Ocean College

Thalassa

Die Enstehung von OceanCollege

Von: Johan Kegler

An dieser Stelle möchte ich gerne darstellen, wann und wie die Geschichte von OceanCollege begann. Denn wie immer ist es sehr spannend zu sehen, welche Zufälle und Situationen zu dem führten, was heute los ist.

Irgendwann im Sommer 2008 hatte mir ein Vereinsmitglied in meinem Ruderverein, dem ich mal kostenlos eine Ruderstunde gegeben hatte, die Stellenanzeige vom Segelnden Klassenzimmer in den Spind gelegt. Rainer meinte, das könnte doch zu mir passen. Und richtig… ich las die Anzeige von einer Segelreise auf einem Traditionssegelschiff mit einer Schulklasse über den Atlantik und zurück und mir blieb der Atem stehen. Ich weiss noch genau, wie ich sofort nach Hause gefahren bin und die ganze Nacht an der Bewerbung gesessen habe. Man kann also wirklich sagen… wenn Rainer nicht genau an dem Tag die ZEIT mit der Anzeige gelesen hätte, wäre wahrscheinlich einiges anders gelaufen.

Nur ein paar Tage später wurde ich dann angerufen, mitten im Gedränge vom Bahnhof Friedrichstrasse und es gab die Zusage, als Lehrer beim Segelnden Klassenzimmer mitzufahren.

Es folgte ein Monat Alarm in Berlin, ich kündigte meinen (festen) Job in einer Jugendsuchthilfe, vermietete meine Wohnung an drei nette Schwedinnen unter, setzte meinen Handyvertrag aus, musste mich ausführlich impfen lassen, meine Sachen unterbringen bzw. für die Reise alles zusammenstellen und dann war es soweit. Ich flog meinem Schiff soz. hinterher nach Südspanien, wo ich in Algeciras zum ersten Mal auf das Schiff und die Menschen stieß, mit denen ich in den kommenden sechs Monaten eine sehr intensive Zeit verbringen sollte.

Ich wurde am Flughafen abgeholt und wir kamen spätabends beim Schiff an und erst da, als ich unser Schiff wirklich am Kai liegen sah, wurde mir klar, dass es wirklich passierte.

Ich habe mich nie vorher und nachher so frei gefühlt wie in diesem Augenblick… alles, was ich dabei hatte, waren zwei Reisetaschen und ein Rucksack, die einzige finanzielle Verpflichtung war eine Auslandskrankenkasse für insgesamt 160,-.

Wir fuhren auf unserer Reise 08/09 mit zwei Schiffen, was ja meine sehr späte und spontane Mitarbeit am Projekt überhaupt erst ermöglichte. Das hatte Vor- und Nachteile, wie sich im Verlauf der Reise zeigen sollte.

Die Route führte also von Algeciras zunächst nach Teneriffa… ich kann mich daran immer noch sehr gut erinnern, weil ich hier gleich zu Beginn der Reise für zwei fürchterlich seekrank wurde und zwei Tage ausfiel. Will man nicht haben, ist dann aber auch wieder vorbei und ich wunderte mich, was eigentlich los war. Auf der Strecke nach Teneriffa lernten wir uns alle das erste Mal kennen und wurden auch mit dem Schiff etwas vertraut. Dieses Kennenlernen fand aber damit etwas zu spät statt, denn wenn ich etwas gelernt habe für meine Reise, dann sicherlich die Tatsache, dass sich auf jeden Fall das komplette Projektteam der Erwachsenen schon lange vorher auf gemeinsame Strukturen und Regeln geeinigt haben sollte. Auf dem Schiff herrscht so eine unmittelbare Kommunikation, dass man hier ohne feste Regeln sehr schnell Unklarheiten hat.

In Teneriffa gab es einige schöne Exkursionen, u.a. auf den Teide, den höchsten Berg Spaniens. Der Sonnenaufgang auf 3000m Höhe frühmorgens war sicherlich das erste Highlight der Reise. Und diesen Berg konnten wir dann auch noch zwei Tage sehen, als wir uns schon auf den Weg Richtung Kapverden gemacht hatten. Nun begann wirklich die Zeit auf See, denn vor uns lagen drei Wochen auf See. Der normale Unterricht begann, wir hatten bestes Wetter, nur leider etwas wenig Wind bzw. Passat, was dazu führte, dass wir wirklich gemütlich Richtung Neue Welt fuhren.

Die Stimmung an Bord war meistens gut, allerdings habe ich für alle weiteren Projekte mit Jugendlichen gelernt: Wenn das Essen gut ist, ist eigentlich alles gut. Und leider hatte unser Kapitän genau am Essen gespart, wobei es nicht um den Anspruch eines Edelbuffets ging. Aber einmal frisches Obst am Tag sollte schon sein, eine vollwertige Mahlzeit am Tag ebenfalls, wenn man den nur an der Seeluft und oft auch im Rigg ist.

Höhepunkte aus meiner Erinnerung heute waren die ständigen Delfine, die uns begleiteten und ein Stop mitten auf dem Atlantik, um baden zu gehen… nie zuvor hatte ich im Wasser unter mir in ein solch unendliches Blau geschaut. Ach ja, und wir hatten eine Panne, als sich ein Tau bei einem Manöver in der Schiffsschraube verfing und ich tauchen gehen musste, um das wieder rauszuholen.

Unser erster Hafen in der Karibik war Barbados, wo wir nach mehr als drei Wochen auf See ankamen. War dann schon ein merkwürdiges Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Lange blieben wir aber nicht hier, da wir uns für Weihnachten eine nette Insel fernab der Touristenströme suchen wollten.

Diese fanden wir dann auf Bequia, einer Insel, die karibischer nicht hätte sein können. Hier kam es dann aber auch zum wirklich bedeutensten Vorfall während der Reise, als ich zusammen mit meinem Lehrerkollegen Thomas beschloss, gegen den Projektleiter zu „meutern“ und dem Kapitän unsere Einwände gegen das Verhalten von jenem Projektleiter zu erklären. Dieser sah das genau so und so wurde leider genau am 24.12.2008 der Projektleiter von Bord gesetzt bzw. nach St. Lucia an Land gebracht. Ausdrücklich ist aber zu erwähnen, dass Thomas und ich mit dem Projektleiter viele Gespräche im Vorfeld hatten und ihm unmissverständlich klar gemacht hatten, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Kernproblem lag sicherlich darin, dass dieser Projektleiter selbst eine grosse Segelerfahrung hatte und diese auch einbringen wollte. Allerdings beisst sich das dann mit der Funktion des Kapitäns, der hauptsächlich für das Segeln zuständig sein sollte. Entsprechend kam es in diesem Bereich immer wieder zu Konflikten, die sich negativ auf die gesamte Mannschaft auswirkten. Entsprechend habe ich daraus die Lehre gezogen, die operativen Zuständigkeiten für Segeln und  Projekt strikt zu trennen, auch wenn sie natürlich viel miteinander zu tun haben. Allerdings werde ich für meine Projektcrew Leute suchen, die nicht in erster Linie wegen des Segelns dabei sein wollen.

Wir verbrachten dann aber einen wunderschönen Heiligabend zu Reggaemusic und Drinks am Strand und machten uns dann weiter zu den Tobago Cays, wo „Der Fluch der Karibik“ gedreht wurde. So schön es dort zum Tauchen auch war, so touristisch war es eben auch, so dass wir uns bald zu den A-B-C Inseln aufmachten, um dort Sylvester ohne einen Tropfen Alkohol zu feiern. Was aber der Partystimmung an Bord keinen Abbruch tat.