Ocean College

Schiff wird gezogen

Ship happens…

Datum: 03.03.2019
Autor: Robert
Position: Key West, USA
Nautische Position: 24° 32.591 N; 81° 49.246 W
Etmal: (total) 8403 nm

Ein weiterer, spannender, Monat liegt hinter uns und die Tage vergehen wie immer im Flug.

Es bleiben uns nur noch wenige Wochen, 3 Galley Duties, einmal Tagesbericht schreiben und 2 Landaufenthalte mit Ocean College. Der letzte Monat, der Februar, brachte viele Turbulenzen und große Überraschungen mit sich.

Nach unserem langen Landaufenthalt in Costa Rica konnten wir auch wieder in die alte Schiffsroutine zurückkehren, die wichtig für unsere nächste Reiseetappe sein wird, die Überquerung des Nord-Atlantiks.

Die Pelican of London, unser Zuhause seit den letzten 4 Monaten, erschien nicht grade unverändert, oder eher unversehrt, als wir sie Ende Januar nach unserem Besuch auf Carlos Kaffeefarm (Costa Rica) wieder betraten.

Einige neue Beulen im Rumpf, zerkratze Lackierung, geplatzte Fender und eine mitgenommene Reeling stachen einem sofort ins Auge, als Pete, unser Deck Hand, uns an Bord shuttelte.

Unser angelaufener Hafen in Costa Rica, der Hafen von Puerto Limón, war wie unser Captain Ben es sagte ‚All but good to the Pelican‘ – alles andere als gut zur Pelican. Und das war er auch.

Von nervenaufreibender Bürokratie bis hin zu ungeeignet hohen Hafenkaimauern und einem unerbittlichen Swell schien es so, als würde Limón die Pelican nicht gerade mögen.

Mit unheimlich vielen Eindrücken aus Costa Rica im Kopf, setzten wir dann die Segel und nahmen Kurs auf Panama. Wie Marokko vor einigen Monaten war Panama ein ungeplantes und kurzfristig gewähltes Ziel, und auch das machte Panama zu einem der bis jetzt schönsten Ziele auf dieser Reise, weil wir uns mental nicht darauf vorbereiten und einfach überraschen lassen konnten.

Als Panama nach nur einem Tag dann in Sicht war, schlängelte sich die Pelican noch für einige Stunden durch ein von Mangroven bewachsenes Inselgebiet, ehe wir in der ‚Red Frog Marina‘ ankamen. In Panama verbrachten wir die Zeit mit Strandbesuchen, einem kleinem Spaziergang und dem gemeinsam Pizza Essen an einer Strandbar.

Hier konnten wir auch die benötigten Essens-Reserven aufstocken. Der letzte Abend in Panama war der Tag des 53. Super Bowl, den wir gemeinsam mit einigen Amerikanern an der gleichen Strandbar schauten, in der wir Pizza gegessen hatten.

Für mich war es ein unvergesslicher erster Super Bowl, nicht nur weil es ein spannendes Spiel war, sondern wegen der gesamten Kulisse an diesem Abend. Die Wellen rauschten, die Leute jubelten, und die Sonne erlosch am Horizont als Spielzug auf Spielzug folgte – einfach unvergesslich. Football Fan werde ich aber leider trotzdem nicht.

„Leinen los und auf nach Kuba!“, das war die Ankündigung am nächsten Morgen. Die Pelican schlängelte sich ein zweites Mal, unter Motor, durch die Mangroven und segelte dann schließlich mit einem nordöstlichen Kurs los (Wer jetzt nicht weiß, was das heißen soll, sollte zu Christin in den Geo-Unterricht kommen).

Viel Enthusiasmus und Euphorie entwickelte sich langsam, als wir uns nach einigen langgezogenen Tagen auf See dann endlich Kuba näherten. Leider bot unser ursprünglich angepeilter Hafen in Kuba, Havanna, keinen geeigneten Anlege-Platz und wir gingen vor dem Hafen von Cienfuegos (im Süden von Kuba) vor Anker gehen.

