Ocean College

Ein Montag im Dschungel

Autor: Rene
Datum: 07.01.2019
Ort: Monte Alto, Costa Rica  

Nachdem wir gestern an der Pazifikküste unseren freien Sonntag am Strand genießen durften, gab es heute wieder einen Arbeitstag. Heute Morgen waren irgendwie alle etwas müde, wie es sich für einen Montag gehört. Das lag vermutlich daran, dass wir uns gestern in den großen Wellen gut ausgetobt haben. 

Nach dem Frühstück ging es erst einmal in die Bastelwerkstatt im Freien. Wir haben Kalebassen (das sind grüne, runde bis ovale Früchte, die etwa so groß und hart wie Kokosnüsse sind) ausgehöhlt, um uns entweder Flaschen oder Schalen daraus zu machen. Die Flaschen wurden gemacht, indem wir mit einer Machete oder einem Messer zunächst Löcher in die Schale gebohrt und dann mit einem kleinen Stück Bambus das Fruchtfleisch herausgeholt haben.  

Um auch die letzten Fruchtfleischstücke zu entfernen, füllten einige kleine Steine und ein wenig Wasser in die kleine Öffnung und schüttelten die Kalebassenschale kräftig. Nach diesem fast musikalischen Akt ist man dann mehr oder weniger fertig mit seiner Flasche. Die Herstellung der Schalen war weniger aufwendig. „Einfach“ in der Mitte aufsägen und das Fruchtfleisch mit einem Löffel entfernen. Überraschenderweise gab es heute keine Verletzten. 

Da ich als einer der Ersten fertig war, begann ich schon mal mit der nächsten Aufgabe: Stühle neu anstreichen. Die Stühle erinnern an Schulbänke von damals, da sie jeweils eine Armlehne zum Schreiben haben. Hier vor Ort sitzen vor allem Kinder darauf, die im Sinne der Umweltbildung einiges über den Wald und seine Pflanzen- und Tierwelt erfahren. Als wir nach ein bis zwei Stunden mit dem grünen Anstrich der ersten Stühle fertig waren, gab es das wohlverdiente Mittagessen – Hackfleisch mit Gemüse (Rote-Bete-Salat) und dazu (natürlich) Reis mit Bohnen. 

Danach ging es mit neuer Kraft wieder ans Stühle schleifen, abfegen und streichen. Während die frisch gestrichenen Stühle in der Sonne trockneten, machten wir uns ebenfalls, bewaffnet mit unseren Pinseln, an das Geländer und die Wand. Gegen 15:00 Uhr kam dann die frohe Botschaft von Viktor, einem Mitarbeiter von Tropica Verde hier vor Ort, dass unsere Arbeit geschafft und er stolz auf uns sei. 

Auf dem Weg nach unten beunruhigte mich Christin mit der Nachricht, dass ich heute noch den Tagesbericht schreiben müsse. Also fragte ich Niklas nach seinem uralten Laptop, dessen Optik stark einem spacigen Modell der 1980er Jahre ähnelt und auch eine Requisite im Film „Zurück in die Zukunft“ gewesen sein könnte. Nach einigen Startversuchen funktionierte er dann auch. Da vorhin angekündigt wurde, dass wir eine Stunde Zeit fürs Internet haben, konnte ich noch eine 30-minütige Internetpause einlegen (wir haben die Gruppe in zwei Teile geteilt, die jeweils eine halbe Stunde hatten, um das Internet nicht zu überlasten).  

Im fernen Deutschland war es zwar schon 0:30, aber es reichte, um ein paar Nachrichten zu lesen und zu verschicken. Aber dann war die Zeit auch schon wieder um und es gab mit etwas Verspätung Hühnchen mit (wer hätte es gedacht) Reis und Bohnen. Der restliche Abend verlief ziemlich entspannt und ich freue mich schon auf eine weitere Nacht mit frischer Luft (im Sechserzimmer auf der Pelican ist das nicht selbstverständlich) und in einem großen und weichen Bett. 

Euer Rene