Ocean College

Wasser und Brot? Elektrolyte und Kekse!

Datum:                                   28. Januar 2020
Autorin:                                 Ella (stellvertretend für Hannah)
Position:                                 Bocas del Toro
Geographische Position:     9°19.681´N / 82°14.398´W
Etmal:                                     0nm

Es könnte das Wasser gewesen sein. Oder einfach ein Virus. Oder noch etwas anderes, von dem wir im Moment noch nichts ahnen. Ganz sicher kann man das nicht sagen. Fakt ist, dass wir kotzen. “Wir” sind 11 Leute Schüler*innen und Lehrer*innen, die meisten hat es erst gestern Abend erwischt.

Personen, die über dem Loch an der Reling hängen und ein bisschen blass sind – das kennen wir inzwischen, allerdings eher aus der Biskaya, als der Grund für ständiges Übergeben noch recht offensichtlich war: Seegang. Im Moment liegen wir aber vor Anker und Wellen sind weit und breit nicht zu sehen.

Die Stimmung ist im Allgemeinen ein bisschen gedrückt: Die Sonne scheint nicht wirklich, der Himmel ist bewölkt und an Deck liegen in sämtlichen Ecken und Nischen kranke Menschen neben ihren Kotzeimern, die nur ab und zu ein Lebenszeichen von sich geben und an einem Elektrolytegemisch nuckeln. Ich gebe dem Kapitän da recht, man könnte durchaus Parallelen zu einer Zombieapokalypse feststellen.

Leider gilt das auch, oder vielleicht sogar vor allem für das Tempo und die Effizienz, mit der sich das Ganze ausbreitete. Von einer auf elf Kranken in ca 2h (im übrigen schon gestern Abend), da würde so mancher Zombie vor Neid den Kopf verlieren (Fürs blass werden ist es da schon zu spät).

Für uns bedeutet es, dass wir putzen, desinfizieren und Abstand halten. Wer Türen öffnet und das gilt für normale, die wasserdichten und den Kühlschrank, der sollte vorher und nachher die Hände waschen. Morgens und abends putzen wir allgemein, wir teilen kein Essen, keine Tassen oder Teller mehr, wir haben das Besteck abgekocht und trinken wie gesagt Wasser mit Elektrolytpulver – das vermutlich widerlichste Gebräu, das man sich vorstellen kann.

An dieser Stelle ein Tipp dazu: Auf gar keinen Fall Apfel, Banane ist zum Kotzen (…) und auch Ananas ist nicht zu empfehlen. Wenn man nicht drumrum kommt sollte man sich für Orange entscheiden, das ist am wenigsten abartig. Empfohlene Aufnahme: Nase zuhalten, in größtmöglichen Schlücken exen und nicht wieder auskotzen.

Zugegeben, die oben beschriebenen Szenarien lassen sich momentan mit unseren zahlreichen Kotzerfahrungen und einer gesunden Portion Humor doch recht gut ertragen, wir bleiben standhaft. Putzen ist mit der richtigen Musik kein Problem, wir bekommen ausnahmsweise mehr als genug Schlaf und genießen die freie Erholungszeit mit Lesen, Singen, Film schauen oder einfach nichts tun – das kann auch dem gesunden Teil unter uns nicht schaden. Schule hat unter den gegebenen Umständen noch nicht wieder angefangen, schließlich blieben auch die Lehrer*innen nicht verschont.

Jetzt gerade hat sich auf dem Vordeck eine Musikgemeinschaft gebildet: Stephan und Jonas spielen Gitarre, Jens und Lea haben die Ukulelen ausgepackt und Florett spielt Akkordeon. Es singt wer singen kann, aber vorallem Stephan. Ich glaube die Musik hilft hier im Moment am besten gegen alles.

P.S. aus dem Büro in Berlin: Dieser Bericht heute mal ohne Bilder, dazu wollen wir keine “passenden” veröffentlichen:). Dieser Bericht vom 28.01. wir heute am 31.01. veröffentlich und inzwischen geht es fast allen wieder gut, nur noch zwei von der Crew sind ausgeknockt.