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Unser erster Badetag.

Autor: Lotte
Position: Küste von Portugal
(36° 50,0 N 11° 34,2 W)

Mein Tag begann heute nicht sonderlich motiviert. Ich habe in den beinahe zwei Wochen mein Bett so schätzen und lieben gelernt, dass es mir schrecklich schwer fiel, es heute Morgen um viertel vor sechs zu verlassen. Im Halbdunkeln zog ich mich an, schnappte mir meine Mütze und meinen Schal und schlüpfte in meine knallgelben Gummistiefel, die bisher mein Erkennungssymbol bei der Nachtwache sind, weil sie im Dunkeln gerade zu leuchten.
Beim Verlassen der Kajüte passe ich seit vorgestern besonders gut auf, weil ich mir den Daumen mit voller Karacho in der Tür eingeklemmt habe, als sie dank einer Welle ins Schloss geknallt wurde.
Die Wache war super, die Laune gut und ich hab Tonnen von diesen ungesunden Zuckermüslicornflakes gegessen. Grüße gehen raus an Mama und Papa: Ich achte natürlich auf meine Ernährung.

Um halb sieben weckten wir Hannah und May, unsere Küchenfeen, die auch schon um diese Uhrzeit einen großartigen Kuchen für unser Geburtstagskind Nico zauberten.
Der Mandelkuchen wurde dann eine Stunde später verputzt und von allen sehr gelobt.
Nach meiner Wache war eigentlich Yoga mit Kathrin, Paula, Emma und Elena geplant. Das haben wir dann aber auf heute Abend verschoben, weil sie während ihrer Wache Müll klein schneiden mussten und deshalb die Zeit zu knapp war.

Ich war so müde, dass ich mich nach vorne in einen Korb mit Seilen setze, wo ich an meinem Reisetagebuch schrieb und mich entspannte. Es war wunderschön, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen, den Wind zu spüren und dem Plätschern der Wellen zu zuhören. Nicht mal Sebastian, dem ich danach begegnete, konnte mir meine Laune verderben, als er mir einfach so zum Spaß androhte, noch ein bisschen Mathe- und Physikunterricht extra zu machen. Meine Lieblingsfächer 😉
Ich ging runter, um mir was Ordentliches anzuziehen und war überglücklich über den Vertrag, den ich mit Charlotte und Wanda abgeschlossen hatte, welcher besagt, dass wir alle unsere Anziehsachen miteinander teilen. Als ich also sah, wie Wanda in meiner Jacke in der Messe saß, schnappte ich mir ihr Top und setze mich zum Küchendienst in die Messe, der schon dabei war, Tonnen von Zwiebeln für die Tomatensoße zu schnippeln.

Dann wurde mal wieder die Glocke geläutet und Martin machte eine Ansage, die sich in eine Diskussion zwischen Schülern und Kapitän verwandelte. Am Ende zog sich das ganze so hin, dass ich jetzt schon nicht mehr wusste was eigentlich Grundthema der Ansage war. Zusammenfassend ging es darum, dass wir besser zuhören und Martins Befehle sofort ausführen sollen. Außerdem kam die Diskussion auf, ob man Fragen bezüglich dieser Befehle stellen dürfe oder, so wie Martin findet, selber darauf kommen soll, auch wenn dann Fehler passieren.
Als wir Training mit Joseph hatten, tauchten wieder einmal Delfine auf, die nur ungefähr zwei Meter von uns entfernt aus dem Wasser sprangen.

Beim Mittagessen verkündete Martin die tolle Nachricht, dass wir baden gehen dürfen.
Also zogen wir uns schnell um und stellten uns in die Schlange, die sich mittlerweile am Klüvernetz gebildet hatte. Wir sind alle vom Geländer gesprungen und mussten dann aufpassen, dass wir im Wasser nicht an der Leiter vorbei getrieben werden, weil man sonst schwer wieder an Bord kommt. Die Strömung war so stark, dass man sich richtig festhalten musste. Das Springen vom Netz hat richtig viel Spaß gemacht! Leon ließ sogar die Drohne fliegen und hat tolle Filme davon aufgenommen. Später, als ich gerade Geographie mit Otto hatte, verteilte Nico noch seine Gummischlangen, die er von Johan zum Geburtstag geschenkt bekommen hat.

Während ich mein Referat ausarbeitete, überlegten Kathrin und ich, warum um alles in der Welt Steuermann Sietse den ganzen lieben langen Tag in Bananenbadehose durch die Gegend rennt. Wir kommen zu dem Entschluss: Weil er es kann!

Gerade kündigt die untergehende Sonne schon meine Nachtwache an, die in einer halben Stunde beginnt und bestimmt wieder lustig wird.

Ich möchte noch alle meine Liebsten zu Hause grüßen, die das hier lesen und so liebe Nachrichten schreiben oder beim Telefonieren immer gleich alles wissen wollen, wenn ich mich im Hafen bei ihnen melde. Ich hab euch ganz doll lieb.

Eure Lotte

1 comment

  1. Andreas (aus den Bäumen) - 31. Oktober 2017 21:20

    Moin,
    seit Beginn der Reise freue ich mich über die fast täglichen Berichte.
    Ich nutze ich die Kommentarfunktion als einzigen mir bekannten Kommunikationsweg auf´s Schiff. Meine Fragen betreffen alle Beiträge.

    Für ein Landei wie mich wäre es hilfreich eine Nachhilfestunde in „wie ist der Alltag organisiert?“, „was machen die Wachen tags und nachts“, „wer bestückt die Wachen, nur die SchülerInnen“, „wer darf beim Putzen alles Karten ziehen?“, „wie greifen Wachen und Küchendienste ineinander?“, „Habe die Lehrer auch (außerschulische) Aufgaben an Bord“, „warum gibt es kein Bild vom hochgelobten Koch?“ … all die Selbstverständlichkeiten an Bord halt, die das Verstehen der Berichte leichter machen zu bekommen.
    Danke und besten Wind
    Andreas (aus den Bäumen)

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