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In Zukunft keine Zeugnisse mehr?

Von: Johan Kegler

Nachdem ich im letzten Bildungsblog über einen Blogartikel aus Finnland geschrieben hatte, in dem ich die Vision einer fächerlosen Schule aufgriff, geht es heute um etwas noch Konkreteres: Die Abschaffung von Noten und Zeugnissen.

Als Lehrer bin ich mit Noten beinahe täglich konfrontiert und mit Zeugnissen meist mit ziemlich viel Hektik am Ende eines jeden Halbjahres. Und entsprechend meiner Erfahrung damit bin ich mit grosser Begeisterung über diesen Artikel gestolpert, immerhin aus der FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/wert-von-zeugnissen-auf-arbeitsmark-sinkt-14576046.html

Dort heisst es etwa: Mieses Zeugnis? Kein Problem! Viel wichtiger ist das Ergebnis bei einem Test, den alle absolvieren müssen: 30 Minuten Online-Quiz von zu Hause aus geben den Personalentscheidern erste Einblicke: Ist der Bewerber sozial kompetent? Ist er motiviert und integer? Wie viel Fachwissen hat er? Eine der Fragen lautet zum Beispiel: „Ein Kollege bittet Sie kurz vor Feierabend um Hilfe. Wie reagieren Sie?“ Dazu gibt es dann verschiedene Antworten, deren Zutreffen oder Nicht-Zutreffen der Bewerber in einem Multiple-Choice-Verfahren einschätzen soll. Das Abschneiden in diesem ersten Test entscheidet über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.“

Sicherlich muss es eine Leistungsbewertung geben, allerdings sollte auch diese, ähnlich wie bei der herkömmlichen Unterrichts- und Fächergestaltung, nicht alle zu Bewertenden mit den gleichen Instrumenten bewerten. Entsprechend liest man in dem Artikel weiter: Zeugnisnoten sagen einiges, aber nicht alles. (…) Und manchmal sagen sie nicht das aus, was gerade gebraucht wird.“ Zum Beispiel, ob jemand zuverlässig sei, sich konzentrieren könne, oder auch, wie gut er räumlich denken kann. In jedem Unternehmen seien „Dinge gefragt, die in Schule oder Hochschule nicht gelehrt werden können“. Einige Unternehmen gingen deshalb vermehrt dazu über, als Erstes die Kompetenzen der Bewerber zu testen und die Zeugnisse erst im zweiten Schritt abzufragen.“

Ich wage zu behaupten, dass wir bei OceanCollege diese drei genannten Kompetenzen Zuverlässigkeit, Konzentration und räumliches Denken sehr gut werden beobachten können. Entsprechend gibt es bei uns zwar auch ein Notenblatt, damit die Schüler im System zu Hause auf kompatible Weise belegen können, welches Fach sie mit welchem Ergebnis belegt haben, als mindenstens genauso wichtig erachten wir aber auch unser Projektzeugnis. In diesem werden wir so genau wie möglich die Kompetenzen der Jugendlichen beschreiben und dafür auch die Beobachtungen während der Reise verarbeiten.

Wir glauben, dass die Ziffern 1 bis 6 nicht annähernd die Fähigkeiten eines Menschen adäquat beschreiben können, sondern vielmehr zu einem Schubladendenken und vor allem auch an dieser Stelle zu sinnloser Konkurrenz zwischen den Schülern führen. Und es schliesslich auch dem Lehrer zu einfach machen, der nie wirklich detailliert die Fähigkeiten eines Schülers / einer Schülern beschreiben muss.

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