Ocean College

Elly auf der Pelican

Von Werwölfen, einer Zeitreise und Zähneputzen unter den Sternen

Datum: 24.02.2019
Position: On the way to Bermuda
Nautical position: 21°51.6’N; 84°58.5’W
Autorin: Elly
Etmal: (total) 8078 NM

Heute Morgen, als ich um vier Uhr zur Wache aufgeweckt wurde, wurde ich einmal mehr daran erinnert, dass das Leben auf einem Segelschiff mit nichts zu vergleichen ist.

Ich lag mit meiner Bettdecke und meinem kompletten Bettbezug zusammengeknautscht in dem Stück Segeltuch, das vor die meisten Betten gespannt ist, damit man nicht aus ihnen herausfällt. Das klingt vielleicht ganz gemütlich, ist aber eine denkbar unbequeme Position.

Als ich mich von dem Durcheinander befreit hatte, war die nächste Herausforderung aus dem Bett zu steigen, ohne Ronja zu wecken, die unter mir schläft und vor allem ohne durch das halbe Zimmer zu fliegen, das auf Grund des Heelings ziemlich schräg geneigt war.

Schlussendlich bin ich dann aber doch heil oben auf der Bridge angekommenen, wo ich mich für die nächsten vier Stunden aufgehalten habe.

Zum Frühstück gab es, weil Sonntag war, Rührei. Nach der mehr oder weniger ereignislosen Wache habe ich mich nochmal hingelegt und bis elf Uhr geschlafen. Dann wurde ich zuerst von Basti geweckt und ca. fünf Minuten später ein zweites Mal von Anousch.

Passend zur ‘Sunday Funday Full Moon Edition’ hat sie ein Lied gespielt, das ‘Running with the Wolves’ heißt. Wie immer sonntags haben wir kurz nachdem alle aus den Betten geholt worden waren mit dem Deep Clean angefangen. Das hieß für die Blue Watch Toiletten putzen.

Als auch das bewältigt war (Toiletten putzen klingt zwar nicht so klasse, geht aber verhältnismäßig schnell), hatten wir ein bisschen Freizeit, bevor es Mittagessen gab. Nachdem das Risotto gegessen war, gab es das jedes mal sehr geheimnisvolle Happy Meeting.

Diesen Sonntag wurde angekündigt, dass es auf der Etappe bis Bermuda eine Variation des Spiels ‘Werwolf’ geben wird. Im Anschluss haben wir alle unsere Rollen gezogen und das Spiel konnte beginnen. 

Um zwei Uhr hatten wir Navigational Class über die verschiedenen Schiffstypen und die deutschen Namen der Segel von unserer Ersten Offizierin Babs. Um halb vier, nachdem die Segelunterrichtseinheit beendet war, haben ein paar andere und ich Sachen für den Unterricht zuhause gelernt, bis es um viertel nach sechs Abendessen gab (Hühnchenschnitzel mit Kartoffeln und Erbsen).

Danach saßen wir noch eine Weile draußen und haben bestimmt zum hundertsten Mal auf dieser Reise beobachtet, wie die Sonne über dem Meer unterging.

Um halb acht hatten wir ein Crewmeeting. Chris erklärte uns, dass unser Startermotor nicht mehr funktioniert und wir deshalb, wie vor zweihundert Jahren, nur mithilfe des Windes und der Strömungen versuchen werden nach Havanna zu kommen, um dort alles wieder reparieren zu lassen. Willkommen zu einem neuen Abenteuer!

Was ich an dieser Reise liebe? Überraschungen wie diese. Anlässlich zu unserer Zeitreise hat Steve angekündigt, dass wir unsere Geschwindigkeit mit der alten Knotenmethode messen werden.

Nach dem allgemeinen Meeting wurden uns noch die Gruppenfotos von der Stadtralley in Cienfuegos gezeigt und es wurde überprüft, ob wir auch wirklich die Namen von den Familienmitgliedern unserer Gruppe auswendig gelernt hatten.

Im Anschluss gab es die Nussriegel, die wir alle mit dem restlichen Budget besorgt hatten und Abbies geniale Flapjacks. Als ich unten in der Green Mile stand und mir die Zähne geputzt habe, kam auf einmal Kira R. von der Wache runter, schwärmte von dem Sternenhimmel und schickte Marcel und mich hoch auf die Bridge.

Dort putzte ich dann also meine Zähne fertig, den Blick in den Himmel bei der Milchstraße und den Millionen von Sternen. Was für ein schöner Ausklang für einen Tag auf See – eigentlich wie immer, aber doch jedes Mal wieder etwas Besonderes.

Liebe Grüße von einem segelnden Pelikan,
Elly

P.S.: Alles gute zum Geburtstag Momo Hab einen ganz schönen Tag, deine Pepe

P.P.S.: Viele Grüße von Louiz an Zuhause und alles Gute zum Geburtstag, Maliqa! 

P.P.P.S.: Viele Grüße an Familie Jacobs und Kunz von Robi und Sinan