Ocean College

Hochtalamancagedanken

Datum: 06.01.2019
Autorin: Penelope
Position: Talamanca, Planet One World

Hochtalamanca – wirst du auf mich warten? Wirst du dein Antlitz dir solange erhalten? Wird dein Wissen in Vergessenheit geraten? Droht die Gefahr der Neuzeit, dich mit deinen mühsam angehäuften Erfahrungen bald schon zu erdrücken, überschwemmen und grausam aus dem Weg geräumt zu werden?

Wie kann man sich stark genug dagegen erheben? Gegen die Gier nach Reichtum, zerstörend. Wie kann man deine ganze Weisheit einfangen, sodass sie für immer bestehen kann? Doch nützt dies etwas, wenn das, auf dem die Weisheit beruht, mit rasendem Tempo zu Ende zu gehen droht? Wie kann es nur sein, dass wir Menschen so handeln?

Nur auf unser eigenes Glück und Reichtum bauend? Wie kommt es, dass wir unsere „Mutter“, die Erde, zerstören? Ihr, wie ein Vampir, das Blut absaugen? Wie kann es nur kommen, dass diese Vampire nicht selbst zur Besinnung kommen. Das man mit mühsamer Kraft kaum gegen sie ankommt?

Hochtalamanca, mit all deinen Völkern, bleib‘ bestehen bis ich wieder herkomme. Bleibt weiter bestehen in jeder Hinsicht. Lasst euch nicht euer Gold stehlen, sodass euer Untergang noch nicht bevorsteht. Lasst die Prophezeiung nicht in Gänge treten. Wie kann es sein, dass wir unsere Erde so schwächen, obwohl wir noch vorhaben, so lange auf ihr zu leben? Wie nur, wie kann dies geschehen? Nach und nach sterben unsere Arten, durchjagt durch Verlangen von der sich all erlaubenden Masse.

Nach und nach wird der Wald abgerodet. Dies nicht aus Notwendigkeit, dies nur, weil es vielen nicht das Herz schmerzen lässt. Dies nur, da viele, nicht darauf achtend, es sich gut gehen lassen. Hochtalamanca, ich schreibe durch dich inspiriert. Doch weiß ich auch, dass dies viele Orte dieser Welt betrifft.

Ich weiß, das viele Kulturen gefährdet sind, dass irgendwo ein einzelner Indianer sitzt, dass er mit Trauer im Blick der einzige Verbliebene seines Stammes ist. Ich bekomme die Ahnung wie die Grausamkeit der Vergangenheit konstant bis hin in die Zukunft reicht.

Wie kommt es, dass wir die Hilferufe nicht hören oder lassen wir sie unbeachtet einfach an uns vorbei schwirren?

Lieber Ken,
ich möchte mich, und ich glaube, dass ich hier für alle spreche, für all Deine Mühe bedanken. Du möchtest alles so perfekt machen, dass Du darüber gar nicht bemerkst, dass die Momente, die Du erschaffst, dem Perfekten fast schon zu nahe kommen. Allein das Programm dieser Tage und wie diese abliefen, hätte niemand besser geschafft.

Während unserer kleinen Tour mit dem Bus musstest Du des Öfteren wegen bestimmter Gegebenheiten umplanen. Wir schafften es wegen Zeitmangel letztendlich nicht an den Strand, doch hatten wir die riesige Chance, an der Reinigungszeremonie des Awa, dem Schamanen, teilhaben zu dürfen.

Wir saßen in ihrem kosmischen Domhaus, im Zentrum des Universums und lauschten seinen Erzählungen. Wir hatten die Chance zu fragen, was uns interessierte. Wie viele haben schon solch eine Ehre? Du gabst uns einen Einblick in die Weite von Hochtalamanca. Du brachtest uns an den Fluss, das Tor, und erzähltest uns über die Wanderungen, die dort stattfanden.

Durch Dich kamen wir in den botanischen Medizingarten. Unglaublich, wie viele Arten, wie viele Möglichkeiten sie bieten, wie viele Eigenschaften diese besitzen. Wir mahlen unseren eigenen Kakao auf alte traditionelle Weise und tranken diesen mit gesüßten Wasser. Dazu kam das köstliche Essen, das uns Deine Familie wie jeden Tag zubereitet hatte.

Am Ende, bevor wir nach dem Anbruch der Dunkelheit zurück fuhren, gingen wir noch unter einem Wasserfall duschen. Am Tag darauf gabst Du noch den meisten von uns eine Einweisung in die Kunst der Thai-Massage, zeigtest uns die verschiedenen Methoden mit den zuvor gesammelten Zutaten. Danke Dir, Ken, für all das und mehr!

Ein Dank gebührt auch Adolfo – ich mag ihn. An ihm haftet solch eine Ruhe. Er spricht schnurrend, mit einer Weichheit, die ich so noch nie zuvor gehört habe. Seine Bewegungen sind flüssig, elegant wie die einer Katze, sein Haar so schwarz wie das eines Panters. Das ist er, Adolfo, ein Bribri Indianer.