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I’m dancin’ in the rain, I am dancin’ in the rain

Autorin: Hannah H.
Position: St. Georg, Bermuda Islands
(31° 36,8 N 66° 50,3W)

Liebe Emmi,
vielleicht kannst Du es Dir nicht so wirklich vorstellen, wie anders unser Bordalltag im Vergleich zu Deinem langweiligen Leben ist, aber mein heutiger Tag hilft Dir ein bisschen mehr, das zu verstehen. Was noch relativ gleich ist, ist, dass ich um 09:00 Uhr morgens von Inga geweckt wurde, indem sie uns mitteilte, dass es schon so spät wäre. Das erinnert mich manchmal sehr daran, wie wir morgens von Mama geweckt werden.

Da ich keinen Unterricht am Vormittag habe –was sehr entspannt ist- bin ich in meiner langen Winterschlafanzughose und dem Wienpulli nach oben gegangen und habe mir irgendein komisches Brot mit Frischkäse gemacht. Du isst wahrscheinlich jeden Morgen irgendwelche Cornflakes mit Milch. Hätten wir hier auch im Angebot. Nachdem ich kurz oben auf einer Bank auf dem Achterdeck die frische, verregnete bermudäische Luft genossen hatte, habe ich mich wieder in mein Bett verkrochen.

Das Wetter hier erinnert mich zwischendurch ans Skifahren, wenn wir aus der Sömi-Bar wieder nach draußen gegangen sind und einem ein kalter, schneeiger Luftzug entgegenweht, aber auch an das kalte, schmuddelige Novemberwetter, wo wir mit unseren Werwölfen durch die Halle gehen und uns vor den Kamin legen.

Den Regen immer noch auf unserer verschlossenen Luke hörend, habe ich mich unter dem Soundtrack aus dem Film ‚Die fabelhaften Welt der Amelie‘ meinem Tagebuch gewidmet. Ich bin, wie manchmal mit meinen Hausaufgaben zu Hause, so ungefähr 23 Tage zurück. Immerhin konnte ich in einer Stunde die letzten Tage aus Mexiko nachtragen, bis Chantal reingekommen ist und gefragt hat, was Paula und ich heute vorhaben. Nachdem wir ein paar Mal falsch geraten hatten, kamen wir endlich darauf, dass wir einkaufen gehen sollten. Also hielten wir uns bereit, um so bald wie möglich losgehen zu können.
Kurz danach kam Charlotte ins Zimmer und sagte, dass Emma und ich uns fertigmachen sollten, um für den Sportbootführerschein zu üben. Ich würde sagen, die Kommunikation läuft bei uns. Also bin ich schnell die Treppen hochgerannt und habe das draußen mit Wessel, Chantal uns Sven geklärt. Dabei ist herausgekommen, dass wir erst morgen um 15:00 Uhr mit einem Team von der Thalassa einkaufen gehen werden. Eins musst du hier von den Bermuda Inseln wissen: Alles ist sauteuer. Stell dir mal vor, eine Ritter- Sport- Schokolade kostet 4,30 $, aber wenigstens gibt es hier Schokolade!

Das hieß: Wollsocken anziehen, Ölzeughose überziehen, hochgehen und mit geschlossener Regenjacke in die ekligen Wassertropfen raus. Dort hat bereits Wessel, mein echt netter und lustiger Wachoffizier, ein paar wichtige Dinge zum Dinghyanlegen- und ablegen aufgezeichnet gehabt. Ist echt ein bisschen wie beim Autofahren, aber ich glaube, dass Mama und Papa deutlich besser unsere Oldtimer einparken können, als ich das Beiboot wieder an die Regina Maris. Mal sehen wie wir uns bei unseren Führerscheinen in ein paar Jahren anstellen werden.

Emma und Elli, die vor mir dran waren mit üben, sind mit mir die letzte Runde gefahren. Als uns Wessel gerade zeigen wollte, wie man richtig anlegt, ist der Motor mal wieder abgesoffen und wollte nicht mehr anspringen. Der Wind war auch nicht mit uns und dann sind wir abgetrieben. Immer weiter und weiter. Und der Motor wollte immer noch nicht anspringen. Jonas hat uns gerettet und hat uns wie so einen kleinen Hund hinter sich her Gassi, also eher gezogen, als geführt. Dann konnten wir uns an unserem Tau entlang an unseren Anker ziehen. Jonas musste erst über die Thalassa auf unser Vordeck laufen, bis er den niederländischen Regina Maris-ADAC spielen konnte. Letzen Endes sind wir drei plitschnass in der Messe gelandet. Das war so ein Gefühl wie früher im Versorgungsweg, wenn wir aus dem Regen wieder in unser Wohnzimmer gegangen sind und wir von Papa ins Bett gebracht wurden. Nur das du und Papa hier nicht auf den Bermuda Inseln seid.

