Ocean College

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Feuchtfröhlicher Wellengang

Autor: Leon Bäzner
Position: Karibisches Meer
(11°28.2 N 75°27.2 W)

Verschlafen kroch ich gegen 07:50 Uhr aus meinem verschwitzten Bett. Ich wurde vom leisen Heulen des Windes geweckt, der draußen gegen das Segel blies. Noch etwas neben mir betrat ich die Messe und machte mir Frühstück. Ich war froh, dass die Schwellung an meiner rechten Gesichtshälfte zurückgegangen war und der Schmerz auch allmählich zurückgeht. Ich hatte nämlich eine Ohrenentzündung. Dank Ibuprofen und Antibiotika war es mir aber möglich, in Ruhe zu schlafen. Da man im Bett liegen muss, wenn man krank ist, hatte ich genug Gelegenheit, um in Ruhe zu lesen. Heue fiel meine Wahl auf das Buch Der Schwarm von Frank Schätzing. Ich war gerade auf Seite 140 angekommen, als ich von Sietse an Deck gerufen wurde. Er meinte es wäre klüger, wenn ich mal frische Luft schnappen würde. Obwohl ich lieber im Bett geblieben und weiter gelesen hätte, willigte ich ein. Ich bekam eigentlich in meinem Zimmer genug frische Luft, aber man wiederspricht nun einmal nicht seinem Wach-Offizier. Ohne Diskussion ging ich nach oben und nahm mir ein Fernglas. Das Schöne am heutigen Backbordausguck war, dass man durch das Segel vor der brennenden karibischen Sonne geschützt war. Ein Schiff sah ich nicht, nur den endlosen Horizont, an dem ab und zu eine höhere Welle knabberte.

Gegen Nachmittag hatte der Küchendienst für alle leckere Brownies gebacken. Immer wenn Tobias B. in der Küche steht, kann man sich auf ein leckeres Gericht freuen (schade das er nicht öfter kocht).

Die Wellen wurden am frühen Abend immer höher. Manche schwappten über die Reling aufs Deck. Das Dinghi, das wir außenbords aufgehängt hatten, schlug öfters gegen die Starken und den Rumpf. Um 18:00 Uhr hatte ich zwei Stunden Unterricht in Wirtschaft bei Falco. Falco war auf Curacao zu uns gekommen und ist im normalen Leben ein Dozent in diesem Bereich. Der Unterricht bei ihm war, trotz des Wellenganges, der regelmäßig sämtliche Unterrichtsmaterialien vom Tisch fegte, sehr aufschlussreich. Just in diesem Moment fuhr eine Welle über die Reling und schickte einen Schwall Wasser durch meine Luke. Das Wasser brachte einen Mehrfachstecker zum Rauchen und mein Bett, mit samt den Büchern darauf, ist klitschnass. Ich glaube ich beende meinen Tagesbericht jetzt, denn es muss sich um mein Zimmer gekümmert werden, in dem das Wasser etwa 5 cm hoch steht.

Feuchtfröhliche Grüße nach Deutschland und Luxemburg,

Euer Leon

3 comments

  1. LeonB - 29. Dezember 2017 11:12

    Hallo Leon,

    ach Du liebe Zeit, das „Kind“ ist wirklich krank, es LIEST und widerspricht NICHT, armer Schatz, Du steht ja komplett neben Dir, gebt ihm was gegen das Fieber……

    Gut zu hören, dass es Deinem Ohr besser geht und Dank an alle, die Dich betütelt haben.

    Da Ihr nun die paradiesischen San Blas Inseln ansteuert, werden wir uns an Deinem 17.Geburtstag am 1.1. vielleicht nicht hören. Deshalb wünschen wir Dir einen phänomenalen Geburtstag und Euch allen einen perfekten Start in 2018. Genießt den 2. Teil Eurer Reise und packt Eure Erfahrungskiste voller Schätze !

    Ganz viele Drücker und Knutscha

    Mama und Papa und der Rest der Mischpoke

    P.S.1 Wir haben eine Schiffsglocke zu Weihnachten bekommen, mal schauen ob dass dann ab April auch zu Hause funktioniert mit dem Apell „all Hands“ .. dass wir da nicht schon früher draufgekommen sind..

    P.S.2: Hoffen, das Dein Geschenk die Überfahrt trotz Hitze und Seegang gut überstanden hat..

    Antworten
  2. christiane goerens - 29. Dezember 2017 13:37

    Danke für die Grüsse nach Luxemburg Leon wir grüssen im Schmuddelwetter zurück !

    Antworten
  3. Peter - 1. Januar 2018 16:17

    Hallo Leon, eure Reiseberichte lesen sich sehr schön. Lustig fand ich Deine Kojendusche. Ich glaube, wir hatten das auf vorangegangen Toerns die Lukenproblematik schon mehrfach besprochen. Ich freue mich schon mit Dir wieder segeln zu gehen. Wir wünschen Dir zum Geburtstag alles Gute und der Mannschaft ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

    alles Gute

    Anne & Peter

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