vegetarier.

Dann kam der Teil des Tages, der diesen Tag von den vielen anderen Tagen unterscheidet.

Meine Zimmernachbarin und gute Freundin hatte seit Samstag gesundheitliche Probleme (Detaillierte Informationen dazu für die Eltern der Teilnehmer im internen Bereich). Unsere Bordärztin kümmerte sich die ganze Zeit um sie. Trotzdem wurde nach der besten Möglichkeit für unsere Freundin gesucht und die war eindeutig eine Klinik an Land. Und das mitten auf dem Atlantik! Mit mitten meine ich auch wirklich GENAU in der Mitte. Zurück fahren war also keine Option. Und da setzt das heutige Erlebnis an: Die „Royal Clipper“, ein Fünfmaster mit deutlich mehr Knoten, als wir sie fahren können, befand  sich in nicht so weiter Entfernung. Da sich auf dem Meer jeder hilft, baten diese kurzerhand ihre Hilfe an, nachdem die Küstenwache von Martinique nach Rücksprache mit Martin einen Mayday-Relay abgesetzt hatte. So trafen sich heute gegen 15:30 Uhr zwei Segelschiffe mitten auf dem Atlantik. Da das andere Schiff deutlich schneller ist, nahmen sie unsere kleine Patientin und die Bordärztin mit, damit diese schneller an Land kommen. Die ganze Prozedur war für unsere Freundin sicherlich sehr anstrengend und wir sind alle sehr stolz auf sie und freuen uns, sie so bald wie möglich wieder zu sehen. Wir haben ihr auch eine Karte gebastelt und sie ihr mitgegeben.

Danach hatte ich Wache. Ganz normale Wache. An sich passierte dort nichts sonderlich Spannendes. Ich führte wie immer ein paar Gespräche mit Nico, Mona, Inga und Matthias.

Und nun sitze ich hier und mir fallen schon fast wieder die Augen zu, so müde bin ich.

Doch ich möchte nun noch nicht in unser Zimmer, denn erstens würde das bedeuten, ich müsste es aufräumen, nachdem die letzten Nacht nicht ich, sondern unsere Bordärztin in meinem Bett geschlafen hatte, und zweitens ist unsere Zimmergemeinschaft jetzt nicht mehr wirklich komplett, was mich ein wenig traurig macht. Doch natürlich bin ich auch froh, dass sie nun auf dem Weg ins Krankenhaus ist, wo sie noch besser als hier versorgt werden kann. Gerade in der Zeit, in der sie hier krank in ihrem Bett lag, merkte ich, was für eine tolle Familie wir doch schon geworden sind. Jeder tat sein Bestes, um zu helfen und alle nahmen viel Rücksicht wegen der Situation.

Ich bin echt guter Dinge, dass wir diese Reise zusammen gut meistern werden!

Ich würde übrigens gerne noch ein paar Grüße verteilen. Als erstes möchte ich Lou, Csi, Hännah, Merle, Marlen und Anna grüßen, Freunde die immer für mich da sind und ich echt vermisse. Dann noch meine Oma Rosi und natürlich Nele, ich freue mich schon super doll auf Hamburg. Und zum Schluss natürlich noch meine Eltern, denen ich viel zu verdanken habe, und die ich sehr lieb habe.

 

Eure Wanda

 

Bildquelle: Royal Clipper

Irgendwo auf dem großen schönen Atlantik

Autor: Karl

Position: Irgendwo auf dem großen schönen Atlantik.

(16°18,36N 047°40,48W)

Mein Tag heute begann wieder einmal sehr früh, nämlich um 01:15 Uhr. Das ist eigentlich ungewöhnlich, da meine Wache normalerweise um 00:45 (eine viertel Stunde vor Wachbeginn) geweckt wird. Aber da wir mittlerweile eine weitere Zeitzone durchschritten haben, wurde die Zeit wieder umgestellt und das in einem besonderem Rhythmus: Damit nicht eine Wache eine ganze Stunde länger machen muss, macht jede Nachtwache ein wenig länger, damit es auch fair zugeht. Ich habe mich in der letzten Zeit schon super an den neuen Schlafrhythmus gewöhnt, deswegen verbringe ich meine Wache immer wach und ausgeruht, trotz der wohl anstrengendsten Zeit von ein bis fünf Uhr.

In den letzten Tagen habe ich mich immer mit unserer Steuerfrau Regina für ein paar Stunden zusammengesetzt und Segeltheorie gemacht. Nach der Wachübergabe beginnt dann die Schlafphase für uns von 05:00 Uhr bis zum Mittagessen, also 13:00 Uhr. Heute wurde ich aber schon ein wenig früher von Charlotte geweckt, mit der ich noch Physik lernte. Außerdem mussten wir noch per Hand unsere Wäsche waschen, da unser Wasser ja im Moment sehr knapp ist. Dann gab es Mittagessen und danach Matheunterricht, der nicht weiter spannend war.

Nach dem Unterricht gab es dann einen Allgemeinalarm, der aber dieses Mal nichts Schlimmes zu bedeuten hatte, sondern uns viel Freude bereitete. Aus den Niederlanden haben uns nämlich Sinterklaas und der schwarze Piet besucht, die uns viele Süßigkeiten brachten und die frohe Botschaft, wer bei der Schiffsübergabe Posten wie den des Steuermannes oder Kapitäns übernehmen darf.

Martin erschien voll verkleidet als Sinterklaas, der aus Holland nach alter Tradition mit seinem Dampfschiff und dem schwarzen Piet einen kleinen Abstecher zu uns auf die Regina Maris gemacht hat. Der schwarze Piet war dann Sietse, der komplett schwarz angemalt und fröhlich wie immer, eine riesen Show abgezogen hat. Martin, alias Sinterklaas, hat dann die einzelnen Personen, die sich nach ihrer Bewerbung auf einen Schiffsposten freuen konnten, nach vorne gerufen und ihnen die fröhliche Botschaft mit ein wenig weihnachtlicher Stimmung verkündet. Merle ist Ärztin, Tobias B. und Matthias sind Köche geworden. Lennard, Simon und Paula werden als Bootsmänner bei all Hands Manövern oder beim Segelpacken eine große Unterstützung sein. Win, Tobias M. und ich sind Steuerleute geworden, die die Aufgaben unserer jetzigen Officer übernehmen werden. Wir werden also die Wachen leiten und selbstständig Entscheidungen treffen, die das Schiff und das Segeln betreffen. Hannah H. ist bei der Schiffsübergabe unsere neue Kapitänin! Ich bin glücklich, dass ich die Aufgabe des Steuermannes während der Schiffsübergabe übertragen bekommen habe und möchte Regina danken, da sie sich immer super viel Mühe gibt und bisher auf jede meiner Fragen eine Antwort wusste.

Am Abend haben Nils und ich an Deck noch eine Salzwasserdusche genommen, da der Duschplan ja vorrübergehend außer Kraft gesetzt wurde, weil unser Hauptwassertank kurzzeitig leer war. Danach habe ich mit Mona und Charlotte noch auf dem Achterdeck zu Abend gegessen und in die Sterne geschaut.

Zum Schluss möchte ich noch meine lieben Geschwister, Eltern, den Rest der Familie und meine Freunde grüßen.

Euer Karl