Ocean College

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Die schlimmste Kombination an Bord

Autor: Win Schuman
Position: Nordatlantik
(33°00,46 N/ 52°12,90 W)

Heute Morgen wurde ich ungewöhnlicher Weise erst um 08:30 geweckt. Das lag daran, dass ich heute Küchendienst hatte und Paula, Mika und ich so ein gut eingespieltes Team sind, dass wir nur eine halbe Stunde vor dem Zubereiten des Frühstückes aufstehen müssen. Nachdem ich aufgestanden bin, war Paula schon damit beschäftigt, den Frühstückstisch vorzubereiten. Ich habe mich ihr angeschlossen und mir wurde sogleich der neueste Gossip überbracht. Und zwar hatte sich die 1-5 Wache anscheinend einen ganzen Laib Brot genommen und verzehrt. Das ist vor allem jetzt schlimm, da gestern ja bekanntlich der Ofen mit Salzwasser geschrottet wurde, und wir deshalb das Brot rationiert haben. Der ganze “Querfraßskandal“ hat sich dann im Laufe des Tages als Missverständnis entpuppt.

Dann habe ich erstmal gefrühstückt, um danach gleich wieder abzuwaschen. Denn wie so oft hat man am Küchendienst- Tag nur sehr wenig Freizeit. Die Vorbereitung des Mittagessens hat gut geklappt- es gab heute Kartoffeln mit Rührei und Gurkensalat. Putztag und Küchendienst ist wohl einer der anstrengendsten Arbeiten an Bord. Von daher war unsere Motivation etwas gering. Glücklicherweise müssen wir Wasser sparen und deshalb fällt das Deckcleaning aus. Die Decksleute haben uns sehr viel Arbeit in der Küche abgenommen, was das Putzen angeht. Eigentlich konnten wir drei uns deswegen nur aufs Essen und Abwaschen konzentrieren.

Nach dem Mittagsabwasch haben wir die Küche dann an die Putzleute freigegeben, damit wir uns nicht gegenseitig im Weg stehen. Ich bin dann hoch an Deck und habe mit Emil ein bisschen gequatscht und gechillt. Bis wir beide Lust auf was Süßes hatten. Es war also Zeit die Geburtstagsmarshmellows zu killen. Ich holte sie also und dann sind Emil und ich in die Stuurhut gegangen, um den Gasbrenner zu holen, denn wir wollten uns diese selbstverständlich ein bisschen flambieren. Leider machte uns Sven ein Strich durch die Rechnung, da er meinte, dass ein Gasbrenner in Kombination von Emil und mir wohl nicht so eine gute Idee auf einem Segelschiff mitten auf dem Nordatlantik sei. Schade… Aber wir haben die Marshmellows dann „roh“ gegessen. Dafür nochmal danke Mimi, sie haben vorzüglich geschmeckt.
Daraufhin ging ich runter, um den 16:00 Uhr Snack vorzubereiten, unser Plan Cookies zu backen, fiel ins Wasser und so entschieden wir uns eine halbe Orange auszugeben. Nach der Ausgabe bin ich zurück an Deck, um mein Buch weiterzulesen. Es war sehr entspannend und ich habe es sehr genossen. Als ich reingehen wollte, weil mir kalt wurde, wurde wegen der Versteigerung geklingelt. Zum Glück war diese im Saloon und somit war das Kälteproblem gelöst.

Leider erwartete mich während der Versteigerung eine mehr oder weniger böse Überraschung. Ich hatte wohl fünf Sachen irgendwo liegen lassen, und musste somit fünf Euro von meinem Taschengeld an die Schiffskasse abgeben. Danach haben wir die Tomatensuppe vorbereitet und das Abendessen ausgegeben. Der Wind hat wohl in der Dämmerung zugenommen, und so kamen auch mehr Wellen. Das hatte zur Folge, dass uns die ganze Zeit Teller aus den Regalen geflogen sind und irgendein Depp seinen Eimer auf der Ablage hat stehen lassen und dieser natürlich umgekippt ist. Tja, das verpasste uns allen ne kleine Dusche. Wir waren zu dem Zeitpunkt so müde und damit beschäftigt den Abwasch zu machen, dass uns das egal war und wir einfach nur noch raus aus der Küche wollten.
Als wir fast fertig waren, meinte Paula, dass ich sie mit dem restlichen Abwasch alleine lassen kann und mich an den Tagesbericht setzen darf. Als ich anfing den zu schreiben und mein Bett schon vor Augen hatte, wurde ich öfters unterbrochen. Das erste Mal war, weil ich für Paula, Lotte und Co den Salzwasserschlauch in die Dusche hängen sollte. Das war eigentlich nicht so wild, da ich weiß, wie ranzig man sich nach dem Küchendienst fühlt. Dann musste ich einen vollgeschimmelten Kanister säubern, den irgendein Küchendienst wohl vergessen hatte. Meine Laune sank und meine Aggression stieg stetig. Dann musste ich nochmal die Schneidemaschine säubern, da es noch eine schmutzige Stelle gab.
Jetzt bin ich echt bereit schlafen zu gehen! Meine Familie sollte wissen, dass es mir gut geht und ich den Nordatlantik voll nice finde und dass ich mir manchmal erhoffe, dass du das mit mir miterleben könntest Opa.

Euer Win

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