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Unterricht

Unterricht während der Reise – Start bis Kuba

Von: Johan Kegler

In diesem Beitrag soll es allgemein um den Unterricht auf meiner ersten Reise gehen. Denn immerhin war ich ja ursprünglich nur für den Unterricht an Bord eingestellt worden.

Wir hatten ein Vorbereitungstreffen in Hamburg, bei dem wir uns aus den schon bestehenden Materialien unsere Inhalte raussuchen sollen. Ich war für Deutsch und Geschichte zuständig und insbesondere in Geschichte gab es für die Reise mehr als genug Möglichkeiten für den Unterricht vor Ort. In Deutsch legte ich vor allem einen Fokus auf die „Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny. Ich gebe zu, als 16-jähriger hatte ich mich selbst daran versucht und mit dem Buch wenig anfangen können, aber jetzt und noch dazu in dieser Umgebung, verschlang ich es. Zumindest konnte ich mit dieser Begeisterung die Schüler etwas anstecken, sich auf die Beschreibungen des Polarforschers John Franklin einzulassen. Wir hatten durchaus viele Parallelen zum Buch. Denn wenn die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit nur 5 Knoten beträgt und der Kapitän bestimmt, wann die Uhr vorgestellt wird, dann wird auch die eigene Wahrnehmung langsamer. Nebenbei bemerkt: eine der besten Erfahrungen während dieser langen Zeit auf See lag für mich darin, kein Geld in der Hand zu haben, die Zeit und das Datum nicht zu beachten und auch überhaupt nicht an Nachrichten oder das Leben an Land zu denken. Ein unglaubliches Gefühl der inneren Ruhe. Aber zurück zu John Franklin… es handelt sich hier um einen Protagonisten, der durch seine extreme Langsamkeit im Handeln und Denken zunächst viele Nachteile erfährt, aber mit der Zeit immer mehr Fähigkeiten entwickelt, mit denen er seinen Mitmenschen in der Seefahrt immer mehr von Nutzen wird. Schliesslich bringt ihn gerade die Langsamkeit, die sich aber auch in großer Gründlichkeit spiegelt, in Führungspositionen und mehrere Male rettet er genau mit dieser Bedachtsamkeit Menschenleben. Zwei Sätze sind mir in Erinnerung geblieben: „Ein gutes Mittel gegen Angst war lernen.“ und „Er weiss, was er kann und was nicht. Und das allein macht schon mehr als die Hälfte aus.“

In Geschichte möchte ich mich hier nur auf die Schwerpunkte konzentrieren, die ich unbedingt behandelt haben wollte: Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, Sklavenhandel, Mayakulturen in Mittelamerika, Kommunismus auf Kuba und die Landung der Alliierten in der Normandie.

Ich begann also von der Zeitachse her meinen Unterricht in der Renaissance und mit dem Zeitalter der Entdeckungen. Hier bieten sich ja auch zu anderen Fächern Verbindungen an. Natürlich durfte der Film „1492- Die Entdeckung der Neuen Welt“ mit Gerard Depardieu nicht fehlen, immerhin segelten wir fast genau auf Kolumbus‘ Route, nur eben mit dem nicht ganz unwichtigen Unterschied des Wissens darüber, dass da im Westen auch irgendwann Land kommen würde. Aber als wir die Küste vor Barbados dann wirklich auch am Abend in der Dämmerung erreichten und die Landschaft schemenhaft sichtbar wurde, konnte ich mir nach drei Wochen auf See für einen winzigen Augenblick vorstellen, was das ‚Ankommen‘ vor mehr als 500 Jahren für ein Gefühl gewesen sein muss. Eng verbunden mit Kolumbus ist natürlich auch das dunkle Kapitel des Sklavenhandels, dessen Folgen ja bis heute in den amerikanischen Staaten und den Inseln der Karibik zu spüren sind. Hierzu besichtigten wir auf Curaçao dann auch entsprechend ein Sklavenmuseum.

Die Mayatempel in Belize waren für uns alle ein beeindruckender Anblick, wenn man bedenkt, dass diese Bauwerke lange vor unserer Zeit so präzise errichtet werden konnten.

Wir hatten hinsichtlich Kuba ja noch das grosse „Glück“, dass die Insel 2009 noch weitaus abgeschottet war. Eigentlich hatte ich vor, beim Einlaufen in den Hafen „Keep On Rocking In The Free World“ von Neil Young zu spielen, aber das wäre dann wohl doch zu provokant gewesen. Aber immerhin bekam ich es hin, den Film „13 Days“ über die Kubakrise zu zeigen, denn mit diesen 13 Tagen hat sich Kuba wohl für immer in das historische Gedächtnis eingebrannt. Auf Kuba selbst war natürlich auch Hemingway ein Thema, wobei der literarisch für die Schüler natürlich harte Kost war.

