Ocean College

mitten auf dem Meer

Was nicht schon so alles passierte…

Datum: 28.03.2019
Autorin: Sophie
Position: North Atlantik
Nautische Position: 36°26.1N 37°18.3W
Etmal: 11176 nm

Schon bald ist die Reise vorbei,
was ne Schweinerei!
Wir haben es hier sehr genossen,
vor allem, dass es hat wenig vom Himmel gegossen.
Das Wetter war immer schön und die Zeit hier echt cool,
auch wenn’s manchmal ungewohnt war mit der Bord-Schul.
Auch erlebt haben wir viel,
seit dem Probe-Wochenende in Kiel.

Am zwölften Oktober begann für mich die Reise
und direkt nach Dublin segelten wir in die Scheiße!
Die See war rau und die ersten Etappen sehr kurz
und mir tat nichts weh, bis zum ersten Treppensturz…
Mein Po und meine Beine waren blau und alles schmerzte,
doch zum Glück hatte ich Kira, die mit mir scherzte.
Auf See kam mein Mageninhalt nur selten heraus,
doch in Marrakech ließ ich diesen als Souvenir im Café-Haus.
Pünktlich zur Überfahrt waren meine Blutergüsse verheilt,
so als hätte sich mein Körper extra beeilt.

Drüben angekommen ging’s aber direkt wieder los…
Rutsch und Platsch, ich flog vom Bowsprit auf meinen Schoß.
Die Luft blieb mir weg und blau war mein Bauch
und zu all dem starb auch unser Trockner im Rauch.
Die Inseln warn schön und das Wasser sehr warm 
daher schnorchelten wir viel und sahen Fische im Schwarm.

Weihnachten feierten wir dieses Jahr im Warmen,
es war richtig cool nur leider konnten wir unsere Familien nicht umarmen.
Kurz danach flogen die Raketen und es gab einen Neujahrsschuss 
und das Verlassen des Schiffs war nun ein Muss!

In Costa Rica hatten wir ne Menge Spaß,
auch wenn leider die Zeit uns wegras’.
Weg waren unsere paar Lehrer,
doch unser Leben dadurch nicht sonderlich schwerer.
Unsere Tage waren immer noch strukturiert bis zur letzten Sekunde 
und Freizeit hatten wir wie gewohnt, nur hier und da mal für ne Stunde.
Nach genau drei Monaten hatten wir den ersten Tag komplett frei
und als wir dies realisierten kam der Schrei!
Wir fuhren alle nach San José, 
wobei wir uns dachten: Freiheit, olé!
Doch wie es der Zufall nunmal will,
begegneten wir uns dort so oft, als gäbe es einen Drill!
Weiter ging’s für uns auf die Kaffeefarm, 
wo vor uns Joachim stand und für den Geschmack des Getränks schwarm.
Er verzog sein Gesicht und schlürfte,
sodass es aussah, als wenn er Hilfe bedürfte. 

Zurück zuhause, nämlich der Pelikan,
sortierten wir in den neuen Zimmern erstmal unseren Kram.
Wir freuten uns sehr, dass wir segelten wieder los,
auch wenn das Chaos an Bord war noch ziemlich groß!
In Panama machten wir dann noch nen kurzen Stopp
bevor wir uns auf den langen Weg nach Kuba machten, hophop.

Rauf auf die Räder mit Isomatte und Zelt
und solang strampeln, bis der Reiseführer mal hält!
So war zumindest unser Plan,
doch nach den vielen Pannen in den ersten Minuten, versanken wir in Scham.
Die Kondition und das Können war weg
und viele von uns bekamen nen Schreck.
Kurz nach dem Besuch in Havanna 
bekamen wir dann das Motto der Kubaner zu spüren, nämlich: MAÑANA! 

Unser Motor machte kurz nach Abfahrt dann eine Pause,
sodass es endlich mal still wurde bei uns Zuhause.
Freundschaften schließen machte uns die ganze Reise schon viel Spaß,
weshalb es uns nichts ausmachte, dass die Pelican auf nem kaputten Motor saß.

Wir luden die Amerikanische Navy zu uns ein 
und sie fanden uns so sympathisch, dass sie uns zogen, zu sich heim!
Viel zu lange war’n wir dann vor deren Haustür geblieben,
bevor die Strömung hat uns an Miamis Skyline vorbei getrieben.
In Bermuda kamen wir dann auch endlich an 
und zum ersten Mal auf der Reise machten wir uns an einen Beach Clean Up ran! 

Das Wetter wollte uns durch den Plan machen einen Strich,
doch wir zogen unser Ölzeug an und standen im Regen am Strand und dachten uns nur so: Ha, Stich!

Nun stecken wir auf dem Nordatlantik mit dem falschen Wind
und sollten uns mal nach Horta bewegen, und zwar geschwind!
16 Tage bleiben uns noch über
und dann haben wir’s geschafft: einmal in die Karibik – und wieder rüber.

Liebe Leserinnen und Leser, was Sie gerade gelesen haben, war mein Beitrag zu unseren heutigen Deutschpräsentationen, die sich alle mit dem Thema ‘Unterwegs sein’ beschäftigt haben. Die Ergebnisse waren alle sehr unterschiedlich und jedes ziemlich einzigartig.

Ich hoffe, dass Ihnen meins gefallen hat. Desweiteren hat Niklas uns, in einem freiwilligen, lange vorbereiteten Vortrag, in die Bomben- und Explosionswelt gesprengt, sein Hobby und seine große Leidenschaft. Nach dem Abendessen folgte Felix’ Pathway-Präsentation, welches die letzte ihrer Art  für diese Reise war.

Zum Nachtisch gab es Flapjacks (Haferflocken mit ganz viel Zucker und Schokolade). Die Krönung des Tages kam aber erst relativ spät, nämlich gegen Ende meiner Wache. Um ca. 23:50 bekamen wir Besuch, beziehungsweise wir wurden begleitet: eine Gruppe Delphine schwamm wild um unser Boot herum, bevor sie unter dem Bowsprit spielten. Sie fragen sich wahrscheinlich gerade, warum das mein Highlight war, da wir ja eigentlich schon oft genug Delphine gesehen haben.

Aber diesmal war es anders: Durch das Phytoplankton, welches die Delphine in Bewegung setzten, schien es so, als würden sie und ihre Spuren leuchten!

Sie müssen sich das so vorstellen: Alles ist stockfinster, das Schiff schwankt und man lauscht dem Meeresrauschen, und auf einmal sieht man hellblau leuchtende Kringel und Linien im Wasser, welche von der ebenfalls leuchtenden Silhouette eines Delphins geführt werden. Wahnsinn!! Nachdem ich dann zu den Kabinen gerannt bin, meine Kameraden geweckt habe mit dem Satz: “Draußen sind leuchtende Delphine!” und ein paar Minuten das Spektakel beobachtet habe, bin ich dann in mein Bett geschlüpft und mit Wärmflasche im Arm eingeschlafen.

PS.: Liebe Grüße an meine Familie und den Mittagstisch, ich hab euch lieb und freu mich schon euch in 16 Tagen wiederzusehen! – Sophie