Ocean College

Peer setzt die Segel

Abenteuer unter Segeln

Datum: 26.02.2019
Autor: Peer 
Position: vor der Küste Kubas
Nautische Position: 23° 00,9 N 84° 29,5 W
Etmal: (total) 8216 nm

An diesem wunderbaren Morgen wachte ich super entspannt auf, denn am gestrigen Tag hatte ich Galley und durfte daher schon ab 20:00 Uhr ins Bett und nicht erst wie sonst um 0:00 nach meiner Wache. Jedoch durfte ich noch beim Tacken (Wende) helfen und bekam daher nur noch 9 Stunden Schlaf, trotzdem ein Luxus.

Ich machte mich auf mein Frühstück zu konsumieren, bestehend aus Müsli und zwei Scheiben Brot mit Marmelade. Wie eigentlich jeden Morgen begebe ich mich auf die Picknicktische an Deck und genieße den Sonnenaufgang mit kleinen Gesprächen.

Auf gehts zur Wache! Zähneputzen und Harness anziehen, schon stehen wir zu sechst auf der Brücke. Erstmal Sonnencreme auftragen, denn während der Red Watch steht man üblicherweise lange Zeit in der Sonne, sodass gerne Bräunungsstreifen entstehen.

Bei einer Person am Steuer, zwei auf den Lookouts und eine die Logbuch schreibt, bleiben nach einfacher Mathematik zwei Personen übrig, die Freizeit haben. Diese wird gerne genutzt um zu reden, unser Klarheit Tagebuch zu schreiben, oder einfach ein Flaggenbuch oder doch das deutsche Grundgesetz zu lesen. Wusstet ihr das Dominika das einzige Land ist, dass Lila auf der Flagge hat?

Auch begibt man sich gerne auf den Weg in die Messe um eiskaltes Wasser zu holen, denn wie Anousch (Zweite Offizierin) immer sagt: ‘Sunscreen, drink water and be happy’, was der tägliche Slogan ist.

Auf dem Weg in die Messe hörte ich Ronja noch sagen, dass ich doch nach dem Essen fragen solle, was jeden Tag eine interessante Frage ist. So erledigte ich meine Aufgaben und kam zurück mit sehr guten Nachrichten: Es gibt Lasagne!!! 

Wir dümpelten weiter in Richtung Havana, um dort die anstehenden Reparaturen am Motor zu erledigen. Mit knapp 0,6 – 2 Knoten hätten wir noch mehr als genug Zeit um das Grundgesetz auswendig zu lernen.

Naja, die Wache war dann nach vier Stunden irgendwann auch zu Ende und wir durften unser Mittagessen genießen. Wie jeden Tag gegen zehn nach eins gab es unser Happy Meeting, und auch weiterhin schafften es einige nach 4 Monaten zu spät zu erscheinen. 

Die wichtigsten Nachrichten immer zuerst, und diese brachten große Aufregung mit sich: Chris erklärte, dass ein US Coast Guard Schiff aus Miami vorbeikommen und uns abschleppen wird. Der Wind soll ab heute und für die nächsten Tage abflauen, sodass wir nur noch herumdriften würden und dies ist zu gefährlich (für unseren Zeitplan).

Trotzdem mussten wir noch geduldig bis zehn Uhr abends warten während das Coastguard-Schiff mit 25 Knoten auf uns zu raste. 

Als Motimentoren (motivierte Mentoren – Ausdruck von Ronja) haben wir uns zu viert (ohne Marcel, der hatte Wache) zusammengesetzt, um die Regeln der Internationalen Schifffahrt aufzuschreiben und zu lernen. Diese super Idee kam von unserer ersten Offizierin und beruhte auch zu 80 % auf einer freiwilligen Entscheidung.

Wir schrieben Karteikarten und befassten uns mit den Verkehrsregeln auf See, wer wo Vorfahrt hat und wie Kollisionen vermieden werden. Nach der Hälfte der Zeit hatten wir keine Lust mehr und ich beschäftige mich mit meinem Pathway Essay, den ich am Montag abgeben muss. Da ich noch meine Wäsche waschen wollte, konnte ich meinen geliebten Mittagsschlaf nicht halten und schon war wieder Abendessen an der Reihe.

Jeder war schon den ganzen Tag ganz verrückt nach der Lasagne. Wieder saßen wir an den Tischen draußen und sahen wie die Sonne untergeht. Da fasste Sophie unsere Situation kurz und bündig zusammen: „Wir sitzen hier, essen Lasagne und schauen auf den Sonnenuntergang, während wir langsam dahin dümpeln und auf den Abschleppdienst warten.“ 

Sehr lecker und gestärkt machte ich mich wieder auf den Weg zur Wache. Diese Wache war eine der entspanntesten, die ich seit langer Zeit hatte. Wir hatten fast keinen Wind und trieben quasi auf der Stelle. Selbst die Ruder-Kommandos waren einfach: 40 Grad Steuerbord, damit wir im Kreis fahren und die Küstenwache leicht zu uns findet.

Wir setzten noch ein paar Segel, nur um diese dann wieder reinzuholen und wieder zu setzen. Anders gesagt, wir warteten einfach drei Stunden bis irgendwann am Horizont ein Licht auftauchte. Chris meinte, dass dieses Licht schon die Küstenwache sein müsste und das Licht wurde schnell größer.

Als sie 4 Meilen entfernt waren funkten sie uns an und fragten, wie viele Menschen an Bord sind (42) und ob wir medizinische Notfälle haben (nein). Am Ende lief es darauf hinaus, dass sie zuerst ein paar Ingenieure schicken wollen, die versuchen wollen den Motor vor Ort zu reparieren, jedoch erst am nächsten Morgen.

Dies bedeutete, dass die Küstenwache uns die ganze Nacht folgen würde, mit viel PS immer hinter einem 0,8 Knoten langsamen Tall Ship hinterher. 

So war die Aufregung erstmal schnell wieder vorbei, denn wir mussten auf morgen warten. Ich ging nach der Wache noch schnell duschen und dann direkt ins Bett, voller Vorfreude auf einen neuen Tag auf der Pelican in einem unberechenbaren, aber unvergesslichen Abenteuer. 
Gute Nacht euch allen!