OceanCollege

Pädagogischer Ansatz

Das Projekt Ocean College ist u.a. inspiriert durch das Konzept von Kurt Hahn. Dessen Kern ist es, Kinder und Jugendliche Erfahrungen auf authentischen Handlungs- und Erlebnisfeldern sammeln zu lassen. Hahn entwickelte das Programm „outward bound“. Der Begriff ist der englischen Seefahrt entliehen und beschreibt den Zustand eines Schiffes, das mit allem benötigten Material und Wissen ausgerüstet im Hafen liegt, um in See stechen zu können. Hahn nutzte diese Umschreibung als Synonym für die Vorbereitung junger Menschen auf die große Fahrt des Lebens.

Da die Jugendlichen bei allen Tätigkeiten von Experten begleitet werden, bietet der Arbeitsalltag an Bord einerseits einen pädagogischen Schonraum, sich in verschiedenen Tätigkeitsfeldern auszuprobieren. Andererseits werden die Jugendlichen mit sozialen Phänomenen konfrontiert, die ihnen im späteren Leben wiederbegegnen werden.

Segelunterricht mit Captain Francis auf der Astrid

Das Konzept von Ocean College orientiert sich zudem an Pestalozzis „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“. Verstehen ist nicht ohne Erleben möglich – immernoch ein moderner Ansatz, welcher durch die Neurobiologie des Lernens gestützt wird, die besagt, dass immer mit allen Sinnen gelernt wird. Erlebnisse ziehen tiefgreifende Erfahrungen nach sich und machen den Lernprozess nachhaltiger.

Was diese beiden großen Denker schon im 18. und 19. Jahrhundert erkannten und umsetzten, wurde in den vergangenen Jahren von prominenten Wissenschaftlern und Persönlichkeiten noch verstärkt. Anerkannte Experten  wie Gerhard Roth und Gerald Hüther aus der Neurobiologie, Richard David Precht aus der Philosophie, Harald Lesch aus der Physik und Naturphilosophie oder Manfred Spitzer aus der Psychologie treten mit radikalen Kritiken gegen das herkömmliche Schulsystem an.

Denn in einer zunehmend komplexen, vielschichtigen und vernetzten Welt sind die alten Konzepte von Schule immer unbrauchbarer. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts können nicht mehr nur mit den Lernmethoden der Schule gemeistert werden, die sich oft noch auf Gleichförmigkeit, Auswendiglernen und lineares Curriculum stützen. Vielmehr geht es um den Umgang mit Komplexität, Erziehung zur Nachhaltigkeit, Kommunikation in einer globalen Welt und damit auch um Persönlichkeitsbildung. Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich? Wer diese Fragen beantworten kann, ist besser für die Zukunft gerüstet. Wenn ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn bei der Auswahl der Auszubildenden auf die Schulnoten keinen Wert mehr legt, dann muss jedem klar werden, dass diese traditionelle Form der Wissensvermittlung- und bewertung ausgedient hat.

Jugendliche sollen durch besondere Umgebungen und Herausforderungen in ihre Kraft gebracht werden. Wir haben den Anspruch, Unterricht praktisch nachvollziehbar zu machen. Langsamkeit soll als Fähigkeit in einer allgemein beschleunigten Welt geboten werden. Statt nur in der Schule wird im Leben gelernt und so können sich die Jugendlichen auf ihre Fahrt ins Leben begeben.

Und nachdem wir obig einige grosse Namen genannt haben, an denen wir uns orientieren, sind wir sehr froh, einen vergleichbaren Menschen als direkten pädagogischen Schirmherren für Ocean College gefunden zu haben. Otto Herz ist einer der bekanntesten Reformpädagogen in Deutschland und war vor allem 1982 der Erste, der das Konzept „Schule auf dem Schiff“ in die Tat umgesetzt hat. Er eignet sich also ideal, um uns bei der pädagogischen Ausrichtung operativ zu helfen. Otto wird uns bei Lehrerauswahl und vor allem bei der konkreten Gestaltung des Bordlehrplans helfen. Man könnte an dieser Stelle noch viel mehr über Otto Herz schreiben, genaueres lässt sich hier bei uns nachlesen oder man lernt Otto hier in aller Ausführlichkeit bei einem seiner Vorträge kennen.