Ocean College

From the Blog

Ein perfekter Abschluss für eine einmalige Reise voll mit Höhen und Tiefen

Autorin: Elena

Position: Ijmuiden, Niederlande

(52° 27,6´N 04° 33,6´E)

Ungewöhnlicherweise wurde ich heute von Johan geweckt mit den Worten: „Elena, Joe würde nach Amsterdam fahren und wenn du mit willst, dann schnell!“  Noch gar nicht richtig wach, realisierte ich überhaupt nicht, dass gerade einer meiner Träume wahr werden würde. Ich hatte mir soo sehr gewünscht nach Amsterdam zu kommen und immer wurde es mir bis jetzt verwehrt. Erst gestern hatte ich noch zusammen mit Charlotte eine kleine Debatte gegen Johan, da wir zwei unbedingt nach Amsterdam wollten, er uns aber nicht gehen lassen wollte. Als fünf Minuten später auch noch Charlotte an mein Bett kam und mich fragte, ob ich denn schon Johans „Friedensangebot“ gehört hätte, wusste ich, es ist wahr. Binnen 15 Minuten war ich geschniegelt und gestriegelt in der Messe, wo Joe schon geduldig lächelnd auf uns wartete. Charlotte schmierte uns noch schnell ein paar Brote für unterwegs und wir konnten losgehen. Es war frisch, doch unsere Vorfreude auf diesen Tag übertraf alles Negative.

Von uns dreien war noch keiner in Amsterdam gewesen, es konnte daher lustig werden dahin zu finden. Der Bus stand schon abfahrbereit in der Marina und durch unsere grandiosen Englischkenntnisse (zum Glück konnte die Busfahrerin ausgesprochen gutes Englisch) war das Problem des Tickets schnell gelöst. Nach einer halben Stunde Fahrt mussten wir an einer Art Bahnhof aussteigen. Unsere nächste Zugverbindung fanden wir auch nach kurzem Suchen. Im sogenannten „Sprinter“ fuhren wir eine Station ca. 10 Minuten und fanden uns im Amsterdamer Bahnhof wieder. Nach Verlassen des schönen Gebäudes fand man sich bei einem Kreisverkehr wieder und ich musste erstmal den Moment auf mich wirken lassen. Man sah einen Kanal, die wunderschönen typischen Häuser und gaaaaanz viele Fahrräder, von denen Joe erstmal ein Foto schoss.

Joe fragte uns, was wir uns gerne alles anschauen wollen und so starteten wir unseren Weg zum Anne Frank-House. Mit Hilfe von Google Maps und mehreren Verirrungen standen wir irgendwann davor, doch es war eine so lange Schlange, dass wir beschlossen uns mit dem Anblick von außen zu begnügen. Wir gingen weiter am Kanal entlang durch das wunderschöne Amsterdam. Neben Lissabon, Budapest, Hamburg und München, meiner Heimat, ist es für mich eine der schönsten Städte. So schlenderten wir durch die Straßen neben den Kanälen und uns ist aufgefallen, dass die Häuser alle sehr viele große Fenster haben, so dass man einfach z.B. in Wohnzimmer oder Küche gucken könnte. Charlotte erzählte uns, dass Stephie ihr erzählte, dass die Menschen hier gar kein Problem damit haben, so beobachtet zu werden. Wir besichtigten eine kleine Shopping Mall, die in einem alten – wahrscheinlich ehemaligen Marktgebäude – sanierten Gebäude war. Joe war ein wunderbarer Begleiter. Er sagte, dass wenn wir in einen Shop wollen, es nur sagen müssten. Er wartete geduldig vorm Eingang und wunderte sich, dass wir immer wieder so schnell zurück kamen und nichts gekauft hatten. Hier in Amsterdam haben die Leute einen bunten, ausgefallenen Kleidungsstil, mit dem sich Charlotte nicht wirklich anfreunden konnte.

Als wir am Dam angekommen waren, staunten wir nicht schlecht, als wir den Royal Palace entdeckten. Auf Joes Vorschlag hin beschlossen wir uns den Palast mal näher anzuschauen. Glücklicherweise war der Eintritt für unter 18-jährige frei. Garderobe und Audioguide inklusive. Für Joe betrug der Eintritt 10 Euro. Der Palast ist ein echtes Prachtwerk. Wände aus Marmor mit aufwendigen Statuen und detailreichen Verzierungen, Decken und Bodengemälde im Festsaal,  in den anderen Räumen Wandgemälde, aus teuren Stoffen Teppiche und Gardinen, dazu feinstes Mobiliar und dazu eine interessante Audioguidetour per Stationenprinzip. Wir machten nicht die gesamte Tour, doch wir bekamen auch so einen guten Einblick in die Geschichte des Palastes und der Stadt.

