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Sprung von der Rah

Autor: Nicolas
Position: 13°224500N 081 22.5800W

Wach wurde ich von einer sanften Brise und Sonnenstrahlen in meinem Gesicht. Spaß. Ich wurde um 04:00 für die Ankerwache geweckt.

Gestern hatten wir noch eine Runde DSA (besser bekannt als „Dungeon’s and Dragons“) gespielt. Wer keine Ahnung davon hat, keine Sorge, kannte ich davor auch nicht. Es geht grob darum, dass ein Erzähler, in unserem Fall Otto, sich eine Geschichte ausdenkt und wir anderen (Lisa, Finn, Tobi B., Elena, Lucas und ich) mit unseren selbst ausgedachten Charakteren verschiedene Aufgaben erledigen müssen. Das alles passiert im simplen old school Style: Man muss sich also alles selber ausdenken, aufschreiben und nichts von dem Spiel ist virtuell. Naja, jedenfalls hat sich das ziemlich in die Länge gezogen, weil wir uns alle ziemlich ungeschickt anstellten.
Irgendwie habe ich es zusätzlich geschafft, mich über die Nacht zu erkälten, was bei unseren Temperaturen ein echtes Talent ist.

Also zusammenfassend fühlte ich mich müde und leicht erkältet, wurde erst um kurz vor 09:00 wach und musste mich deswegen beeilen, um noch was zum Frühstück zu bekommen. Ach ja und heute ist Putztag. Yayyy.
So, das war es mit dem Pessimismus für heute, denn direkt beim Frühstück verbesserte sich meine Laune schlagartig. Es gab Pancakes und die hier zum Frühstück zu bekommen, ist unwahrscheinlicher, als von einer Kokosnuss getroffen zu werden.

Nachdem die Einteilung für den Putztag stattgefunden hatte, machte ich mich direkt daran, die Polster in der Messe zu putzen, in der Hoffnung, noch Zeit für eine Bräunungs-Session zu haben (Grüße hierbei an meine Bräunungs-Gang zuhause). Und tatsächlich hatte ich fast die ganzen zwei Stunden, die wir zur unserer Ankerstelle für die Nacht brauchten, Zeit, mich zu bräunen. Währenddessen gab es ein zweites Mal Pancakes, aber diesmal zum 11:00 Snack. Als wir dann um die Mittagszeit ankamen, waren bereits alle fertig mit dem Putztag und so stand einem entspannten Nachmittag nichts mehr im Wege.

Auf dem Programm standen nämlich heute Schnorcheln und Wakeboard fahren.
Denn wie Martin auch nochmal bei seiner Ansage betont hatte, sind wir hier bei einem der schönsten Plätze zum Schnorcheln, die es weltweit gibt und angeblich dem drittgrößten Riff der Welt.
Nach ein paar Wraps und einer zweiminütigen Fahrt mit dem Dinghi waren wir schon da und es konnte losgehen. Wir befanden uns an einem wunderschönen Platz zum Schnorcheln. Es war flach, sodass auch die Leute, die die Nebenhöhlen zu hatten, weil sie erkältet waren, es ohne Probleme zum Grund schaffen konnten. Das Wasser war hier wunderschön blau und es gab jede Menge zu sehen. Alle möglichen bunten Fische, verschiedene Rochen und sogar zwei Sepias. Trotzdem würde ich jetzt mal behaupten, dass es sich nicht um das drittgrößte Riff der Welt handelt. Der Begriff klein aber fein passt hier um einiges besser. Währenddessen haben sich unsere zwei einheimischen Guides um das Abendessen gekümmert, indem immer einer von ihnen mit einer Harpune Fische gejagt hat. Später auf dem Schiff haben wir sie dann zum Grillen vorbereitet.

