Ocean College

Schülerin steuert das Schiff

Back at sea – das große Kotzen nimmt wieder seinen Lauf!

Datum: 22.02.2019
Position: Caribbean Sea 
Nautische Position: 1900 21° 30.7‘ N 81° 17.7‘ W
Autorin: Theresa
Etmal: (total) 7918NM

Wahrhaftig! Wir sind dem Mañana-Land entflohen! Nach etlichen Mañanas, wie “Mañana, morgen reparieren wir unseren Tanker”, “Mañana, morgen füllen wir ihn auf” oder “Mañana, morgen bekommt ihr euren Diesel” haben die lieben Öl-Lieferanten tatsächlich ihr Wort gehalten und uns gestern 3 Tage zu spät unsere 9 Tonnen Diesel gebracht.

Heute konnten wir also endlich ablegen! Aus der ursprünglich geplanten Abfahrt um 06.00 Uhr wurde schließlich 8.30 Uhr, denn die kubanischen Beamten wollten uns den Spaß an einem Fotoshooting nicht verweigern. Beginnend mit Projektleiter Niki und Käpt’n Chris um 05.00 Uhr wurden wir alle nach Vornamen alphabetisch sortiert an Land geshuttled um fotografiert zu werden und uns den Stempel im Pass – sehr kunstvoll mit Anker und Blume – abzuholen. 

Wie gut, dass ich Theresa und nicht Christin oder Elly heiße. Ich wurde nämlich erst um 07.00 zum Frühstück geweckt und danach an Land gebracht. Ach, wie gerne hätte ich noch weitergeschlafen, zum einen auf Grund meines Traums von einer Wanderung durch die bayrischen Alpen, zum anderen, weil ich – wie alle hier – nicht allzu viel geschlafen hatte.

Das liegt daran, dass wir abends nicht nach unten in unsere Kabinen durften, wegen der ganzen Dieselabgase vom Tanken. 

Beim Zähneputzen nach einem leckeren, selbst gebackenen Brot mit selbstgemachtem Hummus von gestern habe ich vorsichtshalber noch einmal überprüft, dass der Türriegel der Badtür meiner Kabine auch ausgebaut ist.

Zwar können wir jetzt nicht mehr abschließen, aber wenigstens kann es jetzt kein weiteres Mal passieren, dass der Riegel sich durch den Wellengang verselbstständigt und die Tür von innen verschließt. Erst als er von selbst wieder zurückgerutscht war, konnten wir das Bad wieder benutzen und sehen es jetzt als richtigen Luxus an, ein eigenes Klo, eine eigene Dusche und ein eigenes Waschbecken zu haben. 

Nachdem wir dann letzten Endes mit einem Schiffshupenkonzert von uns und der piepsigen Hupe von High Seas High School losgesegelt sind, war Mathe und Geschichte angesagt. Endlich habe ich das Ableiten von Funktionen verstanden! 

Für Elisa war der Unterricht wohl weniger erfreulich, sie zog statt der Aufnahme einer Rede von Frank-Walter Steinmeier den Blick von der Reling auf den Horizont vor, um sich mehrmals zu übergeben.

Meine anschließende Wache war recht entspannt. Entweder habe ich mich mit Elisa und Anousch unterhalten oder über meine Gedanken nachgedacht. Ich habe nämlich mit Helena ein verdammt spannendes Hörbuch angefangen: Mindreader.

Es geht um ein Mädchen, das Gedanken anderer Leute hören kann. Einmal sagt sie, dass Menschen sehr oft in Dialogen denken. Sie stellen sich Streitsituationen oder Gespräche vor, die sie gerne führen würden, und malen sich aus, was sie und die andere Person sagen würde. Je mehr man darauf achtet, desto mehr fällt einem auf, dass es wirklich so ist.

Jaja, es ist schon interessant, was einem so durch den Kopf geht, wenn man auf Wache ist und die einzige Aufgabe das Absuchen des Meeres nach potentiellen Schiffen oder Bojen ist, die meist nicht auftauchen. 

Zwischendurch hat sich Elisa noch einige Male übergeben. Ich schätze es heute aber nur auf ca. fünf Mal. (Keine Sorge, Elisa geht es sonst ganz gut. Sie lässt liebe Grüße an ihre Familie ausrichten!)

Mittlerweile ist es schon 19.40 Uhr, gerade habe ich zu Abend gegessen und sitze jetzt in der Messe wo sich mit mir alle darüber freuen, dass es heute Kokosmakronen gibt: Zwei für jeden.

Für Helena und mich wird es heute sogar noch einen Nachtisch geben: wir haben uns gestern all die schon halb braunen und gequetschten Bananen, die keiner mehr wollte, eingefroren, um Bananeneis zu machen! Wenn um 20.00 ihre Wache zu Ende ist, wird unser Plan umgesetzt!

Danach habe ich vor, bald ins Bett zu gehen. Vielleicht ende ich aber auch mal wieder oben auf der Bridge, wo Helena, Fabi, Basti und ich des Öfteren Justus in seiner Wache begleiten.

Fröhliche Grüße (weil ich nicht seekrank bin) und alles Liebe an meine Freunde und Familie zu Hause! Ich freue mich, schon hoffentlich bald wieder von euch zu hören! Fühlt euch gedrückt! 

Eure Theresa

P.S.: Liebes Cousinchen zweiten Grades (ich hoffe du fühlst dich jetzt angesprochen Sonja), ich wünsche dir jetzt hoch offiziell alles Gute nachträglich zum Geburtstag und drück dich ganz fest vom anderen Ende der Welt. Ich denk ganz viel und fest an dich und hoffe, du hast manchmal Schluckauf deswegen. Ich freue mich auf das Fest meiner Eltern, wo wir uns endlich wieder sehen, deine Helena