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Verzweiflung beim Küchendienst (shit happens) und Halloweenleckereien

Autor: Emma Luhmann
Position: Atlantik, marrokanische Küste
(34° 12,92 N 12° 53,27 W)

Heute Morgen bin ich vom Sonnenschein wach geworden, der durch meine Luke schien.
Okay, eigentlich eher, weil jemand in meine Kajüte kam, es keine Luft mehr zum Atmen gab und ich zum Küchendienst musste! Aber die Vorstellung, auf dem Ozean von der Sonne geweckt zu werden, ist doch schon schön! Nun ich hatte Küchendienst – Abwasch machen, kochen, Tisch decken und wieder von vorne – und das fünf Mal am Tag!

Zu Beginn hatte ich sogar noch ein wenig Motivation das Frühstück vorzubereiten, bei dem natürlich auch direkt das erste Unglück des Tages geschah. Ich war mir unsicher, die Müslibox wegen des starken Wellengangs auf den Tisch zu stellen, aber dann kam Leon, nahm die Box und stellte sie mit den Worten „So kann nichts passieren!“ auf den Tisch. Tja, fünf Sekunden später kippte die Box vom Tisch, fiel die Treppe zu den Crew Kajüten hinunter und dort breiteten sich dann die beliebten Smacks aus. Also: Staubsauger her, auch wenn dann Sietse geweckt wird – er wird sowieso sauer, entweder wegen verteilter Smacks vor seiner Tür, oder wegen des Lärms! Also riskierten wir es.
Meine Motivation wich so langsam, als es zum Abwasch überging – Peanutbutter ist nicht so leicht abzukriegen, wie man denkt! Dann mussten wir auch noch für das Abendbrot den Brotteig für neun Brotlaibe vorbereiten, wofür wir eine super Rührmaschine haben, bei der man den Topf nicht ablösen kann!

Nun ja, als wir das geschafft haben, gab es um 11:00 Uhr, wie jeden Tag, Obst. Danach ging es auch schon ans Mittagessen. Es gab Hühnerkeulen und Reis mit Gemüse und dazu einen von Ben, Alisa und mir geschnippelten Salat. Wir haben draußen gegessen, aber als es zum Abwasch ging und auch noch der Wasserspender nicht funktionstüchtig war, sank meine Laune auf einen sehr gefährlichen Punkt! Also Stöpsel in die Ohren, laut Musik hören und beim Abtrocknen der gefühlt 1000 Teller, Schüsseln und Becher versuchen, nicht zu verzweifeln! Grüße an meine Eltern, ich weiß, dass ich unterzuckert war, aber da hat auch ein überzuckerter Kaffee nicht mehr geholfen!

Dann gab es endlich einen Lichtblick – der 16:00 Uhr Snack! Da Halloween ist, wollten wir etwas Besonderes machen, also bastelten Kathrin, Paula und Lotte netterweise kleine Geister- und Kürbisschablonen für uns. Mit Hilfe von Puderzucker brachten wir so kleine Verzierungen auf unsere, vom Pancakeprofi Ben gebackenen, Pfannkuchen. Dazu gab es noch Sprühsahne und das Küchenteam gönnte sich eine fette Nutella-, Sprühsahne- und Puderzuckerpfannkuchentorte.
Dieses Spektakel bedeutete natürlich wieder: Abwaschen! Aber das hat sich echt gelohnt!
Dafür haben wir ein wenig beim Abendbrot gespart – statt Kartoffelsuppe (waschen, schälen) gibt es Tomatensuppe und Brot!

Das zweite Unglück des Tages war ein erfolgreicher Fehlschlag! Wir haben die Drohne verloren, aber hammermäßige Aufnahmen bekommen. Leon, unser Drohnenpilot, hatte Johan von Anfang an klar gemacht, dass die Drohne versenkt werden könnte (Landung auf einem fahrenden Schiff ist einfach schwer), aber das war es ihm wert, zumal es bisher ja auch immer geklappt hatte, aber jetzt gibt es megamäßige Aufnahmen, die ab Teneriffa online gesichtet werden können. Eigentlich lief alles gut, bis auf die Landung auf dem Schiff, als eine Welle die Regina Maris anhob und dann eben die Drohne erwischte. Dafür gibt es jetzt eine Dauersendung aus 4000m Tiefe:
Meine Laune ist gerade auch auf einer auszuhaltenden Höhe und ich freue mich schon auf den Abwasch nach dem Abendbrot. Wenigstens kann ich dann heute die Wache ausfallen lassen und ein wenig mehr schlafen! Aber vorher wird noch Sport mit Kathrin und Paula gemacht. Wir bilden quasi eine Gegengruppe zu „Fit ohne Geräte oder auch Männersport“, wie Johan es nennt.

Zum Schluss möchte ich noch meine Familie grüßen, die dank der Tagesberichte immer schon über alles und jeden Bescheid weiß! Ich hab euch lieb und freue mich schon auf unser nächstes Telefonat auf den Kanaren!

Eure Emma

1 comment

  1. Petra Bäzner - 2. November 2017 15:39

    Hey Emma,

    Dein Bericht vom Bordalltag ist klasse, ist ja fast wie ein Clubschiff mit spezieller Bordanimation (Männersport !, Essen selber kochen, Küchendienst, Schiff klar machen, Wache). 5 Mahlzeiten am Tag (Erdnußsoße und Chilli von Martin, ((was kann der eigentlich nicht ?)) Pancakes von Ben), dass hört sich echt lecker an, aber was ist mit den Nachtwachen ? Kriegen die auch einen Snack während Ihrer Schicht oder müssen die sich was angeln : ) ?

    Schickt uns doch mal bitte Infos über Euren Koch Erlin, auf der Website steht noch der Thomas drin.

    Eine Frage hab ich noch, sozusagen persönliches Interesse, wird Leon, der Bruchpilot eigentlich für das Versenken der Smacks und der Drohne kielgeholt ?

    Liebe Grüsse an Euch kurz vor den Kanaren und danke für Eure lebhaften Berichte vom Bordalltag freuen uns jeden Tag drauf !

    Petra (Mama des Bruchpiloten)

    Antworten

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