Ocean College

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Die Jedi-Prüfung

Date: 07.11.2018

Author: Niklas

Position: Vor Fuerteventura

Geographical Position: 28°36.7 N 14°24.6 W

Etmal: 64 NM (total: 1855 NM)

Der Tag begann mit zwei Stunden Englischunterricht, ging weiter mit Geo und dann Bio. Anschließend gab es Mittagessen: Pilz Quiche mit baked beans – fand ich lecker, die Pilze haben mich jedoch nicht vom Hocker gehauen.

Irgendwann fiel mir auf, dass ich heute Tagesbericht schreiben muss, dann überlegte ich, was bis jetzt so berichtenswertes geschehen ist – gar nichts. Um 13:00 Uhr war „happy hour“ und wir bekamen die Ansage, unsere Zimmer für die „Captains round“ aufzuräumen. Also ging ich in unser Zimmer und kämpfte mich durch einen Urwald von aufgehängter Wäsche, die schon seit Tagen trocken ist. Als ich anfing, Socken zu sortieren, entschloss ich jedoch nach zwei Minuten, dass es Zeit ist, eine Pause zu machen. Also ging ich an Deck, um nach spannenden Dingen zu suchen, die ich in den Tagesbericht schreiben kann. Nachdem ich meine Suche aufgab, sagte mir Peer, dass Michael (erster Offizier) Leute mit Harness sucht. Ich fragte Michael, was wir auf dem Mast machen sollten und er sagte mir, er geht hoch „just for fun“. Daraufhin zog ich mir sofort meinen Harness an und ging mit Michael hoch auf den Mast. Zu meiner Verwunderung war ich der Einzige, der mitkam. Als wir dann ganz oben auf dem Mast vom Royal sail waren, fragte er mich, ob ich hoch will. Aber wir waren doch schon oben? Er fragte mich, ob ich auf die Mastkappe will, also ganz hoch. Das wollte ich natürlich unbedingt. Der Ausblick von dort oben war total schön und einzigartig. Die Sonne stand tief und reflektierte sich im Wasser neben den Bergen Fuerteventuras. Die Kombination aus einer leichten Brise und den warmen Sonnenstrahlen mit dem leichten Schwanken des Schiffes in dem ruhigen Gewässer gaben mir ein schönes Gefühl. Es war nichts anderes zu hören außer dem leichten Wind und Sammos (Bosun: Schiffsmann) Musik. Denn der befand sich etwas unter mir auf dem Royal Sail und hörte mit seiner Musikbox „Who let the dogs out“ und andere lustige Stimmungslieder. Nachdem ich mich dort oben mit Energie aufgetankt hatte, kletterte ich wieder runter und setzte meine Arbeit mit dem Sockensortieren fort. Auf einmal ertönte eine Durchsage von Peer, dass ein Wal zu sehen ist. Sofort rannte ich aus dem Wäschedschungel aufs Deck, wo schon die gesamte Crew gespannt aufs Wasser starte. Leider habe ich hin nicht mehr gesehen, aber er wurde mir als sehr schön beschrieben. Gerade wollte ich meine Socken weiter sortieren, da lief Louiz mit einem elektrischen Rasierer an mir vorbei… Er war gerade auf dem Weg zu Robert, um ihm die Haare zu schneiden. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und ich beschloss, dass die Socken noch etwas warten konnten.

Plötzlich überkam mich ein Motivationsschub und ich sortierte die Socken zu Ende und räumte das gesamte Zimmer in kürzester Zeit auf. Zufrieden setzte ich mich zu Fabian ans Vordeck und wir schauten dem Sonnenuntergang zu, in den wir segelten.

Der Abend brach an und brachte seine Überraschungen mit sich… nach einem normalen Abndessen begann eine nicht normale Watch… Auf der Backbordseite erschien ein Licht. Wie gewöhnlich meldeten wir es und hielten weiter Wache. Als wir dem Licht etwas näher kamen, erschien ein zweites, blinkendes Licht kurz darunter. Wir waren erschrocken, als wir es länger beobachteten:

kurz-kurz-kurz-lang lang-lang-kurz-kurz-kurz

Das heißt SOS!!!!!! Sofort sagten wir Hendrik Bescheid, er versuchte Funkkontakt mit dem Schiff aufzunehmen – vergeblich. Wir weckten den Captain. Er nahm Kontakt mit dem Schiff auf und fand heraus, dass sie einen kaputten Motor hatten und keinen Wind in den Segeln. Sie wollten zu uns aufs Schiff und sich an die Küste ziehen lassen, um pünktlich ihren Heimflug zu bekommen. Ben war jedoch skeptisch und kontaktierte die Küstenwache, die kümmerten sich dann um das Schiff.

Außerdem habe ich in der Nacht meine Jediprüfung bestanden: Ich stand mit einer Handvoll gebrannten Mandeln an der Reling und schaute in den Sternenhimmel. Ich spürte ohne hinzuschauen, dass mir eine Nuss aus der Hand gerollt ist. Aus Reflex machte ich eine Fangbewegung mit der anderen Hand und fing die Nuss blind. Meister Yoda wäre stolz auf mich gewesen! Mit Stolz erfüllt stolzierte ich in mein sockenfreies Zimmer ins Bett.

Möge die Macht mit euch sein!

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