Ocean College

auf dem Ozean

Das tote Pferd

Datum: 24.03.2019
Autor: Basti
Position: Nordatlantik
Nautische Position: 32°41.3’N 47°17.8’W
Etmal:  (total) 10541 nm

Wir arbeiteten hart, jeden Tag, jede Nacht. 30 Tage im Monat, 6 Monate am Stück auf einem Dreimaster der britischen Handelsmarine. Die Arbeit war kein Zuckerschlecken, Segeln ist nun mal nichts für Zartbesaitete. Wir setzten und refften die Segel tagein, tagaus.

Es war endlich wieder soweit, heute würden die elendigen Schulden wieder auf Null zurückgesetzt. Ich begab mich in die Kombüse, um meine Backschaft zu absolvieren. Das Wetter war schön, die See war ruhig und alles ging seinen gewohnten Lauf. Meine Backschaft und ich hatten schnell und effektiv gearbeitet und waren daher noch vor dem Mittagessen mit allen Mahlzeiten und dem Dessert fertig. Deswegen hatten wir den Nachmittag bis zum Abendessen frei.

Dann gab es aber nach dem Mittagessen die Zeremonie, bei der die gesamte Crew feierte, dass die Schulden beim Kapitän nun endlich abgearbeitet waren. Zwei Gruppen liefen in einer Prozession mit den Pferden um das Schiff und besangen den Captain als ‘poor old man’, dann zogen die jüngsten Crewmitglieder die beiden Pferde den Mast empor und schnitten anschließend die Seile durch, sodass die Pferde in den Atlantischen Ozean fielen und all unsere Sorgen mit ihnen!

Bei dem ersten Durchlauf des Abendessens wurde plötzlich angesagt, dass alle, die gerade nicht zu Abend essen, nach draußen müssen und helfen, da die See rauer geworden ist! Es ging draußen ganz schön zur Sache. Ich beobachtete dies für kurze Zeit aus dem Bullauge der Kombüse. Ich sah sie alle in einer Reihe mit vereinten Kräften an den Leinen ziehen. Wir hofften, dass der Sturm nicht allzu lange anhielt…

P.S.: Dieser Tagesbericht ist eine Kurzgeschichte und leicht übertrieben! Die Pferde, die vorher von einigen Schüler_innen gebastelt wurden, konnten wir mit einer zweiten Rückholleine in einem Stück wieder aus dem Wasser fischen. Sie werden in Boulogne zu bewundern sein. Allen von uns geht es gut, wir sind lediglich durch einen sogenannten Squall (eine dunkle Wolke, die meistens Regen und etwas mehr Wind mitbringt) gesegelt. Die ‘dead horse ceremony’ ist eine Tradition, die am Ende eines Monats durchgeführt wurde, wenn die Crew im Hafen mal wieder Schulden bei ihrem Kapitän gemacht hatte. Danach verdienten sie wieder Geld mit ihrer Arbeit.

Ich wünsche allen eine gute Nacht.
Basti