Ocean College

Schiff auf dem Ozean

Sunday Funday – Chaos Edition

Datum: 10.02.2019
Autorin: Tabi
Position: Karibisches Meer
Geographical Position:18‘48.6 N / 082‘21.1 W
Etmal: (total) 7521 nm

Als ich Christin und Anousch während einer spontanen Nachmittagswache gefragt habe, wie ich diesen Tagesbericht schreiben soll, damit ich eine gute Note in Deutsch dafür verbuchen kann, bekam ich den eher wenig hilfreichen Vorschlag, über die tolle Deutschlehrerin und die wundervolle Watchleaderin zu schreiben. Die prägendste Eigenschaft der beiden ist natürlich ihre Bescheidenheit.

Der hilfreichste Tipp war dann doch, mir einen roten Faden zu suchen.
Dafür eignen sich die diversen technischen Missgeschicke, die den heutigen „Sunday Funday“ noch interessanter machten. Aber beginnen wir doch am Anfang.

Der Anfang wäre mein spätes oder sollte ich sagen, frühes Aufstehen um kurz vor Mitternacht. Nach dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ bin ich natürlich voller Elan aus dem Bett gesprungen… wenn man meinen lebendigen Wecker (Tati) aus der Wache vorher fragt, war es wohl eher „der frühe Vogel kann mich mal“.

Immerhin stand ich pünktlich um 0:00 auf der Brücke. Die nächsten zwei Stunden habe ich mich dann nicht weiter als einen Meter vom Helm weg bewegt und mit Anousch und Lauryn „gesungen“.

Den zweiten Teil der Wache wurden wir dann vom General Alarm in Atem gehalten. Dieser geht automatisch an, wenn es (seiner Meinung nach) ein Problem gibt und zeichnet sich durch orangenes Blinken aus. Sobald es anfängt zu blinken, hat man 30 Sekunden um im Wheelhouse und im Comms Room den Mute-Knopf zu drücken, um den Alarm stummzuschalten.

Falls man zu spät auf den Mute-Knopf drückt, ertönt ein Alarm auf dem ganzen Schiff. Wie wir später an diesem Tag noch erfahren haben, funktioniert das System einwandfrei und weckt wirklich alle.

Zunächst bestand nach mehrmaligem Stummschalten des Alarms scheinbar kein Problem mehr, weswegen wir die Verantwortung an die nächste Wache übergaben. Tja, da haben wir uns auf jeden Fall getäuscht, denn um kurz nach 6:00 ging der Alarm dann doch für alle los.

Weder Penelope, Lena noch ich konnten die Kraft aufbringen, um aufzustehen und zum Muster in die Messe zu gehen, wie es eigentlich Prozedere gewesen wäre. Zugegeben, die beste Überlebenstaktik im Ernstfall ist das nicht. Lauryn ist immer noch stolz, dass sie als allererste oben war (“Tabi, du bist verbrannt, du Lusche”).

Zum Glück gab es danach eine Entwarnung von Ben per Durchsage. Wir sind einfach wieder eingeschlafen und erst wieder aufgewacht, als der sonntägliche Deep Clean losging.

Das nächste Highlight in Form eines überhitzten Generators ließ auch nicht lange auf sich warten. Der folgende Stromausfall sorgte dafür, dass wir Toiletten und Duschen im Dunkeln mit Stirnlampen putzten. Die Klimaanlage funktionierte auch nicht, sodass die ganze Putzaktion ein kostenloser Saunabesuch für uns war.

Ofen und Herd werden auch durch den Generator betrieben, weswegen es kalte Wraps zum Mittagessen gab. Der Generator war dann zwar bald repariert, aber für die Crew gab es keine Zeit für Entspannung, denn das Clewlinegasket hatte sich am Royal verhakt und musste entknotet werden.

Auch unser vorgezogener Valentinstag war ein wuseliges Chaos. Alle hatten Zettel gezogen und waren damit beschäftigt, den entsprechenden Partner zu finden. So fanden sich einige zum Beispiel als Salz und Pfeffer oder Tom und Jerry, während Miriam und ich das britische, königliche Traumpaar Prince Harry und Meghan waren.

Lauryn wäre danach am Liebsten bei ihrem Partner eingezogen, da in ihrem Zimmer Wasser aus dem Waschbeckenrohr ausgelaufen war und einige Sachen unter dem Bett feucht geworden waren. Damit war das Zimmer während der Reparaturaktion für kurze Zeit am Abend nicht benutzbar.

Schon kurz nach dem Abendessen konnten alle Zimmerbewohnerinnen für ihren verdienten Schlaf vor der nächsten Wache in das Zimmer zurück.
Glücklicherweise funktionierte abends der Strom und damit der Fernseher/Beamer, sodass wir, wie geplant, einen Film über die Kubakrise, „13 Days“, gucken konnten.

Dieser musste nur kurz unterbrochen werden, um Segel reinzuholen, denn als krönender Abschluss dieses lustigen Tages war eine Windböe auf dem Weg zu uns.

P.S.: Liebe Grüße an meine Eltern und Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag an meine Tante und meinen Onkel.