Ocean College

Angekommen in San Jose

Datum: 11.01.2019
Autorin: Marlen
Ort: San Jose, Gastfamilie

Die erste Nacht in unserem neuen Zuhause habe ich mit Decke und Schlafsack verbracht. Wer hätte gedacht, dass es in Costa Rica nachts so kühl wird? Naja, jetzt sind wir auch nicht mehr im Regenwald an der Karibikküste, sondern in den Bergen im Landesinneren. Gegen sechs Uhr sind Lizzy und ich aufgestanden, noch bevor der Wecker klingelte, und haben dann ein wunderbares Frühstück mit Saft und Sandwiches von Mercedes (unserer Gast-Oma) bekommen.

Sie und ihre Enkelin begleiteten uns dann noch zur Kirche, wo wir uns heute getroffen haben. Zum ersten Mal seit zehn Tagen waren wir wieder vollständig, alle dreißig zusammen, und es gab einiges zu erzählen. Mit dem Bus fuhren wir dann nach San Jose rein und haben dort eine kleine Führung durch die Stadt bekommen.

Santiago (unser Ansprechpartner von der Sprachschule) zeigte uns auch das Nationalmuseum von Costa Rica, in dem wir unter anderem gelernt haben, wo der Name Ananas her kommt. Costa Rica ist der weltweit größte Bananen-Exporteur und auf den Kisten stand damals vorne fett „Bananas“ drauf. Zum Exportieren von Ananas nahmen sie einfach die gleichen Kisten. Um Bananen von Ananaskisten unterschieden zu können, strichen sie einfach das B weg, so dass von „Bananas“ schlussendlich nur noch „ananas“ übrig geblieben ist.

Wir fanden es alle sehr interessant, freuten uns aber, als es eine kleine Vesperpause gab. „Affenfütterung“ hätte man sagen können. Jeder bekam eine Banane, Kekse und einen Saft, womit wir es uns auf den Stufen vor dem Museum gemütlich gemacht haben. Es gab noch einiges zu erzählen.

Zehn Tage, die wir getrennt waren, sind eine lange Zeit, auch wenn wir diese Zeit alle sehr genossen haben. Mit Santiago ging es dann noch etwas durch die Stadt, bis wir mit dem Bus zurück nach Coronado fuhren. Zum Mittagessen sind wir in ein kleines Restaurant, nahe der Sprachschule, wo es Reis, Bohnen (welch eine Überraschung) und ein Fleisch oder Fisch seiner Wahl gab.

Ich habe die vegetarische Variante mit Spiegelei genommen, was auch satt gemacht hat. Voller Erwartungen sind wir dann zur Sprachschule gelaufen. Es ist ein sehr schönes Gelände mit Garten, Volleyballnetz, Tischtennisplatte und schnellem WLAN. Über Letzteres waren alle sehr erfreut und haben gleich erstmal Nachrichten in die Welt geschickt.

Auch ich habe mit zu Hause telefoniert, bevor uns dann der Einstufungstest bevorstand. Bei mir fiel der Test sehr kurz aus, da ich, mal abgesehen von den wenigen Spanischstunden, die ich bei Ronja auf dem Schiff hatte, gar kein Spanisch kann. Auch die Kommunikation in unserer Gastfamilie ist – sagen wir: einzigartig.

Mercedes spricht ausschließlich spanisch, sodass Lizzy und ich es mit Händen und Füßen probieren, unsere Latein-und Französischkenntnisse ausgegraben haben, um ein paar Wörter zu verstehen und sonst einfach immer nicken und lächeln. Aber zur Not gibt es ja noch den Google-Übersetzer, obwohl auch das zu Komplikationen führen kann, wie wir heute feststellen konnten, als Mercedes uns ein typisches costa ricanisches Gericht (Gallo Pinto) zeigen wollte und wir dachten sie isst Pferd.

Wie gesagt, die Kommunikation ist einzigartig, aber deswegen sind wir ja auch hier. Mercedes hat uns auch von der Sprachschule abgeholt und Lizzy und mir Kaffee und Kuchen zubereitet. Sie kümmert sich echt rührend um uns und hat heute sogar unsere ganze verdreckte Regenwald-Wäsche gewaschen.

Lizzy und ich haben uns dann entschieden, noch einen kleinen Trip in die Stadt zu machen, Kleinigkeiten für die Tour auf den Vulkan morgen zu kaufen und uns durch eine Bäckerei zu probieren. Vor den Stufen der Kirche haben wir süße Stückchen gegessen und uns über das unterhalten, was uns die nächsten zwei Wochen bevorsteht.

Heute haben wir eine genaue Einweisung, Regeln, Programm und Uhrzeiten bekommen. Es war ziemlich viel Info, aber wir sind hier in guten Händen und Santiago kümmert sich gut um uns, wenn Niki demnächst in den Urlaub und Johannes (Borchert) wieder zurück nach London geht. Wir werden Johannes sehr vermissen, er war die letzten vier Wochen mit an Bord und ist ein Teil der Ocean College Crew 2018/19 geworden.

Morgen lernen wir den anderen Johannes (Hochholzer), unseren Physik- und Geschichtslehrer, kennen. Jetzt nach dem Abendessen wollen Lizzy und ich noch Laurenzia machen, unser Bewegungsprogramm, und dann fallen wir ins Bett, denn morgen müssen wir wieder früh raus.

Viele Grüße an meine Freunde daheim, übermorgen ist Halbzeit und es geht schon wieder nach Hause. Der Blau Gelben Garde wünsche ich übermorgen viel Glück, Spaß und Erfolg bei den württembergischen Meisterschaften, rockt die Bühne! Und ein dickes Küsschen geht an meine Familie. Unsere Gastfamilie hier ist zwar großartig, aber ich freu mich schon, wieder von Mama bekocht zu werden…