Ocean College

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Der Putztag, an dem ich nur Knöpfe annähte

Autorin: Alisa
Position: Gewässer vor den Azoren
(38°33.82 N 27°15,01 W)

Heute Morgen stand ich blitzartig auf. Das war so, weil Chantal mit den Worten „Wer will vor dem Frühstück duschen?“ an unsere Tür klopfte. Ich machte mich gleich auf den Weg zu den Duschen, um noch eine freie zu bekommen und glücklicherweise klappte das auch.

Dort, wo Emil und Karl am gestrigen Abend den restlichen Verdünner, der vom Malen übrig geblieben war, auf dem Kai anzündeten und so ein sehr schönes Feuer machten, versammelten wir uns nach dem Frühstück alle zum obligatorischen Gruppenfoto. So standen wir vor unserem Ocean College Gemälde, das jetzt für immer, beziehungsweise bis es von irgendwem übermalt wird, am Kai von Horta prangt und machten sehr viele Fotos, bis Johan endlich mit dem Selbstauslöser der Kamera klarkam. Für so einen besonderen Anlass packte Johan natürlich auch die Drohne aus, der wir dann zuwinken sollten, was auch gar nicht gestellt aussah.

Als alle wieder auf dem Schiff waren, stand der Putztag an. Ich fing mit meiner Aufgabe an, nämlich mit Lisa zusammen Knöpfe an die Polster annähen. Das war keine leichte Arbeit, trotzdem machte es irgendwie Spaß. Dann ging der Motor an, das heißt, wir legten ab. Ich ging raus, um mir das anzuschauen. Wir fuhren an der Thalassa vorbei und leider war es das letzte Mal, dass wir sie auf der Reise sahen. Zum Abschied winkten wir einander zu und es wurde geklatscht.

Auf dem Meer angekommen fing der Wellengang auch gleich an und es kam Biskaya-Feeling auf. Wir setzten die Breitfock, um sie eine Viertelstunde später wieder runter zu nehmen, da der Wind falsch kam. Komplett nass wurde ich dann auch, als ich mit Kathrin die Leichenfänger (Netze) aufhing, während ich auf der Reling stand und von ein paar Wellen überschüttet wurde. Nach getaner Arbeit setzte ich mich aufs Achterdeck in die Sonne, um zu trocknen.

Danach widmete ich mich wieder den Polsterknöpfen.

Das Mittagessen kam mit zwei Stunden Verspätung. Es gab Reis mit Gemüse. Während des Essens sagte Wanda: Der Hunger kennt keine Grenzen, Trump schon. Mit dieser Aussage hat sie wahrscheinlich Recht. Danach unterhielten Wanda, Matthias, Lukas und ich uns über Essensgewohnheiten und Lucas erzählte 10 Minuten lang einen Witz, der am Ende gar nicht lustig war. Das Gespräch wurde von Chantal beendet, die Wanda und Lucas sofort zum Messeboden putzen schickte.

Danach widmete ich mich erneut den Polsterknöpfen.

Um 17:30 gab es eine Auktion. Die Strichliste ließen wir dieses Mal zum Glück weg. Leider tauchten mein Kissenbezug und meine Ölzeughose nicht wieder auf, ich werde also doch aktiv danach suchen müssen.
Nach der Auktion schaute ich mit Nora und Wanda „Die fabelhafte Welt der Amelie“ auf Französisch, denn dies ist ja eine Bildungsreise. Allerdings ging es Nora dann nicht so gut und sie ging schlafen.
Weil wir den Film alle zusammen weiterschauen wollten und Wanda zufälligerweise die DVD „Mamma Mia“ mit hochgebracht hatte, setzten wir den Filmabend zu zweit fort und schauten Mamma Mia (auf Englisch, der Bildungswert darf ja nicht fehlen).

Gerade sitzt Leon neben mir und spielt, wie den ganzen Tag schon, „Star Wars Empire at War“ und gibt dabei Kommentare von sich wie „Wo kommt die ganze Armee her?“ oder „Ich rüste jetzt auf!“. Mit seiner Kapuze tief ins Gesicht gezogen sieht er dabei aus wie ein Vollzeitgamer. Ich bin mir sicher, ihn morgen an gleicher Stelle immer noch beziehungsweise schon wieder computerspielend vorzufinden.
Ich versuche gerade darauf klar zu kommen, dass es jetzt, 21:00 abends, immer noch hell draußen ist. Die logische Konsequenz daraus ist, dass es erst sehr spät morgens hell wird, was für mich bedeutet, dass die ersten drei Stunden meiner 05:00 bis 09:00 Wache morgen früh im Dunkeln verlaufen werden. Und dann werden wir auch noch Brot backen müssen, was wir seit mindestens zwei Wochen nicht gemacht haben. Also werde ich jetzt ins Bett gehen und versuchen zu schlafen, auch wenn das höchstwahrscheinlich nicht klappen wird, da Emil bestimmt wieder mit Lotte und Paula in unserem Zimmer bis 23:00 Uhr über Ikea-Essen reden wird.

Eure Alisa

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