Ocean College

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Ein sehr spannender Tag im Regenwald an der Karibikküste.

Autorin: Alisa

Position: Limon, Costa Rica

(Nautische Position)

Der schönste Morgen der Reise. Ich wachte auf zu kreischenden, glucksenden, japsenden Geräuschen, die sich rundherum ausgebreitet hatten. Der ganze Regenwald schien zu leben und undefinierbare Laute von sich zu geben. Als ich aus der Tür trat, stand ich inmitten von Baumkronen auf der Terrasse. Gelbes, mildes Morgenlicht strömte auf mich ein, das durch die feuchten Blätter der großen Bäume durchglitzerte, die von Nebel umrankt waren.
Das war ca. um 06:30. Um 07:45 kamen dann die Jungs aus dem anderen Haus zum Frühstück rüber. Es gab Naan-Brot (frittierter Teig) mit Honig oder Saucen, salzige Bananenchips und einen Gemüse-Obsteintopf. Wieder mal ein ungewöhnliches, leckeres, costa- ricanisches Frühstück.

Danach fing die erste Tour über das Gelände an. Ken, der Farmbesitzer, erzählte uns seine Geschichte: Als er vor 17 Jahren hier anfing, war das Land nicht bebaubar, da es eine Rinderweide gewesen ist. Unglaublich, wenn man sieht, wie dicht bewaldet es jetzt hier ist. Sein jetziges Land und auch der Regenwald generell sind von Abholzung und Immobilienbau bedroht. Ken stellte uns seine „rechte Hand“ vor: Adolfo, einen Bribri-Indianer, der schon seit vielen Jahren auf Kens Farm arbeitet.

Anhand des Beispiels von Avocadobäumen erklärte uns Ken den Zusammenhang zwischen Mondzyklus und Pflanzenwachstum: Er hatte früher sehr viele Avocadobäume mit einem sehr großen Fruchtertrag, dann beschnitt er sie zum falschen Zeitpunkt, die Bäume wurden von Pilzen befallen und starben ab. Wenn man einen Baum jedoch im richtigen Mondzyklus beschneidet, wird er sehr ertragreich sein.

Ken gab uns einen Zweig mit Blättern, die man roh essen kann, die sehr proteinreich sind und wie Erbsen schmeckten. Abgeschnittene Zweige, wie beispielsweise der einer Zuckerrohrpflanze, kann man hier einfach wieder in den Boden stecken, sie werden Wurzeln schlagen und weiter wachsen. Dann zeigte er uns die Zuckerrohrpresse, die man zur Rumherstellung verwendet. Dabei wird ein 800 kg schwerer Baumstamm über das Zuckerrohr gerollt und der Saft fließt in einen Behälter ab. Weiter gingen wir zur Düngeanlage, in der das ganze Abwasser gesammelt wird, wo es 10 Tage lang luftdicht verbleibt, um mit Wasser verdünnt auf die Felder geleitet zu werden. Die Felder sind übrigens gemischt bepflanzt, das heißt es gibt keine Monokulturen. Wir gingen in den Wald rein, zu einem angelegten Teich, in dem Kaimane und Krokodilschnappschildkröten leben. Leider haben wir keine gesehen, da sie erst in der Dunkelheit rauskommen. Wir gingen weiter bis zu einem großen Käfig, der zurzeit leer steht. Dort werden manchmal Tiere gehalten, die ausgewildert werden sollen. Ken erklärte uns die Schlangenproblematik: Viele Menschen töten aus Angst einfach alle Schlangen. Damit wir in keine gefährliche Situation kommen und im Notfall richtig reagieren, beschrieb er, wie wir uns verhalten sollten. Prompt wurde er von Lennard unterbrochen, der ein Faultier in luftiger Höhe gesichtet hatte.

Unsere Tour führte uns weiter zur Futtertrocknungsanlage. Das sind Trocknungsbetten wie auf der Kaffeeplantage, auf denen nährreiche Blätter getrocknet werden. Diese schmecken so furchtbar, dass Bananen oder Zuckerrohr hinzugefügt werden müssen, um die Schweine zu überlisten, sie zu fressen. Zuckerrohr durften auch wir dann essen. Dieses hatten wir schon seit Dominica nicht mehr gegessen. Besonders Kathrin erfreute sich daran und schnabulierte es ununterbrochen. Wir sahen Ziegen und da diese noch keine Namen hatten, fragte Lotte Ken, ob wir ihnen Namen geben dürfen, was er erlaubte. Lennard schlug vor, die Ziegen nach uns zu benennen, aber niemand fand die Vorstellung von Ziege “Lennard“ besonders toll. Neben Ziegen und Hühnern leben auch Schweine auf der Farm, die wir gleich danach besuchten. Ken erklärte uns, warum es so praktisch ist, Tiere zu halten: Man verfüttert ihnen die Pflanzen und kann mit Tierverkauf viel Geld verdienen. Nach dem Mittagessen ging es auch direkt mit Adolfo zur Dschungeltour. Wir stapften durch knöcheltiefen Schlamm, wateten durch klare Bäche und vertieften uns so immer weiter in den Urwald. An einer Lichtung starteten wir die Drohne und sahen einen Affen. Auf dem Rückweg hörten wir ganz lautes Gebrüll, das von Brüllaffen kam.

Als wir zum Haus zurückkehrten, ging das Programm gleich weiter. Spontan kam ein Bekannter Kens zu Besuch, der eine Teil-Schamanenausbildung hat und jetzt als Anwalt für Indianerrechte arbeitet. In einer palmblätterüberdachten Hütte erklärte er uns die Bribri-Kultur und sang traditionelle Lieder, während ein Feuer brannte. Wir erfuhren, dass die Bribri an eine Welt mit neun Ebenen glauben, vier über der Erde und vier darunter, wohin die Seele entsprechend den Taten nach dem Tot wandert. Cibu, der Schöpfergott, lebt in der höchsten Ebene. Allgemein sehen die Bribri alles in der Welt nicht als Individuelles an, sondern sie sehen die Gesamtheit des Universums.

Nach diesem sehr interessanten Treffen gab es Abendessen (wer hätte das gedacht, es gab Reis). Da einige der Mädchen Magenkrämpfe haben, brauten sie sich aus einer Pflanze, die wir heute neu kennengelernt haben, direkt einen feinen Tee. Dieser wird wahrscheinlich, so warnte uns Ken, abscheulich ekelhaft schmecken, „aber Hauptsache die Plagen verschwinden“. (Lotte).

Der Rest des Tages bestand für mich aus dem Schreiben des Tagesberichtes und Johannes unterhaltsamen Erzählungen über seine Teilnahme an der High Seas High School Reise vor neun Jahren. So kam es, dass ich erst nach 12:00 Uhr schlafen ging.

Eure Alisa

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