Ocean College

Christian zeigt Daumen hoch

Ein Ratgeber für Unentschlossene

Date: 04.02.2018
Autor: Christian
Position: Isla Bastimentos, Panama
Geographical Position: 9.28.2N / 82.18.6W
Etmal: total 6888 NM

Als ich mich eben dransetzte, den heutigen Tag noch einmal durchzugehen, fand ich, er eignete sich gut als Beispiel um zu beschreiben, was eigentlich so alles Positives passiert und was manchmal auch ganz schön anstrengend ist, auf dieser Reise. Hier also ein kleiner Ratgeber für Unentschlossene. 

Was man bedenken sollte:

  • Manchmal braucht man ziemlich viel Geduld. Heute wollten wir eigentlich um 11:00 Uhr los segeln, aber es dauerte dann noch bis 15:30 Uhr, weil die Einkäufe später als geplant ankamen.
  • Oder man muss die Wache eine Stunde länger machen als die offizielle Zeit (wie die White Watch heute), weil wir (die Blue Watch) noch Hilfe brauchten einige Segel zu setzen.
  • Man muss Befehle entgegen nehmen und ausführen können – auch wenn es manchmal anstrengend ist oder auf den ersten Blick unnütz erscheint (so wie Robert und ich heute, als wir insgesamt drei Mal auf den Main Mast klettern mussten). 
  • Man muss vier Stunden am Stück Wache machen können (so wie alle immer einmal am Tag) und dafür zu allen möglichen und unmöglichen Uhrzeiten aufstehen und wach bleiben. 
  • Man muss sich in der Schule konzentrieren oder die Reling schleifen können, auch wenn draußen tropische Temperaturen herrschen, man von wunderschönem blauen Wasser, weißen Stränden und Palmen umgeben ist (die Schule hat heute auf der panamesischen Isla Bastimentos bei gefühlten 35 Grad wieder angefangen).
  • Man muss auch mal von zwei Toastsandwiches zum Mittagessen auskommen, weil die Köchin gerade die Vorräte für 41 Personen, die bis Kuba reichen müssen, auffüllt.
  • Man muss immer Ordnung halten, weil sobald wir wieder auf See sind, muss alles seefest sein (sonst fliegt alles rum).

Was du dafür erleben kannst:

  • Anfang Februar morgens aufstehen und es sind schon tropische Temperaturen.
  • Das man sich, wie ich jetzt nach dem Zimmerwechsel, wahnsinnig über die Klimaanlage freuen kann (auch wenn es ganz schön schaukelt vorne im Bug)
  • Das Erlebnis den Dry Store gemeinsam mit der kompletten Schiffscrew mit so viel Lebensmitteln aufzufüllen, dass es unglaublich ist (ich so etwas hab noch nie gesehen) – auch mit vier Stunden Verspätung 😉
  • Mit einem Dreimaster von so einem schönen Ort los zu segeln und dabei endlich wieder eine frische Brise auf See zu fühlen 
  • Eine abgelegene Insel mit wunderschönem Wasser zum Baden kennenlernen, zu der wahrscheinlich die wenigsten jemals hinkommen 
  • Den Super Bowl am Strand unter Palmen schauen zu können 
  • Viele Dinge übers Segeln zu lernen und in der Nachtwache meistens einen umwerfenden Sternenhimmel zu sehen
  • Sonnenaufgang und -untergang über dem Atlantik zu sehen – jeden Tag!
  • Überall neue nette und offene Menschen kennenlernen 

Die positiven Dinge überwiegen eigentlich jeden Tag, obwohl es auch manchmal Momente gibt, bei denen man sich eher wünscht Zuhause zu sein (z.B. bei Seekrankheit). Wenn ich die Aufgabe kriegen würde, dass ich jeden einzelnen einzigartigen, schönen oder aufregenden Moment aufschreiben müsste, würde ich jedenfalls bis ans Ende der Reise nicht fertig werden.

Die ganze Reise ist ein einzigartiges Erlebnis, welches wahrscheinlich die wenigsten von uns je wieder in diese Richtung erleben werden können. Es ist nicht immer leicht und es ist auch schon gar nicht immer wie ein Urlaub.

Es ist oft anstrengend, aber ich denke, dass ich im Namen von jedem hier an Board, auch der Permanent Crew, spreche, das ich diese Reise jederzeit wieder und wieder machen würde, egal, was es kostet. Und egal, was noch so kommt, ich werde jede einzelne Sekunde, die auf dieser Reise noch bevorsteht, genießen.

Ganz liebe Grüße an meine Familie und all meine Freunde zu Hause!