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Waffeln auf hoher See inklusive Wellengang

Autor: Finn
Position: Atlantischer Ozean
(33° 58,21 N 46° 16,57 W)

Die Meinungen an Bord über den Küchendienst gehen stark auseinander: Manche fürchten ihn, andere sehen ihm neutral entgegen und einige wenige freuen sich sogar darauf. Ich sehe ihm mit Gelassenheit und einem gewissen Widerwillen entgegen. Ich wurde in meinen Vorurteilen bestätigt, als ich um 07:00 Uhr, eine in meinem Leben normalerweise nicht vorkommende Uhrzeit, von Matthias geweckt wurde. Zehn Minuten später betrat ich die Küche, nur um Nils und Lisa, meine Verbündeten in der mir bevorstehenden Aufgabe, schon munter bei der Arbeit anzutreffen. Zwei Tassen Wasser später (mein bester Freund die Cola-Maschine hat vor zwei Wochen den Dienst quittiert, aber man muss ja von irgendwas wach werden), schien die Lage nicht mehr ganz aussichtslos. Was beschwere ich mich überhaupt, das Frühstück war schnell vorbereitet. Es blieb sogar noch Zeit die Vorsegel zu setzen und herauszufinden, ob wir Vorsprung gegenüber der Thalassa gewonnen hatten. Für die Menschen, die es interessiert: Im Rennen, wer schneller die Azoren erreicht, liegen wie vorn. Aber schon ging es zurück in die Küche, um den Abwasch vom Frühstück zu machen.

Zwischen Abwasch und 11:00 Snack war noch Zeit, meine Bewerbung für die Schiffsübernahme auszudrucken und bei Hendrik abzugeben. Kaum war die letzte Banane vom Snack weg, fingen wir an, das Mittagessen vorzubereiten. Geplant waren Nudeln mit Schinkensoße, die Idee verwarfen wir aber bald, da sie Unmengen an Eiern verbraucht hätte und wir diese für den Nachmittagssnack brauchten. Also wurde, wie so oft beim Küchendienst, improvisiert. Am Ende wurden es Nudeln, eine Käsesoße und angebratener Schinken zum Drüberstreuen. Es scheint nicht so schlecht geschmeckt zu haben, denn am Ende war nichts über, oder aber wir haben zu wenig gemacht. Man weiß es nicht so genau. Nachdem der Tag soweit recht einfach verlaufen war, kam jetzt die wahre Herausforderung: Waffeln ohne Rezept auf hoher See mit Wellengang. Ich weiß nicht, was uns auf diese Idee gebracht hat, aber irgendwann einmal erschien es mir eine gute Idee.

Die Umsetzung erwies sich als etwas schwieriger, da, nun ja, wir einfach kein Rezept für Waffeln hatten. Es lief also auf Probieren hinaus. Nachdem wir unter Zuhilfenahme von Pancake-Rezepten einen Teig zusammengerührt hatten, ging der Spaß erst richtig los: Waffelteig ist flüssig, und somit schwappte er mit jeder Welle aus dem Waffeleisen. Mit anderen Worten, es war eine riesige Sauerei! Alle Meckereien beiseite, die Waffeln waren schon echt lecker, wenn es auch zu wenig waren (das scheint heute ein roter Faden in unserem Küchendienst zu sein). Zu diesem Zeitpunkt hatten wir ca. neun Stunden in der Küche geschafft und mir ging langsam die Lust aus. Aber zum Glück gab es nur noch eine Hürde zu nehmen: das Abendessen. Schnell vorbereitet, aber lange im Abgang, denn wir haben es jetzt 20:30Uhr und putzen immer noch die Küche. Als freundliche Zusatzaufgabe darf ich den heutigen Tagesbericht schreiben, aber da es mein letzter auf dieser Reise ist, ist das nicht weiter schlimm und vielleicht gebe ich mir sogar extra Mühe.

Euer Finn

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