Ocean College

Schüler mit verschmierter Farbe im Gesicht

Traue Niemanden

Datum: 12.02.2019
Autor: Justus
Position: Karibisches Meer vor Kuba
Geographical Position: 22° 07,6 N, 80° 27,4 W
Etmal: 7634 nm

Vor vier Monaten geschah es das erste Mal. Am 30. Oktober, ein Dienstag. Plötzlich fing der von allen geliebte Trockner an zu rauchen. Kurze Zeit später verließ er die Welt der Lebenden. Todesursache? Papier in einer der Hosentaschen.

Was damals noch wie ein Unfall aussah, konnte aufgrund der neuesten Umstände viel mehr als nur das sein. Vor nur einer Woche kam es zu einem weiteren Unglück. Oder einem weiteren blutrünstigen Mord? Man weiß es nicht. Doch dafür bin ich hier. Ich, (witzigen Detektiv Namen einfügen), werde dieses Mysterium lösen.

Am Abend des 6. Februars erreichte uns die Schreckensnachricht. Von unserem Gruppenleiter mussten wir erfahren, dass unsere Mikrowelle von uns gegangen sei. Todesursache? Unbekannt. Verdacht auf einen weiteren Unfall. Doch damit wollte ich mich nicht zufrieden geben.

Nachdem niemand vorhatte, seine Schandtat zu gestehen, beschloss ich der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Heute ist Tag 7 meiner Nachforschungen, immer noch steht sie an derselben Stelle, bedeckt mit Anti-Slip Matten und einem Schild auf dem ‘R.I.P Mikey’ geschrieben steht und immer noch keine festen Beweise.

Nur Theorien, tausende von Theorien. Waren es Lauryn und Niklas, die sich nach ihrer 00:00 bis 04:00 Wache, mitten in der Nacht, jedesmal die Reste des Vortags warm machen? Oder doch Tati, die sich, wie üblich, tonnenweise Käse über ihrem gemüsefreien Essen schmilzt?

Fragen über Fragen. Der Tag begann, wie typisch, mit dem Frühstück. Ich konnte den beiden Toastern ihre Angst regelrecht ansehen. Auch sie wussten, dass mehr hinter den Ereignissen stecken muss, als die Mehrheit vermutete.

Die meisten Schüler*innen verhielten sich unauffällig. Schoben sich schlaftrunken ihre Toasts rein oder löffelten ihr in Milch aufgeweichtes Müsli. Doch ihr Schein kann mich nicht trügen. Einer von ihnen war es.

Im Physik Unterricht begannen die ersten durch Experimente mit den Flaschenzügen langsam zu erwachen. Und dann passierte es. Während einer Demonstration der Newtonschen Gesetze, in der ein Topfdeckel als Rad diente, brach Johannes gewaltsam den Topfgriff ab. Erstaunt schaute er in die Runde, als wüsste er nicht, was er gerade getan hatte.

Die meisten kauften ihm seine Show ab, aber mich täuscht man nicht so leicht. Wahrscheinlich musste auch die Mikrowelle bei einem seiner verrückten Experimente dran glauben. Eins ist klar. Ihn werde ich in den folgenden Tagen besonders im Auge behalten.

Während des Mittagessens verspürten wir ein weiteres Mal, was der Verlust von Mikey wirklich für uns bedeutete. Allen, denen es nicht nach kalten Reissalat vermochte, war es nicht wie üblich möglich, die Reste des Vortags warm zu machen. Warum? Das können sie sich nun wahrscheinlich selbst denken. Aber ich sag nur, selber Schuld. Man muss nun mal mit den Konsequenzen seiner Taten leben.

Wenige Stunden nach dem Mittagessen wurden wir zu einem Man over Bord-Drill an Deck gerufen. Nur ein Ablenkungsmanöver der Crew? Ich blieb fokussiert auf das, was wirklich wichtig ist. Aber auch in den folgenden Stunden fiel mir nichts Verdächtiges auf. Bis auf Fabian und Sebastian, die Helenas Beine mit mysteriösen Zeichnungen versahen.

Gitarren? Kompass? Rasierklinge? Komische Grimassen? Segelboot? Bein? Ein Bein auf einem Bein??? Eine geheime Nachricht? Was wollt ihr mir mitteilen? Hinweise? Dieser Fall wird immer verstrickter.

Und wenn ihr denkt, das war’s, dann habt ihr euch gewaltig getäuscht. Wahrend des Abendessens erlaubte sich das Galley Team einen Spaß. Oder war es mehr als nur das? Asia Nudeln, Teriyaki, Bohnen. Alles ganz normal. Wäre da nicht diese eine weitere Beilage gewesen.

Rote Beete. Rot gleich Blut. Blut gleich tot. Tot gleich Mikrowelle. Alles ist verknüpft. Alles hat eine Bedeutung. Auch die Neuwahlen des Schiffrats während des 19:30-Meetings. Ein weiterer Versuch, mich von meiner Arbeit abzulenken? Was haben die Lehrer zu verbergen? Crew, Schüler, Lehrer. Jeder konnte es gewesen sein. Alle stehen im Visier. Traue Niemanden.

P.S.: Liebe Grüße an meine Familie. Keine Angst, ich bin nicht verrückt und auf der Suche nach dem Mikrowellen-Mörder. Ich hoffe Mama berichtet euch immer von unseren Telefonaten. Und Papa schreib mir mal deine Top Ten Lieblingssongs von RHCP, Kings of Leon und co. Hab euch alle lieb.

P.P.S.: von Marlen: Mama, ich wünsche dir alles, alles Gute zum Geburtstag. Ich hoffe du hast dir einen schönen Tag gemacht! Ich hab an dich gedacht und hab dich lieb.

P.P.P.S.: Ganz liebe Grüße an Mama, Papa, Simon und Hanna von Lena. Keine Sorgen meinen Beinen geht’s super, die sehen jetzt sehr schön aus:) Hab euch alle lieb bis zum Mond und zurück, Lenchen