Ocean College

OceanCollege Blog

Noch ein Reiseblog: andere Perspektive

Liebe Ocean College Freunde, wir haben zwar unseren regulären Reiseblog mit tagesaktuellen Beiträgen aber hier ist ein Beitrag, der etwas allgemeiner die Ereignisse der letzten Tage, insbesondere der Abfahrt, zusammen fasst. Viel Spaß beim Lesen!

Freitag Vormittag, 20. Oktober, Berlin

Latein-Klausur zum Schiff schicken, Bilder des vergangenen Abfahrtswochenendes sortieren, Eltern-Mails beantworten, unser bevorstehendes Kalenderprojekt koordinieren, fundmytravel starten, wie-geht-das-mit-der-facebook-werbung? Das ist ein Auszug meines Freitags.

Auch Freitag, aber an Bord: Viel zu euphorisch von Johans Gutenmorgen-Song geweckt werden, frühstücken, fertigmachen und auf geht’s ins Brester Museum. Fester Boden fühlt sich gar nicht mehr so vertraut an, dafür ist die Übelkeit der ersten Schiffstage endlich vergessen.

Auch Freitag, bei den Eltern: Aufstehen, Kaffee, Zeitung, normale Morgenroutine aber irgendwas ist immer noch anders. Ahh das Kind fehlt ja immer noch! Das Kind ist seit Sonntagabend mit Ocean College unterwegs und seitdem gab es noch keinen persönlichen Kontakt außer ein paar Social Media Postings und Reiseblogeingträgen, die zugegebenermaßen ganz nett sind aber trotzdem keinen direkten Draht aufbauen lassen. Sehen oder zumindest hören ist nun eben etwas Anderes. Und dieses Loslassen fühlt sich vermutlich auf Elternseite gerade schwieriger an als auf Kindes-Seite, denn hier gibt es so viele neue Eindrücke, die für Heimweh noch keinen wirklichen Platz lassen.

Aber auch das wird kommen und genau dieses Loslassen, Heimweh, Euphorie und Seekrankheit gehört zu dem Abenteuer Ocean College dazu.

Ich bin vor etwa sieben Wochen zu diesem Abenteuer Ocean College dazu gestoßen. Die ersten Wochen drehten sich um das Team, die Teilnehmer und die Eltern der noch bevorstehenden Reise sowie Randprojekten wie Ölzeug (jetzt weiß ich, dass die Segelausrüstung gemeint ist…), Lernbuch, Kaffeeprojekt, Berliner Morgenpost und sonstige Kooperations- und Medienpartner. Doch trotzdem ich irgendwann bereits gut vertraut mit den Inhalten & Teilnehmern von Ocean College war, hatte ich keine wirkliche Vorstellung von dem Alltag, den die Teilnehmer ab dem 15. Oktober erleben werden.

Komplettes Neuland war für mich dann auch die Regina Maris, 3-Master, Traditionssegler.

     

Als Noemi, Falco und ich am Donnerstagabend auf dem Schiff ankamen war es bereits dunkel, erst am nächsten Tag konnte ich den etwas anderen Lebensraum dann genauer inspizieren. Doch auch wenn so ein Schiff von 48m Gesamtlänge riesig wirkt, bekommt man schnell eine Ahnung davon, wie eng es werden kann, wenn 34 Schüler, 5 Lehrer, 2 Experten sowie Crew, Kapitän & Koch sich diesen Raum für die nächsten sechs Monate teilen.

Für mich bis dato wirklich keine Wunschvorstellung, doch als mir die Steuerfrau von im-Mondschein-funkelnden-Delphinbäuchen (ja, Delphine können offensichtlich auf dem Rücken schwimmen) erzählte, von wunderschönen Sonnenuntergängen, Sternenhimmel und Wind statt Großstadtlärm, verstand ich das Glitzern und die Begeisterung der ganzen Schiffscrew.

Samstag & Sonntag lernte ich dann endlich die Eltern aus den E-Mails und Telefonaten kennen sowie ihre Schützlinge, die ausnahmslos einen sehr entspannten Eindruck für die anstehende sechsmonatige Trennung machten.

Impfpass, Reisepass, Notenblatt, Zahnspange, Geburtstagsgeschenk, alles wurde akribisch aufgenommen: „Wenn die Unterlagen nicht vollständig sind, wird nicht losgefahren.“ Ordnung muss sein, denn unsere Teilnehmer werden in 15 unterschiedlichen Ländern einreisen worunter z.B. auch Kuba, Kolumbien und Mexico sind.

Besonders schön fand ich den Samstagabend. Die Eltern und Kids, die bereits am Samstag angereist waren, haben sofort an Deck mitgeholfen und ein kleines Abendbrot gezaubert. Dazu gab es romantische Gitarrenklänge & „Countryroads“, Lichterkette und ein laues Lüftchen.

     

Doch auch unter allen Vorbereitungen hielt die Zeit nicht an und auf einmal war es Sonntag, 15 Uhr. Am Schiff wurde immer noch gewerkelt, T-Shirts und Pullover wurden noch verteilt, doch kurzerhand ergriff der Kapitän Martin das Mikro und rief energisch zum Tschüss-Sagen auf. Nun musste der Abschied hinter sich gebracht werden. Wie man sich vorstellen kann, ein wirklich sehr emotionaler Moment. Neben den Familien auch für uns als Team Ocean College, denn Johan, Falco & Johannes planen seit bereits drei Jahren auf diesen einen Moment hin, wofür einiges an Herzblut geflossen ist.

Nach der Abfahrt ging es für die Teilnehmer dann direkt in den ersten, etwas stärkeren Wind. Nicht besonders angenehm aber laut Schiffs-Crew gehört genau das dazu und aktuell sind unsere Teilnehmer höchstens genervt von Johans Weck-Routine.

Alle sind wohlauf, die ersten Pärchen haben sich gefunden, der Alltag stellt sich langsam ein und damit darf sich auch Bastian auf seine Latein Klausur freuen.

Ich bedanke mich (auch im Namen des gesamten Ocean College Teams) für das Vertrauen, liebe Eltern, das Ihr in uns steckt! Vielleicht können eure Kinder es gerade noch nicht so sehr schätzen aber Euch am Wochenende kennengelernt zu haben und euren Kindern dieses Abenteuer zu ermöglichen, ist einmalig!

Wir werden nun abwechselnd nach dem Rechten sehen und euch in der Zwischenzeit mit Fotos und Tagesberichten so nah wie möglich teilhaben lassen auch wenn es über die Abwesenheit sicher nicht ganz hinweg hilft.

Bis dahin

Eure Susan

 

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