Dann habe ich mich noch an unser Geo-Tagebuch gesetzt, weil das doch ganz leckere Mittagessen ein wenig verspätet kam. Aber der Rekord von gestern mit dem verspäteten Mittagessen wurde nicht gebrochen. Als ich ein paar Informationen über Kuba und Bermuda aufgeschrieben hatte, habe ich mit Emma, Nora, Paula und Lotte an Nudeln mit scharfer Tomatensoße gegessen. Ja und oft vermisse ich es, wie wir uns zu Hause einfach mal Nudeln mit Ketchup und Pizza- Käse kochen. So was geht hier nicht so einfach.

Um 14:00 gab Sebastian uns Bayern und Paula Mathe- Unterricht. Ja und ich mag Mathe eigentlich nicht, aber hier ist der Unterricht so entspannt und wir können uns mit Sebastians Hilfe alles selbst erarbeiten. Heute hat Sebastian sogar Geschichten aus seiner Oberstufenzeit ausgepackt. Du hättest heute auch Spaß gehabt, da es echt wie in München war. Verregnetes Wetter, Kakao für alle und ein echt schönes (fast familiäres) Gefühl in der Luft.

Dann sollte ich meinen Mädels Bescheid geben, weil wir in die Stadt wollten, um ins Internet zu kommen. Also machten wir uns alle fertig, mit voller Montur an Regenzeug, und gingen unter strömenden Regen zusammen an Land. Dort sprangen wir natürlich erstmal in den See, der direkt vor uns lag. Auf dem Weg zu einem Eisladen sind wir durch Pfützen gesprungen und hatten sehr viel Spaß. Manchmal fühlt es sich so an, als wärst du auch dabei.

Wir sind erst in den Supermarkt gegangen, um einmal ein bisschen europäischen Standard zu genießen. Du hast das jeden Tag. Einfach nur mit dem Radl zum Edeka fahren und sich irgendwas Günstiges kaufen. Deshalb war danach im Eiscafe der Brownie, der wirklich pornös (entschuldig für diesen Ausdruck) war, für 3,50$ pure Gönnung. Ich habe Amo dann erreicht und mit ihr über die Reise und die pinken Strände von Bermuda getratscht, die ich bis jetzt noch nicht gefunden habe, aber ich habe auch noch nicht angefangen zu suchen.

Um sechs habe ich angefangen den Tagesbericht zu schreiben, nachdem Kathrin mich mit den Worten empfing: „Du Hannah, du hast heute Tagesbericht.“ Während des Abendessens habe ich mich mit Basti unterhalten und nach der Ansage von Johan hat mich Paula genervt, indem sie die ganze Zeit irgendwelche Buchstaben auf der Tastatur getippt hat und ich habe versucht, das undefinierbare Zeug wieder zu löschen. Man kennt das Spiel ja dann doch irgendwo her.

Dann ging es nochmal an Land, aber diesmal nur mit Lotte, Paula und Emma. Ich musste unser elektronisches Zeug schützen, indem ich wie ein Packesel, alles in einem Jutebeutel mit Plastiktüte drin um meinen Hals gehangen habe. Ich war ein Buckelfips, nur andersrum. Begleitet durch Windstärken von 25 Knoten sind wir zu unserem Lieblingsspot in St. Georg, dem Café, gegangen und haben uns mit dem WLAN verbunden. Ich sag dir, mein kleiner Fettsack, so freies Internet ist echt Luxus auf dieser Reise.

So gegen zehn frischte der Wind auf und der Regen goss nur so aus Kübeln. Da wir um 22:30 wieder an Bord seien sollten, sind wir so langsam zurückgegangen. Nein, genau genommen, sind die drei vorgelaufen und ich bin ganz entspannt und (noch) trocken mit dem Elektronikzeug hinter her gewatet. Durch die reißenden Flüsse, die mir in den verlassenen Gassen von St. Georg entgegenflossen. Ich fühle mich hier echt manchmal wie im 18. Jahrhundert in einem Sklavenfilm, weil alles sehr moderat und relativ altmodisch ist. Die ganzen Villen hier würden dir sehr gefallen.

Mit Footlose und Zoomania nebenbei habe ich mit Wanda den Bericht weitergeschrieben. Zwischendurch sind wir rüber zu School at Sea und haben uns mit denen unterhalten. Jetzt gleich muss ich noch unten den Gang putzen und theoretisch gesehen ist jetzt schon der neue Tag, aber wir sind immer noch wach. Wenn ich jetzt zu Hause wäre, läge ich bestimmt in meinem Bett mit meinem Handy und wäre auch noch wach. Mit der Aussicht, dass ich morgen Vormittag vielleicht einmal mit dir telefonieren und zumindest bis neun Uhr ausschlafen kann, kann ich dann so in einer halben Stunde ins Bett gehen.

Viele Grüße an alle die das lesen und wir zählen hier alle, wie ihr in Deutschland (und Luxemburg) bestimmt auch, die Tage, aber genießen auch trotzdem jeden Tag wieder aufs Neue.

P.S.: Der Blogeintrag war doch sehr persönlich, aber ihr habt zwischen den Zeilen bestimmt herausgelesen, wie der heutige Tag war: sehr windig, regnerisch, aufregend und mit vielen neuen Erfahrungen.

Eure Hannah H

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