Ocean College

From the Blog

Ein vergleichsweise sehr ruhiger Tag auf See

Autorin: Merle
Position: Nordatlantik
35°40.81 N 43°38.45 W

Heute Morgen bin ich mal wieder fünf Minuten vor dem Klingeln aufgewacht…. Schon irgendwie gruselig, dass das jetzt schon so seit zwei Wochen passiert… Naja, jedenfalls habe ich dann erstmal ausgecheckt, ob meine Zimmermitbewohner noch schlafen. Als ich feststellte, dass sie alle noch am Schlafen waren, drehte ich mich auch nochmal um und genoss 15 Minuten Ruhe.
Weil ich um 9:00 Uhr jeden Tag Unterricht habe, stand ich dann doch mal auf, weckte Mika und wir gingen hoch zum Frühstück. Ich machte mir erstmal eine Tasse Tee, da wir über Nacht die Luke offen hatten und unser Zimmer dadurch morgens immer ziemlich kalt ist…aber immerhin haben wir frische Luft und dafür würde man hier an Bord alles tun, weil die Kajüten sonst immer richtig stickig sind!

Aufgewärmt holte ich meine Geschichtsunterlagen und hielt einen Kurzvortrag über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Während Geschichte bekamen übrigens alle Schüler ihre Deutscharbeit über unsere Lektüre, Die Entdeckung der Langsamkeit, ausgeteilt, welche wir alle lesen sollten.
Nach den zwei Stunden gab es eine ganze Orange für jeden…das ist hier momentan etwas ganz Besonderes mitten auf dem Nordatlantik! Den Anspruch auf ein GANZES Stück Obst zu haben!

Mit genügend Vitamin C konnte danach auch der Chemieunterricht starten. Dort bekam meine Wache noch einen Test zurück, über das Thema Erdöl. Ich konnte den Chemieunterricht eine Viertelstunde früher verlassen, da ich schnell meine Aufgaben erledigt hatte. Somit konnte ich dann eigentlich schön passend Mika zum Mittagessen abholen… doch Mittagessen gab es heute dann doch erst um 14:00 Uhr. Also lag ich etwas hyperaktiv im Bett und unterhielt mich mit Nora und Mika, während ich auch noch nebenbei mein Bett aufräumte. Das muss, wenn man eh schon wenig Platz zur Verfügung hat, schließlich immer schön ordentlich und sauber bleiben.

Als es dann zum Mittagessen klingelte, lebten wir drei unsere hyperaktive Phase aus und rannten nach oben. Hier bekommt man ja nicht so viel Bewegung, also musste das echt mal wieder sein…auch wenn es nur die kurze Strecke zum Essen ist. Heute gab es Schnitzel mit Bratkartoffeln. Eigentlich ein ganz nettes Essen.

Nach dem Mittagessen habe ich in meiner jetzigen Wache immer bis 21:00 Uhr frei.
Weil Mika und ich ja wieder in einer Wache sind, konnten wir diese Freizeit, mit frischer Luft um uns herum, entspannt auf unseren Betten verbringen. Dabei philosophierten wir ein wenig über unser Leben und uns fiel auf, dass das hier jetzt grade mein letzter Tagesbericht ist. Schon erschreckend!
Ich meine, ich freue mich schon richtig auf meine Familie und Freunde, aber der Gedanke, dass das jetzt hier alles in dreieinhalb Wochen einfach so vorbei sein wird, ist schon krass. Ich finde diese Zeit kam einem gar nicht wie ein halbes Jahr vor. Auch der Gedanke, dass wir unsere Eltern zum Beispiel ein halbes Jahr nicht gesehen haben ist schwer vorstellbar. Nach den ganzen Überlegungen dachten wir, dass es ganz positiv sein könnte, etwas an die Luft zu kommen. Wir marschierten los aufs Vordeck und setzten uns in einen Knäul von Seilen rein und bekamen sogar noch ein wenig Sonne ab.
Weil wir vorne einen so schönen, angenehmen und ruhigen Platz hatten, aßen wir dann auch gleich unseren 16:00 Uhr Snack da.

Circa gegen 17:00 Uhr gingen wir eine kleine Runde schlafen, da wir heute Nacht bis 01:00 Uhr Wache haben. Als nächstes ließ ich mich wieder beim Abendessen blicken. Es gab wie immer Brot und eine Suppe. Ab Morgen haben wir jedoch kein Brot mehr, da ja unser Backofen kaputt gegangen ist. Deswegen wird morgen der Kapitän mit ein paar Schülern Pfannenbrot backen. Da bin ich mal gespannt wie das wird. Nach dem Abendessen wurden die nächsten paar Küchendienste von Chantal zusammengerufen, damit das Essensprogramm geplant werden kann. Hannah W. und ich wurden dazu auch gerufen, da wir uns beide zusammen als Köchinnen für die nächste Schiffsübergabe beworben haben. Ich denke, das wird ganz lustig, zusammen dann die nächsten Tage in der Küche zu stehen.
Als alle Tage durchgeplant waren, hängten Hannah W. und ich uns den Salzwasserschlauch in die Dusche und wir gingen duschen. Mit Salzwasser zu duschen ist zwar nicht die angenehmste Art und Weise, weil es kalt ist und man sich danach wegen des ganzen Salzes nicht viel frischer fühlt … aber die nächsten zwei Tage nicht duschen zu gehen, war für uns keine Option und das Wasser muss in Zeiten wie diesen, auf dem Nordatlantik ohne Wassermacher, gespart werden!

Kurz darauf setzten wir uns unten auf ihr Bett und redeten noch bis ich zur Wache gerufen wurde. Ich zog mir dann schnell etwas Warmes an, schnappte mir den Laptop und ging aufs Achterdeck.
Jetzt sitze ich hier im Steuerhaus und habe noch drei Stunden Wache. Das war also nun mein letzter Tagesbericht.

An meine Familie und Freunde: Ich freue mich schon sehr euch alle bald wieder in den Armen zu haben und hoffe es geht euch gut! Bis in dreieinhalb Wochen!
Eure Merle

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