An dieser Stelle soll nicht darüber hinweggegangen werden, dass natürlich jeder Schüler während der Reise ein Referat halten musste, zu einem der folgenden wählbaren Themen:

1TeneriffaEntstehung des Naturraums der Kanarischen InselnGg
2TeneriffaFlora und Höhenstufen der Vegetation am TeideGg/Bi
3Teneriffa

Thor Heyerdahl und die Pyramiden von Güímar

Ge
4TeneriffaFestung Europa: Flüchtlingsziel TeneriffaPol/Gg
5AtlantikPassatwinde und deren Bedeutung für die SchifffahrtGg
6AtlantikGPS und elektronische SeekartenMa/Ph
7AtlantikPhysik des SegelnsPh
8MartiniqueZentrum des Atlantischen SklavenhandelsGe
9KaribikTropische Wirbelstürme – Entstehung und AuswirkungenGg
10KaribikPlattentektonik im karibischen RaumGg
11KaribikÖkosystem der Mangroven und dessen BedeutungBio
12KaribikChristoph Kolumbus und die „Entdeckung“ AmerikasGe/Gg
13KaribikEroberung und Erschließung Mittelamerikas durch die KonquistadorenGe
14Costa RicaÖkosystem des tropischen RegenwaldesGg/Bio
15Costa RicaZerstörung des tropischen RegenwaldesGg/Bio
16Costa RicaTourismus als wichtiger WirtschaftsfaktorGg/Wi
17Costa RicaChiquita – The United Fruit CompanyPol/Gg/Wi
18Costa RicaSalsa und Son, Merengue und MamboSpa/Mu
19PanamaPanamakanal – Engstelle des WelthandelsPol/Gg
20PanamaMeeresschildkröten – Lebensweise, Bedrohung und SchutzBio
21Karibik„Goldenes Zeitalter“ der PiraterieGe
22BelizeCreole language and its use in contemporary musicEn/Mu
23Belize„Merging“ als Wiege kultureller Identität – die Garifuna am Golf von HondurasEn/Gk/Ge
24BelizeBedeutung des Riffs als BiotopBio
25BelizeArchitektur der MayaGe/Ku
26BelizeZahlensystem und Zeitmessung der MayaGe/Ma
27KubaKubanische Revolution von 1959Ge
28KubaZuckerrohranbau und Rumherstellung in der KaribikWi/Gg
29KubaForcierung des Embargos durch Exilkubaner und US-Industrie am Beispiel des „Imperio Bacardi“Wi/Pol
30KubaChé Guevara als politische PersönlichkeitGe
31KubaKubakrise und deren FolgenGe
32KubaUS-Stützpunkt Guantanamo BayGe/Pol
33KubaErnest Hemingway’s Cuban timeEn
34KubaBedeutung des Tourismus als WirtschaftsfaktorGg
35KubaBedeutung des Tabakanbau und dessen Verarbeitung als WirtschaftsfaktorGg
36BahamasMittelamerikanische Bündnispolitik, z.B. Karibische Gemeinschaft (CARICOM)Pol
37Bermuda/AtlantikBermuda Dreieck – Mythos und RealitätGg/Ph
38Bermuda/AtlantikEntstehung des ArchipelsGg
39Bermuda/AtlantikKaltwasserkorallen und ihre Nachbarn – TiefseeökosystemeBio
40AtlantikBedeutung des Phytoplanktons für die CO²- BindungBio/Ch
41AtlantikWestwinddrift und ihre Bedeutung für die SchifffahrtGg
42Faial (Horta)Azorenhoch – Entstehung und Auswirkungen
43Faial (Horta)Vom Wal- zum Touristenfang – Veränderung traditioneller Wirtschafts- und WertesystemeGe/Wi

 

Diese Themen orientierten sich natürlich an der Reiseroute und waren teilweise wirklich sehr beeindruckend vorgetragen.

Auf dem Rückweg über den Atlantik dann musste man sich aber leider auch wieder auf den Stoff von zu Hause einstellen, was besonders für Mathematik galt. Auch mussten noch Klassenarbeiten geschrieben werden, um valide Noten zu bekommen. Des Weiteren mussten wir auf dem Rückweg noch fleissig für den Sportbootführerschein See pauken, denn dafür wurde die Prüfung in Cuxhafen abgenommen.

1 comment

  1. Janusz - 27. Januar 2016 0:09

    Good Job, Johan! Der Bericht macht Lust mitzusegeln!

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