Nichtsdestotrotz war unser Aufenthalt und unser Landesprogramm in Kuba wunderbar. Nachdem wir an unserem ersten Tag im Hafen von Cienfuegos Klarschiff machten, Immigration vollendeten und ein Drogenspürhund auf Kiras Hose kotzte, brachen wir früh am nächsten Morgen in das Valle de Viñales auf, wo wir eine Fahrradtour machen sollten.

Beim Shutteln an Land entschied sich Leopold aber noch kurz dazu ein Bad zu nehmen und lief in völliger Dunkelheit über die Kante des Steges hinaus und plumpste ins Wasser. Nach einer sechsstündigen Busfahrt kamen wir dann schließlich, mit Camping Ausrüstung, sauberen Klamotten für drei Tage und einem trockenen Poldi an.

Für die nächsten Tage radelten wir von Campingplatz zu Campingplatz, tanzten abends mit Kubanern, schwammen in einem Fluß und genossen bei jedem Essen dieselben drei Sorten Softdrinks und wählten aus den vier Gerichten Schwein mit Reis, Hühnchen mit Reis, Rind mit Reis oder Gemüse mit Reis, die uns überall angeboten wurden.

Unser vorerst letzter Tag in Kuba war natürlich Havanna gewidmet. In Havanna erhielten wir von unseren Tourguides eine kleine Tour durch die Innenstadt von Havanna. Darauf folgte eine Stunde Freizeit, in der wir die Stadt weiter erkundeten und auch einige kleine Mitbringsel einkauften.

Am selben Tag kehrten wir auf die Pelican zurück und wurden sehr nett von unseren neuen Crew-Mitgliedern Steve, Chris und Elli in Empfang genommen. Chris und Steve werden unseren Captain Ben und Deck Hand Pete ersetzen bis sie aus ihrem Urlaub zurückkehren.

Als wir uns dann endlich wieder in unseren Kabinen eingefunden hatten und bereit waren abzulegen, gab es von unserem neuem Captain Chris eine schlechte Nachricht. Wir würden noch auf eine Öllieferung warten und müssten daher wahrscheinlich noch ein paar Tage in Cienfuegos ausharren.

Dies taten wir auch und nach einigen Tagen wurde Kuba zum ‚Mañana-Land‘ – Morgen Land – da sich die Öllieferung immer wieder um einen Tag verschob. Als wir dann endlich das Öl erhielten, liefen wir aus Cienfuegos aus und machten uns auf dem Weg nach Bermuda.

Dieser Weg sollte aber nicht so einfach sein wie zuerst vermutet, und so brach unser Motor vor etwa einer Woche zusammen. Vorerst planten wir Havanna anzusteuern, aber weil der Wind gegen uns war und wir teilweise rückwärts fuhren, beschloß der Captain Hilfe zu rufen.

So kam es also, dass die US Coast Guards uns bis nach Key West schleppten mussten, um dort den Motor reparieren zu lassen. Wir schafften es sogar auf die Website der US Coast Guards, da es wahrscheinlich das erste Mal war, dass ein Tall Ship von einem Schiff der US Coast Guards von der Küste Kubas bis nach Florida abgeschleppt wurde.

In Key West angekommen übernahm ein kleineres Schleppboot das Ziehen und brachte uns zu unserer Ankerstelle. In den folgenden Tagen erhielten wir einige Essensvorräte, darunter auch viele Früchte und aßen sogar zum ersten Mal auf dieser Reise Obstsalat.

Heute, am 03. März, sind wir schon einige Tage hier und dürfen leider nicht an Land, da wir keine Visas haben. Trotzdem läuft alles hier auf der Pelican weiterhin sehr harmonisch ab und wir sind alle gut gestimmt, besonders weil wir von unserem Ankerplatz aus den Start der Space X Rakete ‚Crew Dragon‘ mit ansehen konnten.

An die Sonne hier in Key West kann man sich echt gewöhnen.
Wir tanken ein wenig davon für alle Leser im kalten Europa mit auf.

Liebe Grüße an Zuhause und an alle Leser,

Robert J.