Als wir wieder auf dem Dam standen, ein riesiger Platz vor dem Palast, waren wir schon ziemlich hungrig, denn es war ja auch schon 13:30 Uhr. Joe fragte uns, was unser Lieblingsessen sei, und da Charlotte, anders als ich, etwas Konkretes nannte, nämlich Indisch, war unser Mittagessen schnell ausgewählt. Joe suchte ein indisches Restaurant in der Nähe und nach fünf Minuten fanden wir uns in einem kleinen indischen Restaurant wieder. Ich hatte Bedenken, dass mein Budget reicht, da ich nur noch zehn Euro hatte, doch Joe war so freundlich und sagte, dass es kein Problem für ihn sei, mir etwas zu leihen (Zitat: „Order whatever you want, darling!“).  Nach einem ausgesprochen guten und vor allem ausreichenden Essen, ging es weiter. Leider hatte es angefangen zu regnen, doch wir setzten unsere Stadttour fort. Durch Seitengassen ging es weiter, wieder Richtung Bahnhof, da Charlotte kalt wurde, wir jedoch noch nicht abbrechen wollten.

Etwas später hörte der Regen dann auch auf und wir gingen noch in einen Souvenirshop, wo Charlotte und ich uns interessant bedruckte Socken kauften, und in einen Käseladen, den Joe lustig fand.

Gegen halb sechs machten wir uns letztendlich doch Richtung Heimat auf – nach sieben Stunden Stadtbesichtigung langte es uns auch und wir waren ziemlich erschöpft. Glücklich und zufrieden saßen wir wieder im „Sprinter“ und erreichten noch in der letzten Sekunde den Bus zur Marina. Dieser setzte jedoch alle Passagiere zwei Kilometer vor der Endstation aus und da wir nicht eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten wollten, liefen wir den Rest. Wir kamen genau zeitgleich mit dem Bus an der Marina an – da hat sich das Laufen ja gelohnt.

In der Marina trafen wir auf Emma, Lotte, Nora und Paula, die sich ein Eis gegönnt hatten, nach der Sportbootführerschein-Prüfung. Sie erzählten uns, dass elf Leute durchgefallen sind, da war ich gleich froh, dass ich sie nicht gemacht hatte.

Als ich an Bord kam, waren nur Simon, Hannah H., Mika und Wanda aufzufinden. Der Rest war an Land. Da es kein Abendessen gab und Mika und ich Appetit auf Pizza hatten, machten Mika, Charlotte, Wanda und ich uns auf den Weg zur Marina. Johan war so freundlich und gewährte uns eine halbe Stunde länger Landgang, da es sonst zu knapp geworden wäre.

Leider fanden wir die Pizzeria nicht, sondern stattdessen einen Imbiss. Mika zeigte sich sehr spendabel und wir teilten uns ein Kids-Menü (Pommes, Hähnchen und ein Getränk) auf ihren Nacken 😉

Wir aßen am Strand und unterhielten uns darüber, wie wir uns in zwei Jahren sehen. Es war ein sehr vertrauter Moment. (Ich glaube, an diesem Punkt muss ich Grüße an Mika und ihre Eltern rausschicken, denn wir saßen an jenem Strand, an dem sie zusammen ihr Abschiedsfoto aufnahmen. Hab dich lieb Miki!)

Als wir wieder zurück gingen, sahen wir zwei Gestalten, eine männliche mit OceanCollege-Ölzeugjacke, die andere ein Mädchen ohne, entfernt in einer Ecke sitzen. Auf einmal sagte Wanda: „Das ist May!“ Es dauerte einen Moment, bis es in meinem Kopf schaltete….May ist da….es klang so unwirklich, so unscheinbar….es kann gar nicht sein….doch da sah ich schon, dass sich das Mädchen auf uns zubewegte und da realisierte ich, dass es wahr ist! Sie ist wirklich hier! Ich konnte mein Glück gar nicht fassen und automatisch fing ich an zu rennen, direkt auf sie zu…bis in ihre Arme. Es war so wunderschön sie zu sehen. Sie sagte uns, dass sie eigentlich als Überraschung für morgen Abend geplant war. Da ertönte ein lauter langer Ruf: „Maaaaayyy!!!“. Es war Leon, der vom Strand auf uns zugestürmt kam. Natürlich war er nicht allein. Sozusagen war Johans Überraschung geplatzt.

Da Mika, Charlotte, Wanda und ich uns eigentlich ein Eis kaufen wollten und May jetzt eh anderweitig beschäftigt war, setzten wir unseren Weg zum Supermarkt fort. Unglücklicherweise hatte dieser schon zu, doch die Besitzer von Supermarkt und Imbiss, die direkt nebeneinander lagen, unterhielten sich noch vor ihren Läden. Wir wirkten ganz enttäuscht und erklärten den Besitzern unsere Situation. Wir hatten es mit sehr freundlichen Menschen zu tun und sie ließen uns kurz in den Supermarkt, damit wir uns ein Eis aussuchen konnten. Es war sehr nett von den beiden und das Eis war echt lecker. Das hatte noch gefehlt zu diesem perfekten Tag. Gegen halb neun machten wir uns alle wieder zurück zum Schiff.

