Ocean College

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Mexican puke oder Renés bester Geburtstag (ever)

Datum: 16.10.2018

Autorin: Ronja

Position: noch vor der Küste Irlands, auf dem Weg in die Biskaya

Nautische Position: 52° 15.978’ N, 6° 20.015’ W

Etmal: 80 NM


Ahoi! Gestern sind wir endlich in See gestochen (genau genommen sind wir ja vorgestern schon losgesegelt, haben die Nacht aber im Hafen verbracht, während es nun auf die Biskaya zugeht). Und obwohl die Wellen „nur“ um die 80 cm hoch waren, erwischte die meisten von uns die Seekrankheit. Das ist auch der Grund, warum der Tagesbericht einen Tag später erscheint – auch wenn ich nicht den Preis bekommen werde für die erste Person, die Fische füttert, gehörte auch ich zu den über der Reling Hängenden. Den armen René, der gestern Geburtstag feierte, erwischte es leider auch – weshalb mich viele aufforderten, meinen Tagesbericht doch bitte „Renés bester Geburtstag ever“ zu titulieren. Et voila! Nicht nur während meiner Wache von 16:00 bis 20:00 Uhr* stand ein Großteil der Schüler_innen, Mentor_innen und Lehrer_innen an der Reling, was unseren wachehabenden Offizier Michael (der Glückliche wird nie seekrank und ließ uns in regelmäßigen Abständen wissen, wie guuuut es ihm doch gehe) dazu veranlasste, von einem mexican puke zu spotten. Beim Verlassen des Hafens hatten wir an der Bordwand eine mexican wave (La-Ola-Welle) veranstaltet – jetzt also mehr oder weniger synchrones Übergeben. Naja, so schlecht man sich auch fühlt, stärkte der gestrige Tag jedoch definitiv unsere Gemeinschaft – wie prophezeit, stand man irgendwann neben den Leuten an der Reling, ohne sich stören zu lassen; die „Seefitten“ übernahmen freundlich jeden Gang, um Tee, Bananen oder Taschentücher zu bringen oder sprachen auch einfach nur aufmunternd zu den Seekranken.

Abgesehen von diesem unangenehmen Teil: Die Reise hat begonnen; was für ein unwirkliches und mit Aufregung erfüllendes Gefühl! Langsam schleicht sich auch wohl der Bordalltag an – jede Gelegenheit zum Schlafen und Essen wird genutzt. Ersteres funktioniert zu jeder Uhrzeit erstaunlich gut, da die Kabinen durch die stets geschlossenen Bullaugen dunkel sind und die frische Luft an Deck ihr übriges tut. Hoffentlich gewöhnen wir uns noch weiter an das Bordleben, sodass nicht jede freie Minute für Schlaf genutzt werden muss, sondern auch scheinbare Banalitäten wie duschen, Zähneputzen und Bett aufräumen, ganz zu schweigen von Freizeit und später Unterricht, Zeit finden!

Wer unseren Standpunkt via Vesselfinder verfolgt, hat vielleicht schon festgestellt, dass sich die Pelican nicht mehr bewegt. Stimmt! In der Frühe während meiner Wache haben wir den Anker ausgeworfen – in der Nacht sind wir durch ein Fischernetz gefahren, das wir nun hinter uns herziehen. Das ist nicht weiter besorgniserregend, aber die Crew möchte lieber auf Nummer sicher gehen und es entfernen, bevor es in die Biskaya geht. Nick wird im nachfolgenden Tagesbericht aber bestimmt mehr dazu erzählen J

* Die Red Watch hat immer von 8:00-12:00 und 20:00-24:00 Uhr Wache, die White Watch von 12:00-16:00 und 00:00-04:00 Uhr, und die Blue Watch, zu der ich gehöre (und die Beste ist, wie Michael zu sagen pflegt, da wir sowohl Auf- und Untergang der Sonne erleben und am nächsten an einem natürlichen Tagesablauf sind) von 16:00-20:00 sowie von 04:00-08:00 Uhr.

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