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Mein letzter Tagesbericht am wohl besten Küchendienst der Reise

Autorin: Lotte
Position: Nordatlantik
N 36° 43,9 W 38° 37,6

Streng genommen begann mein Tag heute um 01:00 in der Nacht, als Paula zu ihrer Wache geweckt wurde und sich dann in ihre Ölzeughose zwängte. Aber erstens bin ich das mittlerweile total gewohnt und schlafe innerhalb von Sekunden wieder ein und zweitens könnte ich ihr nicht böse sein, weil sie immerhin vier Stunden im Kalten auf dem Achterdeck hocken muss, während ich gemütlich weiterschlafe.
Obwohlgemütlich weiterschlafen? Als nächstes wurde ich in einer Halbschlafphase von Wanda geweckt, die dachte, dass ich ganz wach bin und mir daraufhin unbedingt ein Lied zeigen wollte, dass sie neu auf Paulas IPod entdeckt hatte. Ich erklärte ihr mehr oder weniger freundlich, dass ich doch lieber erstmal weiterschlafen möchte, weil ich Küchendienst habe.
Um diesen Dienst dann um 07:00 gemeinsam mit Nico und Emil auch anzutreten, weckte mich Hannah dann um 06:45 mit ein paar Stückchen Orangen von gestern, die Paula sie und ich (wir sind mit Wanda in einem Zimmer) uns zum Glück aufgehoben hatten.
Die 05:00 bis 09:00 Wache hatte glücklicher Weise Pfannenbrot gebacken, dass sehr lecker schmeckte und auch eine wunderbare Lösung für unser Ofenproblem war. Als ich es genüsslich probierte und versuchte, es mit irgendetwas von zu Hause gleichzusetzen oder zu vergleichen, begegnete ich Emma, die eine der ersten beim Frühstück war und ich machte eine Quatschpause.

Gestern haben Emil, Chantal und ich unseren gesamten Küchendienst durchgeplant, weil wir beim letzten Mal wirklich unglaublich versagt hatten. Wir hatten kaum Ressourcen und wollten unbedingt Maultaschen machen. Kurzum: Wir haben alles dreckig gemacht, die Maultaschen sind zerfallen und es gab zwei Stunden zu spät essen. Dieses schmeckte dann zwar eigentlich doch ganz gut, weil wir mit Hilfe von Kathrin improvisierten, aber ich wollte trotzdem nicht, dass sich sowas nochmal wiederholt.

Zum 11:00 Snack gab es Ananas und Apfel- ein ziemlicher Luxus. Kaum war der Snack serviert, begannen wir auch schon mit dem Mittagessen. Wir waren sogar das erste Mal so vorausschauend gewesen, den Reis direkt beim Frühstück aufzusetzen, weil das Wasser erfahrungsgemäß auch mal erst nach drei Stunden kocht. Während ich Gemüse schnippelte, stibitzten sich Nora und Wanda ein paar Paprikastückchen und unterhielten mich. Den Reis verarbeiteten wir zu Reis mit Hackfleisch und Mais, nach dem Rezept von Emils Mama, und zu Tomatenreis mit Gemüse für Vegetarier, zu denen ich seit neuerem auch gehöre. Das Ganze sollte letztendlich eine Grundbasis für eine Wrapfüllung werden. Ich muss vielleicht erwähnen, dass ich keine wirkliche Meisterin in der Küche bin und leider auch ziemlich chaotisch und deshalb frühzeitig gestresst beziehungsweise am Ende bin, aber diesmal hatte ich richtig Spaß. Es ging zwar öfter Mal Reis auf die Herdplatte und Emil behauptete, ich würde ihn immer gleich mitsalzen. Oma, du würdest tadelnd den Kopf schütteln, hättest du mich gesehen. Naja, ich bin auf jeden Fall immer noch hochbegeistert und glaube, dass ich das Rezept auch mal zu Hause kochen könnte. Emil und Nico freuten sich stattdessen über die Unmengen von Hackfleisch, neun Kilo um genau zu sein! Heute sollte es endlich mal genug für alle geben. Und das war es am Ende auch. Die meisten aßen zwei Wraps und manche einen dritten. Basti vertilgte neun!

Der Abwasch ging mit dem Aufräumen auch noch überraschend schnell- wir brauchten ungefähr eine Stunde. Ich weiß noch, wie wir am Anfang der Reise mal gut vier Stunden für die gleiche Menge Geschirr gebraucht haben. Wir waren so ungewöhnlich schnell, dass wir uns sogar eine Stunde Pause bis zum 16:00 Snack gönnen konnten, in der ich Biohausaufgaben machte. Gestern Abend haben Kathrin und ich schon gefrorene Bananen gestampft und mit Milch vermischt, sodass wir den, über Nacht zu mega leckerem Eis gewordenen, Snack nur noch aus dem Freezer auf dem Achterdeck holen mussten. Das Ganze dann austeilen, abwaschen und fertig. Das Gute am Küchendienst ist das verkosten, was mich dazu brachte, solche Mengen geschmolzenen Resteises zu trinken, also Bananenmilch, dass ich Halsschmerzen davon bekam- ich genoss es wirklich und war rundum glücklich. Auch Paula, Hannah, Wanda und Nora lobten mich und Emma holte sich ein zweite Portion Erdbeereis, dass wir auch noch zusätzlich aus der Erdbeermilch von unserem letzten Küchendienst gezaubert hatten. Ich quatschte ein bisschen mit Lennard und Ben, als wir bemerkten, dass eklige Massen an Öl auf dem Boden ausgelaufen waren. Also holte ich Schrubber und Abzieher vom Achterdeck und machte mich an die Arbeit.
Diesmal machten wir ohne Pause direkt weiter mit dem Abendessen vorbereiten. Früher gab es immer nur Brot mit Aufstrich und vielleicht Suppe. Da unser Ofen aber ja kaputt ist, hat sich das mit dem Brot bis auf die Azoren wohl erledigt. Wir machten Nasigoreng und Tomatenreis aus den Resten und ich glaube, es waren alle sehr zufrieden mit unserer Arbeit.

Weil Nico mit Turbogeschwindigkeit abwusch, Emil abtrocknete und die ranzige Schneidemaschine cleante, kümmerte ich mich um die Wäsche und fing schon mal an den Großteil zu putzen. Dann schrieb ich noch eine kleine, liebe Nachricht an die Nachtwache, die ich auf die Reste von heute legte (Pfannenbrot, Hackfleisch, Tomatenreis und Erdbeereis), damit sie wissen, was sie essen dürfen. Und ich glaube, wir haben den Rekord gebrochen, indem wir kurz vor acht fertig waren und Chantal die Küche fertig auf Sauberkeit überprüft hatte!

Ich glaube, ich werde mich zu Hause nie wieder vor irgendwas ekeln, ich war mittlerweile schon so ranzig! Soße auf dem typischen Stop-Micro-Waste-Shirt, das jeder zum Küchendienst anzieht, aufgeweichte Hände, Zwiebeldämpfe in den Haaren und überall klebt Reis.
Deshalb hüpfte ich schnell in die Dusche, wo wir mittlerweile den Salzwasserschlauch durchs Fenster hängen haben und jetzt fühle ich mich eingekuschelt und sauber in meinem Bett schon viel besser.

So, dass war jetzt mein letzter geplanter Tagesbericht auf der ganzen Reise, ich hoffe es geht euch zu Hause allen gut und ich freu mich euch in 23 Tagen (glaube ich) wiederzusehen. Ich habe euch lieb.

Eure Lotte

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