An Bord gesellte ich mich dann zu Merle, Hannah W., Dominik und Ben, bis mich Charlotte daran erinnerte, dass ich noch die Messe putzen muss. Ich machte mich gleich daran und während ich beschäftigt war, kamen Kathrin und Chantal zurück und präsentierten uns stolz ihre neuen Tattoos.

Nachdem ich fertig war, zündete Nico seine Rosenduftkerzen an und spielte Musik ab. Ich saß noch ein bisschen bei den Briefeschreibenden in der Messe und ging nach einiger Zeit in meine Koje, um noch eine Folge „Game of Thrones“ zu gucken. Danach hinterließ ich noch eine kleine Botschaft auf Merles Lappi, den ich mir schon seit ein paar Tagen ausgeliehen hatte. Um halb vier schaute ich nochmal in der Messe vorbei und ein paar waren immer noch wach. Ich unterhielt mich noch etwas mit Nico und schlief dann in den frühen Morgenstunden ein.

Mein Schlusswort geht dieses Mal etwas länger. Zuerst möchte ich mich bei allen bedanken, die immer unsere Tagesberichte so fleißig lesen und sich dafür interessieren was bei uns so passiert. Ich hoffe ihr habt Spaß beim Lesen und wir konnten euch einen guten Einblick in unseren Alltag an Bord geben.

Mein nächster Dank geht an alle, die Ocean College überhaupt möglich gemacht haben. An alle Organisatoren, die Crew, die Lehrer, Die Eltern und natürlich die Schüler.

Als nächstes möchte ich meinen Leuten zu Hause danken. Meiner Familie, die mich von Anfang bis Ende unterstützt hat und meinen Freunden, die zu Hause für mich die Stellung hielten. Ganz besonders Leila, die sich um meinen ganzen Schulkram gekümmert hat.

Und ganz zum Schluß noch ein paar Sätze an die Schüler: Wenn ihr jemals diese Tagesberichte lest, dann denkt an die geilen Momente, die wir zusammen erlebt haben.  Die Höhen und die Tiefen. Unser Gelächter und unsere Tränen. Erinnert euch an die unfassbare Zeit, die wir zusammen gemeistert haben. Ich hoffe ganz doll, dass wir sehen uns schnell wieder sehen! Kommt gut in eurem neuen Leben an und lasst uns einander nie vergessen.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich und wünsche euch eine gute Nacht.

Eure Elena

 

1 comment

  1. LeonB - 19. April 2018 12:17

    Hi Elena, HI Charlotte, hi OCies und Eltern,

    Der Tag beginnt schrecklich, es fehlt was in meinem Tagesablauf ohne Eure Tagesberichte. Deshalb Danke für diese letzten, schönen Berichte. Wir sind hier komplett auf „cold turkey“ bzgl. Ocean College und der Regina… aber Moment, es ist wie früher, jugendliche Schmutzwäsche häuft sich, das Bad ist stundenlang belegt und die Kinderschokolade verschwindet ständig auf magische Weise. Ahhh, das Kind ist endlich zurück aber irgendwie direkt auf die “ Werkseinstellungen “ zurückgefallen.
    Auch wenn es Euch bestimmt noch schwerfällt in Euren regulären Alltag zurückzukehren und Ihr großes Fernweh nach Euren Kojennachbarn und Wachkollegen und Eurem Schiff habt ist es für uns Eltern einfach wunderbar wieder Lärm im Haus zu haben, Euch Lachen zu hören aber vor allem Euren Geschichten zu lauschen.
    Ich habe die Befürchtung, dass Eure Reisekosten nach Berlin, Frankfurt, HamburgMünchen, Husum und Luxemburg in den nächsten Jahren, die Kosten der Ocean College Reise überschreiten werden und ihr ständig unterwegs sein werdet.

    Wir wünschen Euch allen, das die geknüpften, tiefen Freundschaften Euch ganz lange begleiten werden und die auf dieser Reise für die Zukunft gefasste Ziele und Träume in Erfüllung gehen.

    Lasst Euch nicht von Exponentalfunktionen und dem normalen Wahnsinn des Alltags einschüchtern, Ihr habt gelernt, Euren Kurs selbst zu bestimmen und die Segel zu setzen. Und falls doch ne fette Welle kommt, angurten und festhalten, irgendwann ist der Sturm vorüber.

    Euch allen einen lieben Gruß, auch an alle Eltern, natürlich auch an das OC Team,passt gut auf Euch auf und bis bald !

    Over and out

    Petra Bäzner & Andreas Moos. (Leon)

    P.S. Extra fettes Danke !! an Johan, der wohl verdientermaßen noch ein Weilchen „offline“ bleibt. Genieß die Ruhe und die eigenen Kinder…

    .

    Antworten

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: