Ocean College

Schülerin Kira R

Es war einmal…

Datum: 09.03.2019
Autorin: Kira R. 
Position: Im Bermudadreieck
Nautische Position: 29°09.6N; 74°28.2W
Etmal: 8978Nm (total)

Es war einmal ein kleines Dorf namens Pelicania im Königreich Atlantiko. Das Dorf hatte weder viel Fläche, noch viele Einwohner. Es wohnten in ihm zwölf Lehrmeister der Magie und dreißig Lehrlinge.

Von groß bis klein, blond- bis schwarzhaarig, männlich bis weiblich war alles vertreten und unter ihnen lebte ein Mädchen mit braunen Lockenhaaren. 

Da um ihr Königreich herum mystische Gefahren lauerten, wie auch um die Nachbarkönigreiche, hatte Chris, der Große, die Bewohner aufgefordert Wache zu halten. Diese hatten jedoch noch keine Erfahrung mit dem Bekämpfen eines Drachen, weswegen der Hexenobermeister jeder Wache eine Fee zuwies.

In der Nacht machte sich das Mädchen auf den Weg zu ihrem Wachpunkt, aber da sie die Stunden normalerweise im Tiefschlaf verbrachte, war es nicht allzu leicht, die Augen offenzuhalten.

Während alle um sie herum ab und zu den Kopf sinken ließen, um ein kleines Nickerchen zu machen, musste sie der Fee unter die Arme greifen und den Positionswechsel koordinieren.

Da Uhren zu teuer waren, gab es nur eine an der Kirche, zu der das Mädchen ab und an ihren Weg nach vorne machte.

Auf einmal hörte sie lautes Grummeln und fuhr sofort hoch, aus dem Glauben einen Drachen gehört zu haben. Sie ließ ihren Blick am Horizont schweifen und sah einen riesigen roten Fleck, der aussah wie das Feuer des Drachen.

Sie berichtete dies der Fee, welche ihr auftrug dem nachzugehen, obwohl das Mädchen keinerlei Erfahrung mit dunklen Mächten hatte, die Fee jedoch allerlei. Zu ihrer Erleichterung stellte sie jedoch fest, dass der Fleck am Horizont die aufgehende Sonne war und das Grummeln aus ihrem Magen kam.

So gingen nach und nach alle Wächter nach unten in den Dorfkern, um sich ein Stück Laib und Obst zu holen. Da das Mädchen nicht viel Erfahrung mit schmiedeeisernen Waffen hatte, schnitt sie sich beim Zubereiten ihres Apfels in die Hand und musste sofort an ihre gute Freundin Schneewittchen denken.

Die beiden hatten mehr gemeinsam, als sie ahnten. Schneewittchen aß einen vergifteten Apfel, so wie das Mädchen, dessen Apfel wiederum voll mit Chemikalien aus einem fernen Land namens Floridiana war, in dem Hexen ihre Finger im Spiel hatten, um die Früchte größer und schöner zu machen.

Ihr Daumen färbte sich in die Farbe von Schneewittchens Lippen: Bordeauxrot. Eine Farbe, benannt nach einem französischen Dorf, das sie gerne einmal besichtigen würde, dachte sie. Als dann der Wachwechsel stattfand, verschwand das Mädchen schnell in ihre Hütte, um den verlorenen Schlaf wieder einzuholen.

Sie wachte schon nach einer Stunde wieder auf, mit dem täglichen Ruf der Feen, der den Ruf der Stadtbäckerei überdeckte. Die Bäcker informierten die Stadt, dass der Köchin ein Fauxpas mit dem Brot unterlaufen war und sie es deshalb an die Bewohner verschenkte, welches im Nachgeschmack wie Bier schmeckte. 

Mit verquollenen müden Augen bewegte sie sich in Schleichbewegung Richtung Handwerkerei, wo sie von den Feen erwartet wurde. Aus dem Augenwinkel sah sie währenddessen ein paar Bewohner, die dem Ruf der Bäcker eilig nachkamen.

Während der handwerklichen Arbeit am Fluss konnte das Dorf beobachten, wie Wellen aus Algen an ihnen vorbeischwammmen, die Teppichen glichen. Auf diesen schwamm glänzendes Material, das laut Oberfee von Menschenhand gemacht wurde. Es stammt aus fernen Ländern, in denen sie es Plastiko nennen. 

Als auch die handwerkliche Arbeit geschafft war, holte sie sich bei der Dorfküche ihr Essen ab, legte sich an ein sonniges Plätzchen und unterhielt sich über den täglichen Klatsch und Tratsch. Da sie bereits auf dem Dorfplatz lag, musste sie sich nicht großartig bewegen als die tägliche Dorfversammlung anstand, bei der die Lehrlinge der Feen zum ersten Mal das Wort übernahmen.

Um der Verfassung des Dorfes nachzukommen, mussten die Magieschüler nun den Unterricht besuchen. Konzentrieren konnte sie sich nicht. Dies war auch kein Wunder, da der leckere Brezelgeruch aus der Bäckerei entfloh, die für das Abendmahl zubereitet wurden.

Aus Güte verschenkten die Bäcker das Papier, auf dem sich das Gebäck befand, weswegen die Lehrlinge und Meister knabbernd auf ihren Bänken saßen.

Hungersnot gab es nicht, jedoch könnte man das Gegenteil vermuten, wenn man von außen über die Dorfmauern lugte. Als das Abendmahl fertig war, genoss das ganze Dorf das Mahl, das aus Gebäck, Würstchen/Zucchini und Krautsalat bestand. 

Als die gute Fee schließlich von den Vorkommnissen des Morgens erfuhr, trommelte sie die ganzen Bewohner zusammen und brachte ihnen magische Lieder bei, die die Fabelwesen hypnotisieren sollen anstatt sie zu bekämpfen. 

Gewappnet für den nächsten Tag, ging das Mädchen in ihr Schlafgemach. 
Von ihrem Zimmer aus, sah sie in die Ferne und dachte über den märchenhaften Tag nach. Sie hatte viel Magisches gelernt, ein drachenähnliches Wesen gesichtet, verzaubertes Brot gekostet und einen mystischen Algenteppich erblickt.

Einen Haken hat das Märchen allerdings: Es birgt keine Liebesgeschichte, denn laut Dorfverfassung ist dies strengstens verboten.

Während sie also ihren Blick über die hell erleuchtete Stadt schweifen ließ, sah sie Aschenputtel immer noch ihre Erbsen sortieren, Rapunzel ihr Haar flechten, Schneewittchen im Sarg liegen und Dornröschen hinter der Dornenhecke verkümmern.

Zufrieden legte sie sich auf ihre hölzerne Bank und lebte glücklich bis an ihr Lebensende. 

Grüße aus dem Bermudadreieck an all meine Lieben zuhause. Mir geht es immer noch sehr gut, ich hoffe euch auch. Ich vermiss und freu mich auf euch.