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Tschüss Rastas und Dominica. Hallo neue Kajüte!

Autor: Nils

Position: Rastafari Dorf, Dominica/ Küstengewässer vor Dominica

 

Ich weiß nicht mehr genau, was mich heute Morgen geweckt hat: das Prasseln des Regens auf dem Zeltdach oder Karl, der sich darüber aufregte, dass das Zelt nicht dicht sei und alles auf seine Sachen tropfte. Doch er war nicht der Einzige, der sich aufregte, denn auch Leon (die dritte Person mit Karl und mir in unserem Zelt) beschwerte sich gerne mal über die Zustände bei uns im Zelt.

Aber auch Johan als Geschichtslehrer tat seine Meinung zu diesem Wetter mit einem „Vielleicht kann man sich so den Vietnamkrieg vorstellen“ kund. Als der Regen dann endlich aufhörte, kam so langsam Leben in das Dorf. Ganz nach dem Motto des Dorfältesten: „Go with the flow“. Auch unser Dreiergespann öffnete seine Zelttür, welche uns den Blick auf das morgendliche Tal freigab, an dem immer noch deutlich die Folgen der Hurrikans zu erkennen waren. Die kahlen Bäume und vereinzelt rumliegenden Teile von Wellblechdächern lassen nur vermuten, welch zerstörerische Kraft der Hurrikane gehabt haben muss.

Der Küchendienst war schon auf den Beinen und damit beschäftigt, am Fluss das dreckige Geschirr vom Vortag abzuwaschen, neues Trinkwasser für den Tag zu holen und das Frühstück vorzubereiten, welches aus Rosinenbroten mit Erdnussbutter, beziehungsweise mit Butter und Zucker bestand. Dazu gab es Kakao, welcher an sich recht lecker war, in dem aber auch undefinierbare Stückchen schwammen, die den meisten Leuten nicht schmeckten.

Es gab noch ein kurzes Briefing und dann hieß es für uns aufräumen und zusammenpacken, was etwas schwerer als erwartet war, da ein großer Teil unserer Sachen entweder dreckig oder nass waren. Hinzu kam auch noch die Tatsache, dass das Zelt, in dem wir drei geschlafen hatten, ein Wurfzelt war, was beim Aufbauen zwar ein Segen für uns war, sich beim Abbauen aber als echtes Problem rausstellte, da es nicht mehr in die dafür vorgesehene Tasche passte. Wir schnürten es letztendlich einfach zusammen, um einigermaßen im Zeitplan zu bleiben. Anschließend verabschiedeten wir uns von Moses und den anderen Rastafaris und traten den Rückweg hoch zur Straße an. Wir beluden die Busse, welche eher Vans waren, und machten uns zurück auf den Weg nach Roussau, wo die Regina Maris uns einsammeln sollte.

Die Rückfahrt war ein ganz anderes Erlebnis im Gegensatz zur Hinfahrt, bei der alles stockduster war. Man sah mehr von der Insel und Leuten, aber vor allem auch mehr Folgen des Hurrikans: Abgedeckte Hausdächer, abgerutschte Hänge und Straßen, aber auch verschrottete Autos. Nach der zweistündigen Fahrt über halb Dominica, kamen wir in Roussau an, wo wir sahen, dass die Regina Maris noch nicht ankerte, was für uns bedeutete: Abwarten! So erschöpft wie wir alle waren, nutzten wir diese Zeit größtenteils zum Dösen. Außerdem versüßte Johan uns die Wartezeit mit einem Snack, welcher aus einer Dose Eistee und einem Brot für jeden bestand und mit großer Freude entgegen genommen wurde.

Nachdem das Schiff nach einiger Zeit am Horizont auftauchte und wir alle samt Gepäck mit dem Dinghy an Bord gebracht wurden, gingen viele erst einmal (oft auch in den verdreckten Klamotten) schwimmen, was mein persönliches Empfinden nach eine große Erleichterung war. Viel Zeit zum Baden und entspannen hatten wir jedoch nicht, da wir gleich den Anker lichteten und Kurs in Richtung Curacao setzten.

Nach dem Verlassen von Dominica, fing unser Tag eigentlich erst richtig an, denn heute war sowohl noch der Tausch der Wachen als auch der erste Wechsel der Kajüten geplant. Der besagte Wechsel begann damit, dass alle erst einmal ihre Kabinen ausräumen und putzen mussten, was für ein riesiges Chaos an Deck sorgte, wo sowieso noch die Rucksäcke, Zelte, Isomatten und Schlafsäcke von den Tagen bei den Rastafaris lagerten. Gegen 19:00 war der Großteil der Leute mit dem Ausräumen und Säubern der Kajüten fertig und der Küchendienst verwöhnte uns mit selbst gemachten Pommes, Hühnchenkeulen und Salat. Für alle nicht-Vegetarier war es seit zwei Tagen das erste Mal, dass wir wieder richtiges Fleisch zu essen bekamen, da die Rastafaris sich eigentlich ausschließlich fleischlos ernähren. Beim Abendessen wurde dann auch die neue Kajütenbelegung bekannt gegeben, was teilweise sehr entgeisterte Reaktionen hervorrief (man munkelt, dass Johan und die Lehrer lange an dem Plan gesessen haben), wobei der Großteil eigentlich mit dem neuen Plan zufrieden ist.

Ich persönlich vermisse meine Zweier-Kajüte mit Karl zwar ein wenig, freue mich aber auch auf ein wenig kühlere und hoffentlich auch ruhigere Nächte. Nach dem Essen begannen dann alle damit, ihre Sachen in die neuen Kajüten einzuräumen, was noch einmal mächtig für Unruhe sorgte, was Johan teilweise sehr lustig fand und es schließlich auch filmte. Nachdem die Zimmer dann fertig eingeräumt waren und wir endlich frei hatten, kehrte langsam Ruhe auf dem Schiff ein und die meisten fielen direkt in die frisch bezogenen Betten. Für mich war der Tag jedoch leider noch nicht vorbei, da ich durch das Tauschen der Wachen nun von 21:00 bis 01:00 Uhr auf der Brücke sein muss. Nach dem Säubern des Saloons (der neuen Aufgabe unsere Wache) konnte ich dann endlich in mein Bett, welches nun zum Glück nicht mehr nur aus einer Isomatte und einem Schlafsack bestand.

Ich möchte meine Familie und Freunde in Berlin grüßen und wünsche allen eine schöne Weihnachtszeit.

Euer Nils

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