Nach dem Schnorcheln hat Thorben sein Wakeboard rausgeholt und versucht, sich hinter dem Dinghy herziehen zu lassen. Doch wegen der Wellen war es sehr schwer zu fahren und es hat auch nur einmal kurz funktioniert. Immerhin weitaus besser als seine Konkurrenten, die es nicht mal in die stehende Position geschafft haben. Aber kurz bevor ich an der Reihe war, hat Sietse beschlossen, es für heute zu belassen, da der Motor von dem Dinghi sehr darunter leidet und die Sonne sich schon dem Ende neigte.

Da es mit dem Wakeboarden nicht geklappt hatte, beschloss ich stattdessen irgendwas anderes zu unternehmen und nach einer kurzen Absprache mit Martin machte ich mich auf den Weg in die Rah.
Oben angekommen musste ich dann nur noch nach außen auf einem Drahtseil gehen, was an der Rah befestigt war und es konnte losgehen. Ich hatte schon seit längerer Zeit Lust, mal von da runter zu springen. Die Gerüchte über die Höhe gingen von unter zehn Meter bis zu 36 Metern, aber Martin meinte sie wäre lediglich 20 Meter hoch und das wird vermutlich am ehesten stimmen. Mit der Go-Pro in der Hand machte ich mich dann bereit abzuspringen, während sich eine kleine Fan-Gruppe auf dem Mitteldeck angesammelt hatte. Nach dem kurzen, aber adrenalinreichen Kick ging ich dann wieder zurück auf Deck, wo ich mit einem angemessenen Applaus und Glückwünschen begrüßt wurde. Ein Platz in der Ocean College-Hall of Fame ist für mich jetzt hoffentlich auch reserviert.

Danach habe ich mich kurz warm abgeduscht, froh darüber, endlich wieder unter Deck duschen zu dürfen und nicht, wie sonst üblich auf dem Mitteldeck und somit mitten auf dem Präsentierteller.
Warm und geborgen machte ich mich dann auf den Weg in die Messe, um meine Bilder vom heutigen Tag zu sortieren. Dabei habe ich einige nicht gelöschte Fotos von meinen Brüdern gefunden, die ich für eventuelle spätere Erpressungen nutzen kann.

Da wir ja heute den Nachmittag über Schnorcheln waren, fiel der 16:00 Uhr Snack zwei Stunden später aus. Dafür gab es Joghurt mit Früchten und Pancakes! Auf diese verzichtete ich dieses Mal lieber. Man muss ja auf seine Figur achten. Bei dem Essen wollte ich mich eigentlich auch zurückhalten, aber dem selbstgefangenem Fisch konnte ich dann doch nicht wiederstehen.

Zum Abschluss des Tages wurde noch ein Film geschaut. Bei diesem handelte es sich um „Into the Wild“. Es geht um einen jungen Mann, der nicht versteht, wieso sich die Welt immer nur über Geld, Krieg und Sozialstatus dreht. Er beschließt, komplett ohne Geld quer durch Amerika zu reisen. Dabei kommt er an wunderschöne einsame Orte, trifft die verschiedensten Leute und versucht irgendwie, sich zu seinem Endziel Alaska durchzuschlagen. Das ganze basiert auf einer wahren Begebenheit und hat mich, jedenfalls vor allem am Ende, doch recht bewegt. Anscheinend ist er auch nicht spurlos an den anderen vorbeigegangen, denn nach dem Film haben sich alle langsam und sehr schweigsam zurückgezogen. Auf jeden Fall ein Film, den es sich lohnt zu schauen!

Zum Abschluss möchte ich noch mal alle meine Freunde und meine Familie grüßen. Wundert euch nicht, wenn ihr jetzt erstmal eine längere Zeit nichts von uns hört, denn wir bekommen in Mexiko vermutlich unsere Handys nicht. Somit kann ich mich erst auf Kuba wieder melden.
Aber keine Sorge, mir geht es hier blendend und ich genieße mein Leben in vollen Zügen.

Euer Nicolas

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